Kohleabbau in Newcastle (Australien)
APA/AFP/William West
Abfuhr für Klimabericht

Australien will Kohleland bleiben

Nur mit „schnellen, weitreichenden und beispiellosen Änderungen in allen gesellschaftlichen Bereichen“ kann laut Weltklimarat (IPCC) noch rechtzeitig der drohenden Klimakatastrophe entgegengewirkt werden. Australiens Regierung zeigt sich davon weitgehend unbeeindruckt: Der vom IPCC geforderte schnellstmögliche Ausstieg aus dem Energieträger Kohle sei für das Land keine Option, ließ Canberra wissen.

Obwohl Australien rund drei Viertel seiner Elektrizität aus Kohlekraftwerken bezieht und mit zehn Prozent der weltweiten Kohlevorkommen ein Global Big Player ist, spielte Premierminister Scott Morrison Australiens Rolle als Kohleland herunter. Es gebe weit größere Spieler, sagte Morrison laut dem britischen „Guardian“. Der IPCC-Bericht werde zwar zur Kenntnis genommen – die von Morrison angeführte Regierung sehe sich allerdings nicht daran gebunden, wie der „Australian“ berichtete.

Morrison verwies zwar auf Australiens Festhalten an den bereits festgelegten Klimaschutzzielen des Pariser Abkommens. Australien ist allerdings auch hier von einer Umsetzung weit entfernt. Gegen die anvisierte Senkung der CO2-Emmissionen bis 2030 um 26 bis 28 Prozent sprechen Beobachtern zufolge derzeit steigende Werte.

Der australische Premierminister Scott Morrison
AP/Andrew Taylor
Australiens Premier Morrison sieht sich nicht an die IPCC-Schlussfolgerungen gebunden

„So einfach ist das“

Wie der IPCC in einem eben veröffentlichten Sonderbericht festhielt, sei ohne weit „radikalere“ Gegenmaßnahmen eine Klimaerwärmung von über 1,5 Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter nicht mehr zu verhindern. Es gebe „zwar keinen Grund zum Fatalismus“, sehr wohl aber „einen gewaltigen Handlungsdruck. Wenn wir global nicht bald aus der Kohle aussteigen, schlagen wir die Tür zum 1,5-Grad-Ziel ein für alle Mal zu.“

Australien will auch mit Blick auf seine Abhängigkeit von Kohlekraftwerken nicht über die bisher gesetzten Ziele hinausgehen. „Wenn wir Kohle aus unserem Energiesystem nehmen, dann gehen an Australiens Ostküste die Lichter aus, so einfach ist das“, zitierte der „Australian“ Finanzminister Josh Frydenberg. Dabei kam eine erst im September vom Deutschen Institut für Klimaforschung (DIW) veröffentlichte Studie zum Schluss, dass neben Deutschland auch in Polen, Südafrika, Indien, China und Australien „zu vertretbaren Kosten auf Kohle verzichtet werden“ könne.

Bayswater Power Station in der Nähe von Newcastle (Australien)
Reuters/Mick Tsikas
Australien setzt bei der Stromproduktion auf Kohlekraftwerke

Ex-Premier über Klimaschutzpläne gestolpert

Entsprechende Reformvorhaben stoßen in Australien laut Beobachtern seit Jahren bei der tonangebenden Kohlelobby und deren Fürsprechern in der konservativen Regierungspartei auf taube Ohren. Von einem „unangemessenen Einfluss“ sprach im August im „Guardian“-Interview auch Alex Turnbull, der Sohn des kurz zuvor über eine geplante Reform des australischen Stromsektors gestürzten Premiers Malcom Turnbull.

Mit der Amtsübernahme durch Morrison ist die von Turnbull angestrebte gesetzliche Einführung von Emissionszielen unter dem Namen National Energy Guarantee (NEG) wieder vom Tisch. Seine Regierung wolle sich stattdessen auf die Senkung der Strompreise konzentrieren. Australien werde auch ohne Gesetz an der Verringerung seines CO2-Ausstoßes arbeiten, sagte Morrison bereits bei seiner Amtsübernahme gegenüber dem „Weekend Australian“.

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