Niki Lauda
GEPA/Christian Walgram
1949–2019

Niki Lauda ist tot

Niki Lauda ist tot. Der ehemalige Rennfahrer und Unternehmer verstarb am Montag, wie die Familie in der Nacht auf Dienstag in einer E-Mail mitteilte. Der 70-jährige dreifache Formel-1-Weltmeister und Unternehmer sei im Kreise seiner Familie verstorben.

„In tiefer Trauer geben wir bekannt, dass unser geliebter Niki am Montag, den 20.05.2019, im Kreise seiner Familie friedlich entschlafen ist. Seine einzigartigen Erfolge als Sportler und Unternehmer sind und bleiben unvergesslich. Sein unermüdlicher Tatendrang, seine Geradlinigkeit und sein Mut bleiben Vorbild und Maßstab für uns alle. Abseits der Öffentlichkeit war er ein liebevoller und fürsorgender Ehemann, Vater und Großvater. Er wird uns sehr fehlen“, steht in der E-Mail, die mit Familie Lauda unterzeichnet ist.

Lauda sei in einer Klinik in Zürich gestorben, so die Familie am Dienstagvormittag in einem weiteren Statement. „In den letzten zehn Monaten waren wir jede Minute an seiner Seite. Wir haben mit ihm gelacht, geweint, gehofft und gelitten, aber schlussendlich verließen Niki gestern seine Kräfte.“ „Niki, du warst ein einzigartiger Kämpfer und ein außergewöhnlicher Mensch“, hieß es von der Familie. „Wir lieben und vermissen dich auf ewig und für immer.“ Gezeichnet wurde die Aussendung von Laudas Ehefrau Birgit, seiner Ex-Gattin Marlene und seinen Kindern Lukas, Mathias, Max und Mia.

Niki Lauda
AP/E. Di Baia
Lauda beim Grand Prix von Argentinien im Jänner 1975
Das Archivbild vom 01.08.1976 zeigt den Zusammenstoß in der zweiten Runde des Grand Prix auf dem Nürburgring, bei dem der Ferrari des Formel-1-Weltmeisters Niki Lauda brennt
APA/dpa/lrs
Der verhängnisvolle Unfall am 1. August 1976 auf dem Nürburgring
Archivbild aus dem Jahr 1976: Niki Lauda bei der Einlieferung in eine Ludwigshafener Spezialklinik für Verbrennungen
APA/dpa
Lauda nach seinem Unfall
Niki Lauda mit Kopfverband nach seinem Unfall auf einer Pressekonferenz
AP
Wenige Wochen nach seinem Unfall verkündet Lauda, dass er beim Grand Prix in Monza starten werde – 42 Tage nach dem Unfall
Niki Lauda mit Kopfverband nach seinem Unfall am Steuer seines F1-Boliden
AP
Tatsächlich sitzt er im September wieder in seinem Ferrari
Archivbild aus dem Jahr 1976 zeigt James Hunt und Niki Lauda
AP/Nick Ut
Lauda im Herbst 1976 mit seinem Konkurrenten James Hunt
Der zweifache Weltmeister Niki Lauda posiert am Sonntag (07.02.1999) auf dem Vorderreifen des McLaren-Mercedes Doppelsitzers am Circuit de Catalunya bei Barcelona für die Fotografen und Kamerateams.
APA/dpa
1999 steigt Lauda noch einmal in einen Formel-1-Wagen, freilich außer Konkurrenz
Niki Lauda im Cockpit einer Lauda-Air-Maschine
APA/PR/Lauda Air
Lauda als Pilot seiner Lauda Air
Archivbild aus dem jahr 1991 zeigt Niki Lauda in den Trümmern der abgestürzten Lauda-Air-Maschine
AP/Jeff Widener
Der Airline-Chef an der Absturzstelle der Lauda-Air-Maschine in Thailand 1991
Niki Aluda und Michael Schumacher im September 1997
AP/Luca Bruno
Lauda als Ferrari-Berater im Gespräch mit dem jungen Michael Schumacher 1997 in Spielberg
Niki Lauda vor einer Fly-Niki-Maschine
APA/Joe Klamar
Mit Niki steigt Lauda zum zweiten Mal in die Luftfahrtbranche ein
Niki Lauda auf einem Motorrad beim Lifeball 2008
APA/Hans Klaus Techt
Lauda 2008 auf dem Life Ball
Niki Lauda mit seiner Gattin Birgit
APA/AFP/Carl Court
Mit seiner Frau Birgit besucht er 2013 die Filmpremiere von „Rush“ in London
Laudamotion Eigentümer Niki Lauda während der Pressekonferenz am Freitag, 16. März 2018, in Wien
APA/Herbert Pfarrhofer
2018 bei einer Pressekonferenz seiner Firma Laudamotion

Dreimal Weltmeister

Lauda wurde zuerst durch den Rennsport bekannt. Sein Horrorunfall auf dem Nürburgring am 1. August 1976 machte ihn bereits zu Lebzeiten zur Legende. Sein Ferrari war ein Feuerball, aus dem der gebürtige Wiener von anderen Rennfahrern gerettet wurde. Statt sich langsam zu erholen oder gar abzutreten, saß er 42 Tage später wieder im Cockpit eines Formel-1-Boliden.

