Deuticke-Verlag wird zu Zsolnay

Der vor über 100 Jahren gegründete Wiener Deuticke-Verlag wird mit dem Frühjahrsprogramm 2020 in der Marke Zsolnay aufgenommen. Die langjährige Deuticke-Verlagsleiterin Martina Schmidt wird mit Oktober 2019 in Pension gehen. Schon bisher waren Zsolnay und Deuticke Tochterunternehmen des Carl Hanser Verlags.

„Die grundsätzliche programmatische Ausrichtung des Hauses sowie die Anzahl der jährlich erscheinenden Bücher bleiben gleich. Der Verlag wird sich jedoch stärker auf den Ausbau der Marke Zsolnay konzentrieren“, so eine Aussendung von heute. Ab 2020 sollen alle Titel mit Neu- und Wiederauflagen unter dem Zsolnay-Logo erscheinen.

„Unverständnis“ bei Autoren

Ihr „Unverständnis“ für die heute angekündigte Aufgabe des Verlagsnamens Deuticke drücken rund drei Dutzend Autoren und Autorinnen des Verlags in einer heute der APA übermittelten gemeinsamen Stellungnahme aus. „Als Autor/innen, die ja das Kapital eines Verlags darstellen, den es in Zukunft nicht mehr geben soll, bedauern wir diese Vorgangsweise sehr“, heißt es in dem Statement.

„Selbstverständlich ist es das Recht der Hanser-Verlagsgruppe umzustrukturieren. Doch dass zugleich mit Martina Schmidts Abgang auch der Deuticke Verlag aufgelöst werden soll und in Österreich nur noch Bücher im ebenfalls zur Hanser-Verlagsgruppe gehörenden (und ebenfalls klassischen) Zsolnay Verlag erscheinen werden, können wir nicht nachvollziehen, handelt es sich bei Deuticke doch um eines der wenigen österreichischen Traditionshäuser“, so das Schreiben. Darin wird auch auf die 125-jährige Verlagsgeschichte von Deuticke verwiesen sowie auf den schleichenden Personalabbau bei dem Verlag.

„Dass die Verlagsbezeichnung ‚Deuticke‘ ganz verschwinden soll, halten wir jedoch für einen strategischen Fehler. Mit der Auflösung wird die Marke und damit ihr Wert unwiederbringlich verschwunden sein“, heißt es in dem Schreiben, in dem unter anderen Paulus Hochgatterer, Dimitre Dinev, Daniel Glattauer, Peter Henisch, Walter Kappacher, Arno Geiger, Radek Knapp und Martin Amanshauser beklagen, „dass nächstes Jahr eine österreichische Verlagsära sang- und klanglos zu Ende gehen soll“.