Sorge um Regisseur Senzow nach langem Hungerstreik

Am 86. Tag seines Hungerstreiks befindet sich der in Russland inhaftierte ukrainische Filmemacher Oleg Senzow nach Angaben seines Anwalts in sehr schlechter Verfassung. Senzow habe 30 Kilogramm Körpergewicht verloren, sagte sein Verteidiger, Dimitri Dinse, gestern der Nachrichtenagentur AFP. Senzow war am 14. Mai in den Hungerstreik getreten. Er will erst aufhören, wenn Russland alle ukrainischen „politischen Gefangenen“ freilässt.

Senzow kämpfe „bis zum Ende“

Dinse zufolge hat sein Mandant sehr niedrige Werte an roten Blutkörperchen, sein Herz schlage nur noch 40-mal in der Minute. Er sehe „schlecht“ aus, versuche aber „standzuhalten“. Die Angabe der Gefängnisleitung, wonach Senzows Zustand „zufriedenstellend“ sei, treffe nicht zu. Senzow sei sich bewusst, dass er sterben könne. Er sei aber bereit, „bis zum Ende für seine Position zu kämpfen“.

Der 42-jährige, 1,90 Meter große Senzow wog nach Angaben seines Cousins ursprünglich 100 Kilogramm. In einer handschriftlichen auf Dienstag datierten Notiz, die Dinse über Facebook verbreitete, lehnt Senzow einen Vorschlag von Anwälten ab, ihn in ein Krankenhaus seiner Heimatregion Krim zu verlegen. Er werde dort nicht unbedingt lebend ankommen, schreibt Senzow. Er sei in seiner jetzigen Lage „nicht transportfähig“, also bleibe er, wo er sei. Senzow wird in einer Strafkolonie in Russlands äußerstem Norden festgehalten.

Schicksal sorgt für internationale Proteste

Der Filmemacher und Aktivist war 2014 auf der Halbinsel Krim nach deren Anschluss an Russland festgenommen worden. Die russische Justiz befand ihn für schuldig, Brandanschläge auf Büros von moskaufreundlichen Parteien auf der Krim organisiert zu haben und verurteilte ihn zu 20 Jahren Haft wegen „Bildung einer terroristischen Vereinigung“ und „Waffenschmuggels“.

Das Schicksal des Regisseurs sorgte für internationale Proteste. Der Europarat, die G-7, der französische Präsident Emmanuel Macron und bekannte Persönlichkeiten wie der US-Autor Stephen King, der spanische Filmemacher Pedro Almodovar und der US-Schauspieler Johnny Depp forderten seine Freilassung.