Förderungsanlage
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Bis 2060

Rohstoffboom verschärft Klimakrise

Zehn Milliarden Menschen, ein steigender Lebensstandard, damit verbunden ein enormer Bedarf an Rohstoffen und eine weitere Verschärfung der Klimakrise: Dieses Szenario zeichnet eine aktuelle Studie für die Welt im Jahr 2060. Wirtschaftlicher und technologischer Fortschritt allein könnten die Klimaziele nicht retten.

Vorausgesetzt es erfolgt kein deutlicher Kurswechsel, würden die globalen Treibhausgasemissionen in den kommenden 41 Jahren auf astronomische 75 Milliarden Tonnen CO2-Äquivalente steigen, heißt es in einem am Dienstag veröffentlichten Bericht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).

Die Ziele des Übereinkommens von Paris, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, seien in diesem „Basisszenario“ nicht zu erreichen. Die globalen Rahmenbedingungen sehen laut OECD im Wesentlichen so aus: 2060 werden auf der Erde mehr als zehn Milliarden Menschen leben, um rund 2,5 Milliarden mehr als (nach unterschiedlichen Schätzungen) heute.

Grafik zum Pro-Kopf-Einkommen
Grafik: ORF.at; Quelle: OECD

Mit der Weltbevölkerung wird auch die Wirtschaftsleitung weiter deutlich wachsen und sich in den nächsten 41 Jahren vervierfachen, die durchschnittlichen Pro-Kopf-Einkommen werden steigen – bei weiterhin enormen Unterschieden etwa zwischen den USA mit dann umgerechnet über 80.000 Euro, der EU mit über 60.000 Euro und einigen Regionen Afrikas mit nicht einmal 9.000 Euro pro Jahr.

Entwicklungsländer holen langsam auf

Dennoch: Für Afrika südlich der Sahara und einige Regionen Asiens bedeutet das laut dem Papier eine Versechsfachung des Durchschnittseinkommens in den nächsten vier Jahrzehnten. Damit würden Produktion, Lebensstandard und Konsum vor allem in heutigen Entwicklungs- und Schwellenländern (von niedrigem Niveau weg) stark steigen. Die wesentliche Konsequenz: Der Rohstoffbedarf weltweit wird laut dem OECD-Bericht von 79 Gigatonnen (2011) auf 167 Gigatonnen (2060) zunehmen, was einem Anstieg von mehr als 100 Prozent entspricht.

Am stärksten wachsen soll die Nachfrage nach Metallen und nicht metallischen Mineralien, im Wesentlichen Baumaterialien, vor allem in den heutigen Entwicklungsländern. Außerdem sehr groß ist der Bedarf nach Kohle, Holz, Biomasse und fossilen Brenn- und Treibstoffen. Getreide und andere Nahrungsmittel folgen erst weit hinten in der Statistik.

Kein Nullsummenspiel

Auch die Transformation der Wirtschaft von der Industrie hin zu Dienstleistungen werde den Bedarf nach Rohstoffen unterm Strich nicht kleiner machen, sondern nur global anders verteilen als bisher, lautet eine weitere These in dem Bericht mit dem Titel „Global Material Resources Outlook to 2060. Economic Drivers and Environmental Consequences“. Struktureller und Technologiewandel drücken ihn hier, Bevölkerungswachstum lässt ihn da steigen.

Lkws in einer Kohleförderungsanlage
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Der Bedarf an Baumaterialien, Erzen und Kohle bleibt in den nächsten Jahrzehnten hoch

45 Kilogramm pro Person und Tag

Dennoch wächst der Rohstoffbedarf weltweit nicht im Gleichschritt mit der Wirtschaft. Würde er das tun, würde er laut dem Bericht auf kaum vorstellbare 350 Mrd. Tonnen wachsen. Technologischer Fortschritt bremst ihn in Relation zum Bruttoinlandsprodukt (BIP), außerdem soll Recycling als Wirtschaftszweig stärker wachsen als etwa der Bergbau. Im Jahr 2011 nutzte eine Person nach OECD-Angaben im Schnitt 33 Kilogramm Rohstoffe pro Tag, 2060 würden es 45 sein, darunter sechs Kilogramm fossile Treibstoffe.

Die Folgen für die Umwelt

Die gesamten Treibhausgasemissionen würden sich bis 2060 auf 75 Gigatonnen CO2-Äquivalente summieren, wobei für 50 Gigatonnen dann die Rohstoffwirtschaft verantwortlich sein werde. Nicht nur Benzin und Diesel schaden also dem Klima, wobei sich auch hier der Bedarf noch einmal verdoppeln soll.

Fast ein Viertel gehe auf das Konto der Bauwirtschaft, wobei vor allem die Herstellung von Beton und die Gewinnung von Metallen eine sehr schlechte Klimabilanz aufweisen. Es brauche dringend ein „umfassendes Ressourcenmanagement“, schreibt die OECD, das wirtschaftliche Zusammenhänge und Folgen für Klima, Böden, Luft und Wasser gleichermaßen im Fokus hat.

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