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Enge Vertraute im Gremium

Elon Musk, Chef des US-amerikanischen Unternehmens Tesla, strapaziert seit Sonntag die Nerven des Konzernvorstands. Denn immer öfter kam es in letzter Zeit zu verbalen Entgleisungen ihres CEO. Dass das Aufsichtsgremium des Elektrofahrzeugherstellers jedoch Konsequenzen zieht, gilt als unwahrscheinlich. Nicht zuletzt deshalb, weil Musk sich doch noch aufgrund des öffentlichen Drucks für seine Wortwahl entschuldigte.

Rückendeckung sicherte sich der Tesla-Chef aber trotzdem. Denn in dem neunköpfigen Aufsichtsgremium sitzen Musks engste Verbündete. Zum Beispiel Kimbal Musk, Elons Bruder, und auch Antonio Gracias, der private Aktienfonds betreibt, die Musk selbst finanziell unterstützt. Zudem war Gracias der Boss von SolarCity, einem weiteren Musk-Betrieb, der 2016 von Tesla aufgekauft wurde. Viele weitere haben Verbindungen zu Musks Raumfahrtunternehmen SpaceX, das lässt sich unter anderem auf der Website von Tesla nachlesen.

Elon Musks Bruder Kimbal Musk

APA/AFP/Getty Images/Michael Loccisano

Musks Bruder Kimbal sitzt im Aufsichtsgremium von Tesla

Dass bei den Aktionären an der Entscheidungsfähigkeit der Gremien von Tesla und auch SpaceX erste Zweifel aufkommen, hat aber auch noch weitere Gründe. Beide Unternehmen konnten sich beispielsweise bisher nicht zu dringend notwendigen Personalentscheidungen durchringen. Eine davon betrifft die Zukunft des in beiden Unternehmen tätigen Steve Jurvetson. Gegen Jurvetson läuft ein Verfahren wegen sexueller Belästigung in seiner eigenen Firma DFJ Venture Capital, was zur Folge hatte, dass er bei Tesla und SpaceX vorerst nur beurlaubt wurde. Eine endgültige Entscheidung ist ausständig.

Rund zwei Mrd. US-Dollar im Minus

Zudem ist laut der Nachrichtenagentur Reuters der Wert von Tesla stark von Musks Vermögen abhängig. Immerhin besitzt der CEO rund 20 Prozent der Anteile an dem Elektroautopionier. Stünde Musks Zukunft auf dem Spiel, so würde das ohnehin schon angeschlagene Unternehmen Tesla Schwierigkeiten haben, ohne ihn Kapital aufzubringen. Denn welcher Investor würde sich noch einer Firma widmen, die ständig Deadlines verpasst? Tesla machte in fast 15 Jahren bisher kein einziges Mal einen Jahresgewinn. Unterm Strich stand 2017 ein Minus von fast zwei Milliarden US-Dollar (ca. 1,7 Mrd. Euro).

Musk, der mit dem Bezahlsystem PayPal reich wurde, sieht sich als eine Art Missionar für den „Wandel der Welt zu nachhaltiger, sauberer Energie“. Die Fans laufen dem Fahnenträger der Elektromobilität trotz jüngster Negativschlagzeilen immer noch in Scharen hinterher. Allein auf Twitter zählt Musk über 22 Millionen Follower. Dass er sich vor ein paar Tagen einen verbalen Schlagabtausch mit dem britischen Rettungstaucher Vern Unsworth lieferte, scheint da fast wie ein Tropfen auf den heißen Stein.

U-Boot, das Elon Musk nach Thailand schicken wollte

AP/Courtesy of Elon Musk

Musk hätte den Rettern in Thailand gerne mit einem Mini-U-Boot geholfen, diese lehnten das Angebot aber ab

Musk beschimpfte Unsworth, der einen wesentlichen Part in der Rettung aller thailändischen Buben und deren Fußballtrainer aus der Tham-Luang-Höhle spielte, auf Twitter als „Pädophilen“. Unsworth drohte dann am Montag mit rechtlichen Konsequenzen. Zuvor hatte er über Musk gesagt: „Er kann sich sein U-Boot dahin schieben, wo es wehtut.“ Der Taucher hatte nämlich ein von Musk angebotenes Mini-U-Boot zur Rettung der Fußballmannschaft abgelehnt und als „PR-Trick“ bezeichnet.

Kritik an Arbeitsbedingungen bei Tesla

Der Disput rund um das nicht eingesetzte Mini-U-Boot dürfte nicht die einzige verbale Entgleisung sein, die sich Musk in letzter Zeit erlaubt hat, glaubt man Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von Tesla. Immer wieder soll ihr CEO cholerisch herumbrüllen und Überstunden bis zum Abwinken anordnen inklusive Wochenendarbeit. „Die Manager und Leiter gehen herum und sagen, ‚wenn du nicht kommst, wirst du aufgeschrieben‘“, berichtete ein Arbeiter Reuters von den Arbeitsbedingungen bei Tesla.

Musks Nerven sollen in den letzten Wochen offenbar blank gelegen sein. Setzte die Fertigung wegen technischer Probleme einmal aus, habe Musk, der zum Teil sogar selbst in der Fabrik übernachtete, seine Ingenieure angeschnauzt, so ein weiterer Arbeiter. Hintergrund dürfte Teslas Ziel gewesen sein, in einer Woche 5.000 Fahrzeuge des Hoffnungsträgers Model 3 zu produzieren. Laut Expertinnen und Experten ein viel zu hoch gestecktes Ziel.

Entschuldigung folgte nach Aufforderung

Selbst wenn es vonseiten Unsworths zu den angekündigten rechtlichen Konsequenzen kommen würde, schätzen Expertinnen und Experten Reuters zufolge die Wahrscheinlichkeit gering ein, dass Musk wegen seines „Pädophilen-Tweets“ eine ernsthafte Krise zwischen ihm und den Tesla-Aktionären auslösen könnte. Zwar schrieb James Anderson, Partner bei Baillie Gifford, Teslas viertgrößtem Shareholder, am Montag in einer E-Mail an den „Guardian“, er habe seine Gedanken der Firma mitgeteilt, obwohl er normalerweise Musks kritischer Einstellung oft zustimme.

„Aber dieses Mal ist es anders. Wir sind in Kontakt mit der Firma und wir haben die Hoffnung, dass das ernst genommen wird“, schrieb Anderson. Er wünsche sich „Frieden, Ruhe und Umsetzung“ bei Tesla. Etliche weitere Aktionäre forderten eine persönlich Entschuldigung von Musk. Die Risikokapitalgesellschaft Loup Ventures veröffentlichte sogar einen öffentlichen Brief, in dem es heißt, Musk habe „eine Linie überschritten“, weshalb eine Entschuldigung gefordert wurde.

Schließlich habe der Tesla-Chef aufgrund des großen Drucks der Aktionäre doch noch reagiert und eine öffentliche Entschuldigung ausgesprochen, wie britische Medien berichteten. Er habe „in Zorn gesprochen“, da Unsworth ihn beleidigt habe. Zur von Unsworth in Erwägung gezogener Klage sagte Musk laut BBC: „Seine Handlungen gegen mich rechtfertigen nicht meine Handlungen gegen ihn, und dafür entschuldige ich mich.“

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