Zug mit 700 Tonnen Müll wartet in Rom auf Transport

Rom wird seine chronischen Probleme mit der Müllentsorgung nicht los. Für Aufregung sorgt nun der Fall eines Zuges mit 700 Tonnen Unrat, der seit zwei Monaten auf einem Bahnhof an der Peripherie der italienischen Hauptstadt steht. Der Zug hätte den Abfall zur Entsorgung in eine Müllverbrennungsanlage im deutschen Köln transportieren sollen, berichtete die römische Tageszeitung „Il Messaggero“ heute.

Stinkender Müll nach Hitzewelle

Wegen eines Streits zwischen Roms Müllentsorgungsgesellschaft AMA und dem deutschen Unternehmen Enki steht der Zug seit Wochen auf einem Bahnhof im Norden der Metropole. Der ausströmende Gestank ist durch die Hitze der vergangenen Tage unerträglich geworden und hat Proteste der Anrainerinnen und Anrainer ausgelöst. „Die Lage ist dramatisch. Wie kann man Waggons voller Unrat unweit der Häuser stehen lassen?“, sagte der Präsident eines Bürgerkomitees.

Strom für 170.000 Haushalte in NÖ

2017 hatte Rom seinen Abfall in der Müllverbrennungsanlage in Dürnrohr bei Zwentendorf in Niederösterreich entsorgt. Wöchentlich startete ein Zug mit Haushaltsabfall von Rom in Richtung Niederösterreich. 70.000 Tonnen wurden laut den vertraglich festgelegten Bedingungen dort verbrannt. Daraus wurde Strom für 170.000 Haushalte in der Region und Fernwärme für St. Pölten erzeugt. Der letzte Zug nach Niederösterreich war am 3. Dezember abgefahren.

Proteste verhindern Errichtung neuer Deponien

Wegen Problemen mit Deponien und Müllverbrennungsanlagen hat sich die Menge des Mülls reduziert, der in Rom entsorgt werden kann. Pläne für die Errichtung von weiteren Anlagen scheiterten in der italienischen Hauptstadt immer wieder aufgrund von Anrainerprotesten. Dazu kamen Missmanagement und Korruption beim Entsorgungsunternehmen AMA, bei dem ein Finanzloch von 650 Millionen Euro klafft.