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Wieder mehr Geld für Gas, Öl und Kohle

Der Anteil erneuerbarer Energien soll in der EU bis 2030 auf knapp ein Drittel steigen - auf dieses Ziel einigten sich EU-Parlament und Mitgliedsstaaten erst unlängst. Doch der weltweite Trend verläuft nach Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA) in eine andere Richtung. Es gäbe einen „beunruhigenden Trend“ bei der Finanzierung von Ökoenergieträgern.

Erstmals seit vier Jahren seien weltweit wieder mehr Investitionen in fossile Energieträger geflossen, heißt es im globalen Energieinvestitionsbericht 2018 der IEA, der am Dienstag veröffentlicht wurde. Erdgas, Öl und Kohle hätten im vergangenen Jahr für 59 Prozent aller Energieinvestitionen gestanden, heißt es darin weiter. Es handelt sich dabei um den ersten Anstieg seit 2014.

Sieben Prozent weniger

In erneuerbare Energien floss hingegen um sieben Prozent weniger Geld als noch 2016 - 318 Mrd. US-Dollar (271 Mrd. Euro) stünden 240 Mrd. US-Dollar (knapp 205 Mrd. Euro) im vergangenen Jahr gegenüber. Ausnahme war nur die Solarenergie: In diesen Sektor wurden weltweit rund 150 Mrd. Dollar (rund 128 Mrd. Euro) investiert, das sei laut IAE ein Rekord. Wind- und Wasserkraft waren dagegen deutlich weniger nachgefragt.

Photovoltaikanlage

Getty Images/fhm

Solarenergie liegt noch immer im Trend - im Vorjahr wurde eine Rekordsumme dafür investiert

China zieht mit rund zwanzig Prozent weltweit die meisten Investitionen an, darauf folgen die USA und danach Europa. In Indien gab es eine Premiere: Erstmals floss mehr Geld in erneuerbare Energieträger als in fossile.

„Auch in kommenden Jahren bedeutende Rolle“

In dem neuen Bericht schlussfolgert die IEA, dass fossile Energien auch „in den kommenden Jahren eine bedeutende Rolle spielen“, was einen weiteren Einbruch bei erneuerbaren Energien zur Folge hätte. Damit verbunden: eine Gefährdung von Energiesicherheit und Klimazielen. Zwar gab es bei Kohlekraft einen Rückgang auf ein Zehnjahrestief, hingegen stiegen die Mittel für die Öl- und Erdgasförderung um 40 Prozent.

„Wir sehen (bei erneuerbaren Energien, Anm.) einen Rückgang, der enttäuschend ist. Noch enttäuschender sind die Anzeichen dafür, dass sich dieser Rückgang in diesem Jahr fortsetzen könnte - das ist ein besorgniserregender Trend“, so IEA-Exekutivdirektor Fatih Birol. Um die Klimaziele zu erreichen, müsste der Anteil fossiler Brennstoffe bei Energieinvestitionen bis 2030 auf 40 Prozent gesenkt werden, doch kam es im Vorjahr sogar zu einem Zuwachs auf 59 Prozent.

IEA mahnt Taten ein - nicht nur schöne Worte

Den schönen Worten sollten auch Taten folgen, so Birol - er forderte die Regierungen auf, Hürden für Investitionen für grüne Energie abzubauen. Die IEA mit Sitz in Paris gilt als einer der wichtigsten internationalen Monitore für den Energiemarkt. Sie berät dreißig Regierungen in aller Welt bei der Energiepolitik, darunter auch Österreich.

Ein großer Teil des Wachstums fossiler Energie wird durch den Boom von Schieferöl und Schiefergas in den USA getrieben. Die USA haben ihrerseits die Produktion von Schiefergas in den vergangenen Jahren stark hochgefahren und suchen weltweit Absatzmärkte. Im vergangenen Jahr wurden 17,2 Mrd. Kubikmeter exportiert. Lediglich 2,2 Prozent davon gingen in die EU. Das liegt auch daran, dass es in Europa bisher wenig Terminals zur Abnahme von Flüssiggas gibt.

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