Lauda wurde in seiner Karriere dreimal Weltmeister der Königsklasse im Rennsport, zunächst 1975 und 1977. 1979 erklärte er überraschend seinen Rücktritt: „Ich bin draufgekommen, dass es in meinem Leben Sachen gibt, die wichtiger sind, als mit dem Auto im Kreis zu fahren.“ 1982 kehrte er überraschend in die Formel 1 zurück und holte 1984 seinen dritten Weltmeistertitel. Sein letztes Rennen fuhr er am 3. November 1985.

Einstieg in Luftfahrt während Rennfahrkarriere

Lauda, der aus einer Industriellenfamilie stammt und am 22. Februar 1949 geboren wurde, gelang ein bruchloser Übergang in ein Leben als Unternehmer. Noch aktiv im Formel-1-Zirkus, gründete der begeisterte Pilot mit der Lauda Air seine eigene Fluglinie.

Der wohl dunkelste Moment in Laudas Leben kam 1991, als eine Boeing 767 seiner Airline wegen eines technischen Fehlers über Thailand abstürzte und alle 223 Insassen starben. „Ich war tief erschüttert“, sagte er. Die Ursache des Absturzes war noch monatelang Gegenstand von Diskussionen. Ein defektes Ventil wurde als Urheber der Aktivierung der Schubumkehr – eine Art Bremssystem – ausgemacht.

Lauda Air, Niki, Laudamotion

An der Fluglinie beteiligte sich Ende der 1990er Jahre der Konkurrent Austrian Airlines (AUA), Lauda verließ 2000 das Unternehmen, das 2002 ganz an die AUA ging. Schon 2003 ließ Lauda mit Niki wieder eine eigene Flotte am Himmel kreuzen. Bei Niki stieg ihr streitlustiger Gründer 2011 aus und überließ Air Berlin das Ruder.

Mit der Insolvenz des Unternehmens begann ein langer Streit über die Zukunft von Niki. Lauda selbst stieg mit der Firma Laudamotion Anfang 2016 ins Geschäft mit Privatjets ein. Mit Laudamotion erhielt Lauda recht überraschend den Zuschlag für die Reste der Air-Berlin-Tochter Niki, ehe er das gesamte Unternehmen an die irische Fluggesellschaft Ryanair weiterverkaufte.

Niki Lauda 1996 hinter dem Modell einer Lauda-Air-Maschine
APA/Herbert Pfarrhofer
Lauda gehörten im Verlauf seiner Unternehmerkarriere mehrere Fluglinien, noch als Rennfahrer gründete er Lauda Air

Kappe als Markenzeichen

Auch der Formel 1 blieb Lauda treu – als Moderator, aber zunächst auch als Berater bei Ferrari, dann kurz bei Jaguar und schließlich ab 2012 als Aufsichtsratsvorsitzender des Mercedes-Formel-1-Teams. Sein Markenzeichen war die Kappe mit den verschiedenen Sponsorenlogos. Das hatte einen pragmatischen Grund. Er trug die Kappe anfangs, damit sein blutverschmierter Verband beim Abnehmen des Helms nicht verrutschte. Die Narben seiner beim Unfall verbrannten Kopfhaut verbarg Lauda finanziell lukrativ auch weiterhin unter der Schirmmütze.

Grafik zeigt die wichtigsten Meilensteine der sportlichen Karriere von Niki Lauda
Grafik: APA/ORF.at; Quelle: APA/formula1.com
Grafik zeigt die wichtigsten Ereignisse während Niki Laudas Zeit als Unternehmer
Grafik: APA/ORF.at; Quelle: APA

Kein Blatt vor dem Mund

Lauda galt aufgrund seiner Karriere als einer der international bekanntesten Österreicher – ein Umstand, der sich durch den 2013 veröffentlichten Spielfilm „Rush“, in dem der deutsche Schauspieler Daniel Brühl Lauda verkörpert, noch einmal verstärkte. Auch in dem Film wurde Lauda als durchaus streitbar dargestellt, schon als Rennfahrer nahm er sich bei seinen Aussagen kein Blatt vor den Mund.

Das sollte sich später auch in seiner Unternehmerkarriere nicht ändern. Ab und zu musste er sich auch die Kritik gefallen lassen, bei Äußerungen – etwa über gesellschaftspolitische Themen – über das Ziel hinausgeschossen zu sein. Dennoch und vielleicht auch deswegen: „Niki nationale“ galt für viele Österreicher und Österreicherinnen als Aushängeschild für Mut, Unternehmergeist und kalkulierte Risikobereitschaft, der noch dazu manchmal seine Fluggäste ganz persönlich in die Urlaubsdestination charterte.

Liebling der Medien war er aufgrund seiner Direktheit sowieso: Kein Wunder, dass der bestens vernetzte Lauda phasenweise omnipräsent war – sei es in seiner beruflichen Funktion, sei es als einer der wenigen A-Promis in der Society-Berichterstattung.

Nachruf auf den Unternehmer Niki Lauda

Lauda erreichte nicht nur in der Formel 1 die Spitze, sondern auch als Unternehmer war er hochangesehen.

Schon in der Vergangenheit Gesundheitsprobleme

Als Spätfolgen seines Unfalls mussten Lauda zwei Nieren transplantiert werden. 1997 war der Spender der Niere sein Bruder Florian. 2005 musste auch diese Niere ersetzt werden, Spenderin war seine Frau Birgit. Im Sommer 2018 hatte sich Lauda am Wiener AKH einer Lungentransplantation unterziehen müssen und schon bald wieder geplant, in den Formel-1-Zirkus zurückzukehren. Lauda war zweimal verheiratet. Er hat aus erster Ehe zwei Söhne und aus seiner Ehe mit Birgit Lauda achtjährige Zwillinge.