Neue US-Strafzölle auf türkischen Stahl treten in Kraft

Im Streit zwischen den Regierungen in Washington und Ankara treten heute drastisch erhöhte US-Strafzölle auf Stahl aus der Türkei in Kraft. Von 0.01 Uhr (6.01 Uhr MESZ) an wird Stahl aus der Türkei mit Abgaben in Höhe von 50 Prozent statt bisher 25 Prozent belegt, wie das Weiße Haus mitteilte.

US-Präsident Donald Trump hatte die Verdoppelung der Zölle auf Stahl am Freitag angeordnet. Auf Twitter hatte er zugleich angekündigt, auch die Strafzölle auf Aluminium aus der Türkei auf 20 Prozent zu verdoppeln. Für die neuen Abgaben auf Aluminium wurde noch kein Datum genannt.

Erdogan: Wirtschaftskrieg

Trump hatte in dem Tweet ausdrücklich auf die schlechten Beziehungen zu dem NATO-Partner und auf den Absturz der türkischen Lira verwiesen, den er mit seiner Ankündigung weiter beschleunigte. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan wirft den USA vor, einen „Wirtschaftskrieg“ gegen sein Land zu führen.

Im Zentrum des Streits stehen zwei Geistliche: Washington fordert die Freilassung des US-amerikanischen Pastors Andrew Brunson, der wegen des Verdachts auf Spionage und Terrorvorwürfen in der Türkei unter Hausarrest steht. Ankara wiederum verlangt bisher vergeblich die Auslieferung des im US-Exil lebenden Predigers Fethullah Gülen, den Erdogan für den Putschversuch vom Juli 2016 verantwortlich macht.

Nach Angaben des türkischen Handelsministeriums exportierte das Land im vergangenen Jahr Eisen, Stahl und Aluminium im Wert von 1,1 Milliarden Dollar (950 Mio Euro) in die USA - was laut der Behörde einem Anteil von 0,7 Prozent aller Ausfuhren entsprach.

Finanzminister kündigt Maßnahmen gegen Lira-Sturz an

Nach dem Absturz der türkischen Lira in der vergangenen Woche hat Finanzminister Berat Albayrak einen Aktionsplan für die Banken und die Realwirtschaft angekündigt, um die Märkte zu beruhigen. Die Institutionen würden heute die notwendigen Maßnahmen ergreifen und mit dem Märkten kommunizieren, sagte der Minister in einem Interview der Zeitung „Hürriyet“. Der Aktionsplan und die Maßnahmen seien vorbereitet und fertig. Details nannte er nicht.

Am Freitag war der Kurs der Lira um 18 Prozent eingebrochen. Der Abwärtstrend setzte sich auch heute im asiatischen Handel fort.