Stan Lee
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1922–2018

Comiclegende Stan Lee ist tot

Die US-Comiclegende Stan Lee ist tot. Nach Angaben von US-Medien wie dem „Hollywood Reporter“ starb er am Montag im Alter von 95 Jahren in Los Angeles. Lee war an der Erfindung von Superhelden wie Spider-Man, die X-Men, Thor, Iron Man und Black Panther beteiligt und hatte das Comicimperium Marvel mitaufgebaut. Berühmt-berüchtigt war die bis zuletzt aktive Galionsfigur auch für zahlreiche Cameo-Auftritte.

Lees Karriere, die ihn zu einem der einflussreichsten Personen in der Comicwelt machte, startete bereits früh: Mit 17 Jahren begann der Sohn rumänischer Einwanderer 1939, beim Verlag Timely Publications zu arbeiten: Erst als Kopierassistent und nur wenig später als Comicredakteur. Der Verlag sollte später in Marvel unbenannt werden. Lee veröffentlichte 1941 dort erste eigene Arbeiten, musste aber bis zu seinem tatsächlichen Karrierestart ein Tief des Comicgenres überstehen.

Zur prägenden Episode wurden erst die späten 1950er und frühen 1960er Jahre, in denen sich ein Rennen zwischen DC Comics und Marvel entspann. Lee bekam den Auftrag, eine eigene Superheldentruppe zu erfinden, die es mit der Konkurrenz aufnehmen konnte. DC Comics belebte nach der Comicflaute der 1950er Jahre gerade mit der „Justice League of America“, in der neben Superman und Batman auch Wonder Woman, Flash und Green Lantern auftauchten, das Superheldengenre wieder. Lee entwickelte daraufhin zusammen mit Zeichner Jack Kirby 1961 die „Fantastic Four“, die sich ebenfalls als Erfolg erwiesen.

Von Hulk bis Black Panther

In den Jahren darauf erfand Lee gemeinsam mit Zeichnern wie dem ebenfalls kürzlich verstorbenen Steve Ditko und Bill Everett Helden wie Hulk, Iron Man, Thor, die X-Men, Daredevil, Doctor Strange und die wohl bekannteste Marvel-Figur Spider-Man – allesamt Helden, die sich aufgrund ihrer plastischen Persönlichkeiten und menschlichen Schwächen bis heute größter Beliebtheit erfreuen. Mit den neuen Figuren kehrte nicht mehr nur Diversität in die Comicwelt, die neue Charaktertiefe konnte das Publikum begeistern. Heute spricht man vom „Silbernen Zeitalter“ der Superheldencomics.

Stan Lee mit Lou Ferrigno und Eric Kramer als Hulk und Thor
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Stan Lee mit Thor (Eric Kramer, links) und Hulk (Lou Ferrigno), 1988
Stan Lee
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Lees Lieblingsfigur war Spider-Man. Der Comicklassiker hätte fast nicht das Licht der Welt erblickt, weil er seinem Chef nicht heroisch genug war
Stan Lee mit einer Iron Man- und einer Spiderman-Figur
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„Stan, das ist die schlechteste Idee, die ich je gehört habe“, kommentierte sein Verleger das Spider-Man-Konzept. Lee durfte 1962 trotzdem eine Spider-Man-Geschichte für ein Comicbuch liefern. Diese wurde ein Hit.
Stan Lee bei einer Filmpremiere auf einem Motorrad
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Bis zuletzt nahm Lee an Conventions, Premieren und anderen Veranstaltungen teil und wurde von vielen Fans gefeiert
Stan Lee wirft den ersten Ball beim MLB-Spiel Seattle Mariners gegen Texas Rangers
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1990 verließ Lee Marvel und widmete sich mehreren privaten Projekten. Er blieb aber bis zuletzt Ehrenvorsitzender.
Stan Lee und Ex-US-Präsident George W. Bush
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2008 wurde Lee von Präsident George W. Bush mit der National Medals of Arts geehrt

Sogar eine eigene „Marvel-Methode“ wird Lee zugeschrieben, mit der die Hefte noch schneller produziert werden konnten: Statt des im Voraus üblichen Drehbuchs gab er nur grobe Angaben zum Verlauf einer Geschichte, damit hatten die Zeichner weitgehend freie Hand. Möglich war das nur dank großen Vertrauens unter den Kollegen, denn Zeit für Korrekturen blieb am Ende kaum. Insgesamt schuf Lee mit Kollegen rund 350 Comicfiguren.

Legendäre Cameo-Auftritte

Lee war eine unangefochtene Galionsfigur in der Comicwelt und bis zuletzt hochaktiv. Noch im vergangenen Jahr sagte er, er arbeite an einem lateinamerikanischen Superhelden. Für stetige Begeisterung unter Fans sorgten nicht zuletzt auch seine zahlreiche Cameo-Auftritte in Filmen über die von ihm durchdachten Figuren. Seinen letzten Auftritt hatte er in dem im Oktober gestarteten Film „Venom“, wo er einen Passant mit einem Hund spielte.

Lees Comics wurden in mehr als 25 Sprachen übersetzt und in mehr als 75 Ländern veröffentlicht. Bis heute spülen Lees Kreationen Marvel, das 2009 von Disney aufgekauft wurde, Millionen in die Kasse. Das Marvel Cinematic Universe (MCU) wurde im Superheldenhype der vergangenen Jahre die erfolgreichste Filmreihe der Kinogeschichte. Finanzielle Fragen rund um Film- und Namensrechte ließen Lee in den letzten Jahren auch mehrmals vor Gericht ziehen. Eine Milliardenklage gegen seine frühere Produktionsfirma hatte Lee allerdings im Juni zurückgezogen.

Stan Lee bläst im Jahr 1975 neben seiner Frau und verkleideten Superhelden Kerzen auf einer Torte aus
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Lee und seine kürzlich verstorbene Frau Joan beim Marvel-Jubiläum 1975

Lees eigene Schwäche war ihm zufolge, dass er mit seinen Erfindungen nicht viel Geld verdient habe, auch nicht als Marvel-Verleger und Chefredakteur von 1972 an. „Ich war geschäftlich gesehen dumm. Ich hätte gieriger sein sollen“, sagte er 2017 – sein Vermögen wurde allerdings auf rund 50 Millionen Dollar (40 Mio. Euro) geschätzt.

Trauer in Hollywood

In Hollywood sorgte Lees Tod für Trauer. „Heute haben wir einen wahrhaften Superhelden verloren“, zollte ihm die Oscar-Akademie auf Twitter Tribut. „Stan Lee, danke Dir für alles.“ Auch der Komiker Seth Rogen bedankte sich bei Lee: Er habe Menschen, die sich anders fühlten, das Gefühl gegeben, sie seien etwas Besonderes. „Du warst und wirst für immer ein Superheld sein“, schrieb die Schauspielerin Jamie Lee Curtis. Der deutsche Rapper Casper schrieb auf Englisch: „Du, Du selbst, warst der größte Superheld von allen.“

„Stan Lee war so außergewöhnlich wie die Figuren, die er schuf“, wurde Disney-Konzernchef Bob Iger in einer Mitteilung von Marvel zitiert. Lee selbst sei ein Superheld für Fans in aller Welt gewesen, der mit seiner Vorstellungskraft inspiriert und unterhalten habe. Es sei heute fast unmöglich, einen Ort im Marvel-Universum zu finden, der nicht von Lee geprägt wurde.

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