Tote bei Militäroffensive in Nordsyrien

Bei massiven Angriffen der russischen Armee und syrischer Regierungstruppen auf zwei Rebellenhochburgen im Norden Syriens sind Aktivisten zufolge knapp 30 Zivilisten getötet worden. Im Süden der Provinz Idlib seien gestern bei Attacken auf die Stadt Chan Scheichun und in der Nähe von al-Ta elf Zivilisten ums Leben gekommen, darunter ein Kind, hieß es.

Fassbomben und Kampfflugzeuge

Laut der oppositionsnahen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in Großbritannien wurden in der benachbarten Provinz Aleppo bei Luftangriffen auf die Rebellenstadt Orum al-Kubra 18 Zivilisten getötet, darunter drei Kinder. Zudem seien Dutzende Menschen verletzt worden. Ob russische oder syrische Truppen für den Angriff verantwortlich waren, blieb zunächst offen. Die Angaben sind von unabhängiger Seite kaum zu überprüfen.

Im Süden von Idlib, der letzten großen Bastion der Rebellen im syrischen Bürgerkrieg, habe Russland Kampfflugzeuge eingesetzt, syrische Kampfhubschrauber hätten Fassbomben abgeworfen, hieß es weiter. Es habe sich um die heftigsten Angriffe in Idlib seit einem Jahr gehandelt. Aktivisten der syrischen Weißhelme sagten der Nachrichtenagentur AFP, dass in Chan Scheichun Wohngebiete bombardiert worden seien.

2,5 Millionen Flüchtlinge erwartet

In der Provinz Idlib an der Grenze zur Türkei leben rund 2,5 Millionen Menschen, darunter Hunderttausende Flüchtlinge aus anderen Landesteilen. Zehntausende Rebellen wurden im Zuge von Vereinbarungen mit der Regierung dorthin gebracht. Trotz internationaler Mahnungen bereiten sich die Truppen von Machthaber Baschar al-Assad offenbar auf eine Offensive auf Idlib vor: Bereits am Donnerstag flog die Armee Angriffe auf Stellungen der Rebellen.

Laut den Berichten der Kriegsbeobachter gibt es bereits seit einiger Zeit Hinweise auf eine bevorstehende Offensive. Die Regierungstruppen in der Region seien verstärkt worden. Am Donnerstag warf die syrische Armee zudem Flugblätter über den Rebellengebieten ab.

Darin wurden die Menschen aufgefordert, die Wiederherstellung der staatlichen Gewalt zu akzeptieren. Der Krieg nähere sich seinem Ende, hieß es. Die Vereinten Nationen (UNO) befürchten, dass die Offensive eine neue Fluchtbewegung auslösen könnte. Etwa 2,5 Millionen Menschen könnten sich dann in Richtung türkische Grenze bewegen.