Äthiopiens Premierminister Abiy Ahmed bei der Unterzeichnung des Friedensvertrags
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Äthiopien und Eritrea

Alte Feinde schließen Freundschaft

Zwei Monate nach dem historischen Friedensschluss haben Äthiopien und Eritrea am Sonntag ihr Verhältnis im saudi-arabischen Dschidda mit einem Freundschaftsvertrag geregelt. Dass das Treffen von Eritreas Präsident und Äthiopiens Regierungschef im Beisein des saudischen Königs stattfand, kam nicht von ungefähr.

Aus den beiden Ländern am Horn von Afrika konnte jahrzehntelang kaum eine positive Nachricht vermeldet werden. Denn die innige Feindschaft von Äthiopien und Eritrea hatte Krieg, Hunger und unzählige Tote zur Folge. Doch viele Sorgen scheinen nun vergessen – haben der äthiopische Regierungschef Abiy Ahmed und Eritreas Präsident Isaias Afewerki nun den „formalen Frieden“ unterzeichnet, wie staatliche Medien in Saudi-Arabien am Sonntag berichteten. Sogar UNO-Generalsekretär Antonio Guterres war zu der Zeremonie angereist, auch der Kommissionspräsident der Afrikanischen Union, Moussa Faki Mahamat, war geladen.

Staaten lange Zeit verfeindet

Über den Inhalt des Abkommens wurde zunächst nichts bekannt. Saudi-Arabiens Außenminister Adel al-Dschubeir erklärte im Kurzbotschaftendienst Twitter, das „heute in Dschidda unterzeichnete Friedensabkommen“ sei ein „historisches Ereignis, das zur Verbesserung der Sicherheit und Stabilität in der Region beitragen“ werde.

Unterzeichnung des Friedensvertrags
APA/AFP/Saudi Royal Palace/Bandar Al-Jaloud
König Salman bin Abd al-Asis (Mitte) lud nach Saudi-Arabien, um den Freundschaftsvertrag zu unterzeichnen

Der seit April in Äthiopien amtierende Ahmed hatte das Ende der Feindschaft beider ostafrikanischer Staaten eingeleitet. Erst am Dienstag hatten die beiden Länder ihre Grenze nach 20 Jahren wieder geöffnet. Bereits am 9. Juli wurden Telefon- und Flugverbindungen wieder aufgenommen. Auch die diplomatischen Beziehungen zwischen den beiden ostafrikanischen Staaten scheinen wieder Form anzunehmen, erst im Juli wurde die eritreischen Botschaft in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba eröffnet.

Saudi-Arabien und VAE in Abkommen involviert

Expertinnen und Experten sind der Meinung, dass die Ortswahl der Unterzeichnung eine große Rolle in der Orientierung beider Länder spiele. In der Tat investiert Saudi-Arabien Milliarden in die östlichen Länder des afrikanischen Kontinents. Das würde dazu beitragen, so schrieb etwa die „Süddeutsche Zeitung“ („SZ“), dass dabei eine Dividende entstehe, die zeigen soll, dass sich der Frieden zwischen Äthiopien und Eritrea vor allem wirtschaftlich lohne.

Präsident Eritreas Isaias Afwerki bei der Unterzeichnung des Friedensvertrags
AP/Saudi Press Agency
Afewerki beim Unterzeichnen des Vertrags. Er ist seit 1993 Präsident von Eritrea.

Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) hatten das Friedensabkommen mit ausgehandelt. Die beiden Verbündeten pflegen enge Beziehungen zu Äthiopien und haben zuletzt auch ihre Beziehungen zu Eritrea vertieft. Die Emirate sollen in Eritrea einen Militärstützpunkt gebaut haben, den sie für ihren Einsatz im Bürgerkriegsland Jemen nutzen, berichtete die Nachrichtenagentur AFP.

Ernährungssicherheit in Saudi-Arabien

Investoren aus Saudi-Arabien sind schon lange am Horn von Afrika aktiv, um dem Königreich am Golf Ernährungssicherheit zu gewährleisten. Die Interessen Saudi-Arabiens sind also fundamental, denn aufgrund der heißen klimatischen Bedingungen ist Landwirtschaft in dem Golfstaat schwierig.

Für saudische Investitionen in Äthiopien etwa sprechen – aus der Sicht Saudi-Arabiens – einerseits das relativ stabile Klima und billige Arbeitskräfte, andererseits die günstige Lage. Addis Abeba liegt nur zweieinhalb Flugstunden von Saudi-Arabien entfernt. Nicht zuletzt sprechen NGOs aber auch von Landnahme („Landgrabbing“) durch Saudi-Arabien, wie etwa aus Veröffentlichungen der deutschen Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) hervorgeht.

Abiy Ahmed Isaias Afwerki bei der Übergabe einer Botschaft
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Ahmed (links) und Afwerki bei der offiziellen Schlüsselübergabe der eritreischen Botschaft in Addis Abeba im Juli

Konflikt offiziell seit 2000 beendet

Eritrea gehörte bis zu seiner Unabhängigkeit 1993 zu Äthiopien. Fünf Jahre später brach ein Krieg zwischen den beiden Staaten aus, bei dem es in erster Linie um den Grenzverlauf ging. Zehntausende Menschen kamen ums Leben. Mit dem Abkommen von Algier wurde 2000 der Konflikt beendet. Beide Länder blieben aber verfeindet und hatten keine diplomatischen Beziehungen.

Äthiopien hat rund 100 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner und wird in einigen Landesteilen von Unruhen erschüttert, die in diesem Jahr eine Million Menschen in die Flucht trieben. Der Vielvölkerstaat zählt trotz raschen Wirtschaftswachstums zu den ärmsten der Welt – genauso wie Eritrea, das rund fünf Millionen Einwohnerinnen und Einwohner hat.

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