Mozilla-Chefin kritisiert Suchtpotenzial des Internets

Für Nutzerinnen und Nutzer birgt das Internet ähnliche Suchtgefahren wie Glücksspielautomaten – zu diesem Schluss kommt die Chefin des Browserentwicklers Mozilla, Mitchell Baker. „Komm’ auf meine Seite, bleib’ dort, hör’ nicht auf zu klicken und teile diese Informationen so schnell wie möglich“ – dass diese Praxis weit verbreitet sei, sei „enttäuschend“, sagte die Präsidentin der nicht profitorientierten Mozilla Foundation gestern bei der Technologiekonferenz Web Summit in Lissabon.

„Das ist einer Sucht sehr ähnlich“, sagte Baker. „Es fühlt sich wie das Spielen an einem Spielautomaten an.“ Zudem enthülle die Tatsache, „mit welcher Leichtigkeit so viele von uns in Wut und Gewalttätigkeit geraten können“, Enttäuschendes über die Menschheit.

Mitchell Baker, Chefin des Browserentwicklers Mozilla
Reuters/Charles Platiau

Ambivalentes Verhältnis zu Werbung

Mozilla entwickelt den Webbrowser Firefox. Baker äußerte Unbehagen darüber, dass auch Firefox ebenso wie andere Browser über Werbung Geld einnimmt. Mozilla-Managerin Katharina Borchert bekräftigte allerdings, dass Werbung dasjenige Modell sei, das große Teile des Webs antreibe.

„Wir sind nicht gegen Werbung oder dagegen, Inhalte zu Geld zu machen“, sagte sie AFP. Allerdings wolle Mozilla eine bessere Balance zwischen der Selbstbestimmung der Nutzer über ihre Daten und den Möglichkeiten, diese zu Geld zu machen, finden. Insgesamt hat Firefox bei Browsern laut dem Marktforschungsunternehmen Statcounter einen Marktanteil von fünf Prozent – deutlich hinter dem Marktführer Chrome von Google.

Netzpionier Berners-Lee fordert „Vertrag“

Das Web-Summit-Treffen in Lissabon steht in diesem Jahr besonders unter dem Zeichen von wachsender Kritik an Sozialen Netzwerken, unter anderem wegen der Verbreitung von „Fake News“. Netzpionier Tim Berners-Lee, der als Vater des WWW gilt, forderte einen neuen „Vertrag“, der das Internet wieder „sicher und zugänglich“ für alle machen solle.