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Zeiten „seltsam und unsicher“

Tausende haben am Dienstag in Johannesburg dem früheren US-Präsidenten Barack Obama zugejubelt, der dort zu Ehren Nelson Mandelas eine Rede hielt. Unter freiem Himmel trat Obama bei einer Feier zum 100. Geburtstag des Kämpfers gegen die Apartheid erstmals wieder bei einer solch hochkarätigen Veranstaltung auf. Er sprach von Mandela als einem „Giganten der Geschichte“ und geißelte eine „Politik des starken Mannes“. Auffällig unerwähnt blieb dabei Obamas Nachfolger im Weißen Haus, Donald Trump.

An der Veranstaltung nahmen unter anderem auch Mandelas Witwe Graca Machel und der frühere UNO-Generalsekretär Kofi Annan teil. Obama rief bei seiner Rede Menschen auf der ganzen Welt dazu auf, Menschenrechte und andere Werte, die in Gefahr seien, zu respektieren. Mandelas Ideen von Demokratie, Diversität und Toleranz müssten erhalten bleiben, so Obama.

„Bin kein Alarmist“

Die Zeiten seien „seltsam und unsicher“, täglich gebe es mehr verstörende Nachrichten. Für Obama ist weltweit eine „Politik der Angst, der Ablehnung und der Einsparungen“ auf dem Vormarsch - „in einer Geschwindigkeit, die vor Jahren noch undenkbar erschien“.

Obamas Rede in Johannesburg

APA/AFP/Gianluigi Guercia

Tausende versammelten sich im Gedenken an Mandela

„Die Mächtigen“ würden versuchen, jede Institution zu unterwandern, „die Demokratie Bedeutung verleiht“. Er sei „kein Alarmist, ich zähle nur die Fakten auf. Seht euch um.“ Den Herausforderungen einer globalisierten Welt müsse gemeinsam begegnet werden, forderte Obama. „Wir brauchen mehr internationale Zusammenarbeit, nicht weniger.“

Standing Ovations

Man müsse für Gleichheit in allen Formen eintreten: „Ich würde meinen, wir hätten das bereits verstanden.“ Stattdessen aber gebe es unter den politischen Führungsfiguren einen „völligen Verlust des Schamgefühls“, so Obama weiter. „Wenn sie bei einer Lüge erwischt werden, verdoppeln sie einfach den Einsatz und lügen noch mehr“, so Obama. Die Verleugnung von Fakten, etwa des Klimawandels, sei das Verderben für die Demokratie.

Obama in Südafrika umjubelt

Bei einer Rede zu Ehren von Nelson Mandela kritisierte Obama, dass die Diskriminierung von Menschen weiter um sich greift.

Der Friedensnobelpreisträger erinnerte das Publikum auch daran, dass „wir schon durch finsterere Zeiten gingen. Wir gingen durch tiefere Täler“, so Obama in Erinnerung an Mandela. Dessen Anstrengung gegen die Diskriminierung müsse weitergeführt werden. Auch in den USA und in Südafrika sei sie weiter eine Tatsache, sagte Obama. Mandela habe die „Hoffnung der Besitzlosen in der ganzen Welt auf ein besseres Leben dargestellt“, sagte Obama. „Ich glaube an Nelson Mandelas Vision (...) von Gleichheit und sozialer Gerechtigkeit.“ Sogar aus seiner kleinen Gefängniszelle heraus habe Mandela viele Menschen - darunter auch ihn selbst - inspiriert. Im Anschluss an Obamas Rede gab es Standing Ovations.

Zuvor Kenia besucht

Es war Obamas erster Besuch in Afrika sei Ende seiner Amtszeit Anfang 2017. Zuvor besuchte er in Kenia den Geburtsort seines Vaters. Bisher vermied es Obama, öffentlich zu Trump Stellung zu nehmen, etwa als die USA sich aus dem Pariser Klimapakt zurückzogen.

Obamas Rede in Johannesburg

APA/AFP/Marco Longari

Es war Obamas erste große Rede nach Ende seiner Amtszeit

Mandela wäre am Mittwoch 100 Jahre alt geworden. Nach seiner Haftentlassung 1990 wurde er Südafrikas erster schwarzer Präsident und vertrat eine Politik der Versöhnung nach dem Ende des Apartheid-Regimes. Er starb 2013 im Alter von 95 Jahren.

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