Kinder vor Trümmern
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Indonesien

Warnung vor Kinderhandel nach Erdbeben

Die Zahl der Todesopfer ist gut drei Wochen nach dem Erdbeben mit anschließendem Tsunami in Indonesien auf mehr als 2.100 gestiegen. Hunderte weitere Menschen gelten als vermisst. Während sich die Lage auf der Insel Sulawesei allmählich normalisiert, warnen Rettungskräfte und NGOs vor Kinderhändlern.

Rettungskräfte und Freiwillige fanden seit dem Beben Ende September bis Samstagabend 2.113 Tote in den Trümmern, wie die zuständigen Behörden des Landes mitteilten. Genau 1.309 Menschen seien noch vermisst gemeldet. Etwa 1.700 Todesopfer seien allein in der Provinzhauptstadt Palu gefunden worden, sagte Katastrophenschutzsprecher Sutopo Nugroho.

Die Organisation SOS-Kinderdörfer warnte unterdessen, angesichts der derzeitigen Notlage seien Kinder in dem Krisengebiet besonders durch Menschenhändler bedroht, so Gregor Nitihardjo, Leiter der SOS-Kinderdörfer in Indonesien. In dem Inselstaat würden jährlich schätzungsweise 100.000 Kinder Opfer von Menschenhändlern und etwa zu Prostitution oder Sklavenarbeit gezwungen. Auch die Caritas warnt vor Kinderhandel nach dem Erdbeben in Indonesien.

Viele Kinder wurden zu Waisen

Das Erdbeben mit nachfolgendem Tsunami hat etwa 70.000 Menschen auf Sulawesi obdachlos gemacht, darunter mindestens 20.000 Kinder. „Fälle von Kinderhandel gibt es in Indonesien täglich. Das aktuelle Chaos auf Sulawesi macht es Entführern besonders leicht“, mahnte Nitihardjo. „In den überfüllten Nothilfecamps sind die Kinder gemeinsam mit Erwachsenen untergebracht. Es mangelt an Wasser, Nahrung, ausreichenden Zelten und vor allem an Schutz und Sicherheit“, so der Leiter.

Blick aus einem Helikopter zeigt das Ausmaß der Zerstörung nach dem Tsunami und dem Erdbeben
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Vom Helikopter aus werden Desinfektionsmittel in Palu verstreut. Unter den Trümmern dürften noch Hunderte Leichen sein.

Viele Kinder wurden durch das Erdbeben zu Waisen, da ihre Eltern bei der Katastrophe ums Leben gekommen sind oder von ihnen getrennt wurden. Gerade unbegleitete Minderjährige seien gefährdet, so Nitihardjo. Die Organisation geht davon aus, dass derzeit etwa 5.000 Buben und Mädchen unbegleitet sind. Die SOS-Kinderdörfer wollen deshalb in der Region um Palu mehrere Kinderschutzzentren errichten.

Das erste Zentrum sei bereits in Tumbeleka nahe Palu in Betrieb gegangen, berichten SOS-Kinderdörfer auf ihrer Website. Bis zu elf weitere sollen folgen. In den Nothilfestellen würden die Buben und Mädchen ein sicheres Umfeld haben und mit dem Nötigsten versorgt. Psychologen und Psychologinnen stünden bereit, so die NGO.

Insgesamt fast 225.000 Menschen obdachlos

Auf der Insel Sulawesi hatte die Erde am 28. September mit einer Stärke von 7,4 gebebt. Fast 225.000 Menschen verloren bei der Katastrophe ihre Häuser und Wohnungen, gut 4.600 wurden nach Behördenangaben verletzt. Hunderte ertranken durch den danach ausgelösten Tsunami. Mancherorts verflüssigte sich der sandige Boden und verschluckte Tausende Häuser. Indonesien liegt auf dem Pazifischen Feuerring, einer vulkanreichen Region, in der häufig die Erde bebt.

Indonesisches Kind in einem Auffanglager
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Das Beben machte Tausende Kinder zu Waisen

Trotz der enormen Schäden normalisiert sich die Lage im Katastrophengebiet allmählich. „Eine Reihe öffentlicher Einrichtungen wie die Stromversorgung und die Kommunikationsnetze wurden hergerichtet und funktionieren wieder fast hundertprozentig“, sagte Katastrophenschutzsprecher Nugroho. Tankstellen, Märkte und Banken hätten ihren Betrieb ebenfalls wieder aufgenommen. Über Gebieten der Stadt Palu, wo noch viele Verschüttete vermutet werden, hatten Flugzeuge in der vergangenen Woche ein Gemisch aus Wasser und Desinfektionsmitteln versprüht, um Seuchen zu verhindern.

Indonesien gilt als Ziel-, Durchgangs- und Ausgangsland für nationalen und internationalen Kinderhandel. Kinder werden vor allem nach Singapur, Taiwan und Malaysia verschleppt, wo sie Zwangsarbeit verrichten müssen oder zu Prostituierten werden. Innerhalb des Landes werden Kinder gehandelt, um in der Landwirtschaft oder in der Sexindustrie zu arbeiten. Zwangsarbeit unter sexueller Ausbeutung ist laut Internationaler Arbeitsorganisation der Vereinten Nationen (ILO) eine globale Industrie mit einem Jahresumsatz von rund 99 Milliarden Dollar. Die Ausbeutung von mehr als einer Million Kindern macht mehr als 20 Prozent davon aus.