Dschamal Chaschukdschi
AP/Jacquelyn Martin
Fall Chaschukdschi

Video soll angebliche Ermordung zeigen

Im Fall des verschwundenen Reporters Dschamal Chaschukdschi (Jamal Khashoggi) scheint ein brisanter Zeitungsbericht den Verdacht gegen die saudische Staatsführung zu erhärten. Laut „Washington Post“ existieren Ton- und Videoaufnahmen, die belegen sollen, dass Chaschukdschi vor eineinhalb Wochen im saudischen Konsulat ermordet wurde. Das US-Blatt beruft sich auf türkische und amerikanische Offizielle.

Zitiert wird eine anonyme Quelle, die Kenntnis von den Aufnahmen haben will. Der Person zufolge belegen die Bänder, dass Chaschukdschi erst verhört, dann gefoltert und schließlich getötet wurde. Mehreren Offiziellen zufolge sei die Leiche des Journalisten anschließend zerstückelt worden. Auch die „New York Times“ („NYT“) berichtete unter Berufung auf türkische Sicherheitskreise über einen solchen Hergang. Die Leichenteile seien mutmaßlich mit Koffern aus dem Konsulat geschafft worden, hieß es.

Nach Informationen der „Washington Post“ scheut die türkische Seite eine Veröffentlichung der Aufnahmen, um nicht zu offenbaren, wie Einrichtungen ausländischer Staaten in der Türkei ausspioniert werden. Unklar sei deshalb auch, inwiefern US-amerikanische Stellen das angebliche Beweismaterial bereits einsehen durften. Die türkische Regierung habe US-Regierungsvertretern aber versichert, im Besitz kompromittierender Aufnahmen zu sein, die keinen Zweifel an der Mordthese lassen.

Security in der Türkei
AP/Lefteris Pitarakis
Ein Sicherheitsbeamter am Eingang des saudischen Konsulats in Istanbul

Sollte sich die Türkei tatsächlich Aufnahmen aus dem Innern der Landesvertretung der Regionalmacht Saudi-Arabien verschafft oder diese gar selbst heimlich angefertigt haben, würde der ohnehin bereits zur Staatsaffäre ausgewachsene Fall Chaschukdschi nochmals neue Dimensionen bekommen.

Gemeinsame Arbeitsgruppe

Chaschukdschi hatte am 2. Oktober das saudische Konsulat in Istanbul betreten, um Papiere für die Hochzeit mit seiner türkischen Verlobten abzuholen. Seitdem wird er vermisst. Den schon nach kurzer Zeit von türkischer Seite erhobenen Vorwurf, der Regimekritiker sei im Konsulat ermordet worden, weist Saudi-Arabien zurück. Zudem hat die Führung in Riad eine Aufklärung des Falls versprochen.

Das türkische Präsidialamt kündigte die Einrichtung einer gemeinsamen Arbeitsgruppe mit Saudi-Arabien an, um den Fall „in all seinen Facetten“ zu beleuchten und aufzuklären. Am Freitag traf dazu eine Delegation aus Saudi-Arabien in der Türkei ein. Sie habe mit den Ermittlungen in dem Fall zu tun, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu.

Über das Wochenende soll die Gruppe in Ankara türkische Behördenvertreter treffen. CNN Türk berichtete, auf der Agenda stünden Gespräche darüber, wann und wie türkische Ermittler das saudische Konsulat inspizieren könnten. Ob sie viel finden können, darf bezweifelt werden – unter den 15 Saudis, die Berichten zufolge am Verschwinden des Reporters beteiligt gewesen sein sollen, habe sich auch ein Forensikexperte befunden, wie es in türkischen Medien hieß.

Vor einem Jahr in US-Exil gegangen

Chaschukdschi war vor mehr als einem Jahr aus Angst vor politischer Verfolgung ins US-Exil gegangen. Dort schrieb er unter anderem Artikel für die „Washington Post“, die er mit „Jamal Kashoggi“ zeichnete. Der Journalist begrüßte zwar grundsätzlich die Reformen des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman, kritisierte aber dessen zunehmend autoritäre Herrschaft.

Die US-Regierung erhöhte am Donnerstag (Ortszeit) den Druck auf ihren engen Verbündeten Saudi-Arabien. Zwar weile der saudische Botschafter in den USA derzeit in Riad, sagte Außenministeriumssprecherin Heather Nauert. Allerdings fügte sie hinzu: „Wir haben ihm gesagt, dass wir bei seiner Rückkehr in die Vereinigten Staaten Informationen erwarten.“

Nauert sagte, sie wolle vor dem Abschluss einer Untersuchung keine Schuldzuweisungen treffen. „Wir wissen nicht, was passiert ist“, sagte sie. Die US-Regierung sei jedoch „extrem besorgt über die Situation“, die größte Aufmerksamkeit auf der höchsten Ebene genieße.

„Furchtbarer, furchtbarer Präzedenzfall“

Mehrere republikanische und demokratische US-Senatoren forderten US-Präsident Donald Trump auf zu prüfen, ob in dem Fall eine schwere Menschenrechtsverletzung vorliege und Sanktionen verhängt werden sollten. Hintergrund ist der „Magnitsky Act“, der die US-Regierung in solchen Fällen zu Strafmaßnahmen wie Einreisesperren und dem Einfrieren von Vermögen ermächtigt. Die Senatoren forderten Trump auf, dem Auswärtigen Ausschuss in 120 Tagen zu berichten.

Trump sagte dem Sender Fox News am Donnerstag: „Wir wollen herausfinden, was passiert ist." Er nannte das Verschwinden Chaschukdschis „einen furchtbaren, furchtbaren Präzedenzfall“. Chaschukdschi sei zwar kein amerikanischer Staatsbürger, „aber in diesem Fall spielt das keine Rolle“.

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