Russischer Regisseur Serebrennikow vor Gericht

Nach mehr als einem Jahr im Hausarrest hat sich der russische Starregisseur Kirill Serebrennikow heute bei der öffentlichen Hauptverhandlung vor einem Moskauer Gericht zur Anklage der Veruntreuung öffentlicher Mittel geäußert. „Ich verstehe nichts – das ist alles, was ich sagen kann. Meine Schuld erkenne ich nicht an. Ich habe niemals irgendetwas gestohlen“, sagte der Film- und Theatermann. Im Gerichtssaal befanden sich zahlreiche Kunstschaffende und Unterstützerinnen und Unterstützer Serebrennikows.

Der russische Regisseur Kirill Serebrennikow
AP/Pavel Golovkin

Der Regisseur war in der Nacht zum 22. August 2017 festgenommen worden – zu einem Zeitpunkt, als er in St. Petersburg einen Film drehte. Seitdem steht er unter Hausarrest. Dem 49-Jährigen wird vorgeworfen, zwischen 2011 und 2014 etwa 130 Millionen Rubel (1,7 Millionen Euro) staatlicher Fördermittel für sein Theater in Moskau veruntreut zu haben.

Stück über Nurejew sorgte für Wirbel

Serebrennikow stellte sich nie offen gegen Präsident Wladimir Putin, kritisierte aber immer wieder den wachsenden Druck auf den russischen Kulturbetrieb. Mit seinen Inszenierungen, die sich mit Politik, Religion und Sexualität befassten, wurde Serebrennikow zur Zielscheibe von Behörden und orthodoxer Geistlichkeit.

Ein von ihm inszeniertes Stück über den schwulen sowjetischen Balletttänzer Rudolf Nurejew wurde immer wieder verschoben und offenbar zensiert. Die Premiere am Bolschoi Theater fand dann im vergangenen Dezember statt – in Abwesenheit des Regisseurs. Das Vorgehen der Justiz gegen Serebrennikow löst seit Längerem heftige Proteste russischer und internationaler Künstler aus.