Birgit Hebein (Wiener Grüne)
APA/Georg Hochmuth
Wiener Grüne

Birgit Hebein wird neue Frontfrau

Die neue Nummer eins bei den Wiener Grünen heißt Birgit Hebein. Die diplomierte Sozialarbeiterin konnte die parteiinterne Briefwahl für sich entscheiden, wie die Grünen am späten Montagabend mitteilten.

Die 51-Jährige wird nicht nur Spitzenkandidatin für die Wien-Wahl 2020, sondern wohl auch neue Vizebürgermeisterin – die Amtsinhaberin, Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou, hat kürzlich angekündigt, sich bis zum Sommer kommenden Jahres zurückziehen und für die künftige Spitzenkandidatin Platz zu machen.

Hebein sitzt seit 2010 für die Grünen im Gemeinderat und ist dort Sprecherin für Soziales und Sicherheit. Davor war sie fünf Jahre lang Bezirksrätin und Klubobfrau in Rudolfsheim-Fünfhaus. Außerdem war Hebein von 2000 bis 2002 bei der Grünen Gewerkschaft AUGE/UG aktiv. Vor ihrer politischen Karriere arbeitete die diplomierte Sozialarbeiterin unter anderem im Bahnhofssozialdienst der Caritas Wien und bei der Arbeitsgemeinschaft für Wehrdienstverweigerung.

Fokus auf Armutsbekämpfung

Ihren beruflichen Anfängen ist Hebein inhaltlich auch in ihrem politischen Leben treu geblieben. Sie legt ihren Fokus auf Armutsbekämpfung und soziale Gerechtigkeit. Als Beispiele für ihre Arbeitsschwerpunkte nennt sie die Ausbildung junger Menschen, den Umgang mit obdachlosen Menschen sowie die Mindestsicherung. Denn als Sozialsprecherin war Hebein im vergangenen Jahr maßgeblich an den Verhandlungen über das neue Wiener Mindestsicherungsmodell beteiligt. Das von der SPÖ umgesetzte Alkoholverbot am Praterstern kritisierte sie scharf.

Auch im internen Wahlkampf legte sie ihren Fokus auf die Sozialpolitik. „Ohne soziale Sicherheit gibt es keinen sozialen Frieden“, betonte sie. Als politisches Ziel rief sie aus, „den Menschen die Möglichkeit zu geben, ihr Schicksal selbst zu bestimmen“. Außerdem setzte Hebein auf die Tatsache, dass sie die einzige Frau unter den etablierten Kandidaten war: „The future is female“ lautete das Motto ihres Wahlkampfspots. Als „hartnäckige Verhandlerin“, zäh und erfahren, beschreibt sie sich selbst. Ihre Jugend verbrachte die Tochter eines Maurers und einer Hausfrau in einem kleinen Dorf in Kärnten. Heute lebt sie mit ihren beiden Kindern im fünfzehnten Bezirk.

Zwei Wochen Zeit für Abstimmung

Offiziell präsentiert wird Hebein am Dienstag im Rahmen einer Pressekonferenz. Dort sollen dann auch die Details zum Abstimmungsergebnis verkündet werden. Denn die Grünen haben mit der brieflichen Abstimmung Neuland beschritten, wobei sie sich für einen relativ komplexen Modus entschieden.

Fünf Personen standen zur Abstimmung, neben Hebein waren das Rathaus-Klubchef David Ellensohn, Gemeinderat Peter Kraus, der Meidlinger Bezirksrat Benjamin Kaan und die Ärztin Marihan Abensperg-Traun. Zwei Wochen lang hatten Parteimitglieder sowie registrierte externe Wähler und Wählerinnen Zeit, an der Wahl teilzunehmen. Stimmberechtigt waren rund 3.400 Personen. Wer persönlich sein Votum abgeben wollte, konnte das am Montag in einem Wahllokal in der Parteizentrale in der Lindengasse tun. Wie die Partei am Montag mitteilte, haben sich letztlich 2.600 Menschen an dem grünen Urnengang beteiligt.

Testlauf für neuen Abstimmungsmodus

Für den Sieg war eine einfache Mehrheit nötig – also mindestens 50 Prozent plus eine Stimme. Da das auf Anhieb angesichts fünf Konkurrenten eher unwahrscheinlich zu schaffen ist, haben die Grünen in dem Modus eine Art Stichwahl eingebaut. In diesem als „Instant-Runoff“ bekannten System ist vorgesehen, dass Wähler nicht nur ihren Favoriten nennen, sondern auch die anderen Bewerber reihen.

Benjamin Kaan, David Ellensohn, Marihan Abensperg-Traun, Birgit Hebein und Peter Kraus (Wiener Grüne)
APA/Georg Hochmuth
Benjamin Kaan, David Ellensohn, Marihan Abensperg-Traun, Hebein und Peter Kraus standen zur Wahl

Gibt es bei der Auswertung der Erststimmen keinen klaren Sieger, wird unter Berücksichtigung der nachgereihten Namen weiter ausgezählt – und zwar so lange, bis der Gewinner klar feststeht. Dieses System kam heute zur Anwendung – nähere Einzelheiten werden am Dienstag bekanntgegeben.

Bisher erfolgte die Wahl stets durch das größte Parteigremium, die Landesversammlung. Eine solche findet kommenden Samstag statt, Hebein wird dort ihre Antrittsrede halten. Danach werden die Delegierten zur Debatte um das weitere Prozedere der Listenerstellung schreiten. Denn der neue Modus betraf vorerst nur die Vorgangsweise für die Spitzenkandidatur. Ob ein ähnliches System auch bei der Reihung der restlichen Plätze zum Einsatz kommt bzw. wie dieses im Detail aussieht, wird erst entschieden.

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