Früherer FARC-Rebellenchef bittet Opfer um Vergebung

Der Chef der ehemaligen FARC-Rebellen in Kolumbien hat zu Beginn seines Prozesses die Opfer von Übergriffen der Guerilla um Vergebung gebeten. Er werde sich bemühen, das „Unmögliche“ zu schaffen, damit sie „die Wahrheit“ über das Geschehene erfahren könnten, sagte Rodrigo „Timoschenko“ Londono gestern in Bogota. Die FARC akzeptiere die Verantwortung, die sie trage, fügte Londono hinzu.

Der ehemalige FARC-Rebellenchef Rodrigo „Timoschenko“ Londono

Reuters/Luisa Gonzalez

Der Prozess gegen die Anführer der FARC ist Teil des Friedensvertrags aus dem Jahr 2016. Vor dem Sondergericht für Frieden (JEP) werden die Kommandeure etwa zu Anschuldigungen wegen Entführungen aussagen.

Jahrzehntelanger, blutiger Kampf gegen die Regierung

Die Guerrillagruppe Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens (FARC) hatte ein halbes Jahrhundert lang gegen die Regierung in Bogota gekämpft. Mehr als 260.000 Menschen wurden getötet. Etwa sieben Millionen Menschen flohen vor der Gewalt, mehr als 60.000 weitere werden vermisst. Im November 2016 schlossen die beiden Seiten ein Friedensabkommen. Die FARC gab darauf ihre Waffen ab und tritt seitdem als politische Partei auf.

Der damalige Präsident Juan Manuel Santos hatte für das Abkommen den Friedensnobelpreis erhalten. Sein konservativer Amtsnachfolger Ivan Duque sieht das Abkommen jedoch kritisch. Er hatte nach seinem Wahlsieg im Juni „Korrekturen“ am Friedensvertrag angekündigt.