Modellhäuser vor Airbnb-Logo
APA/AFP/Joel Saget
Kaufen statt Mieten

Airbnb will nun „perfekte“ Häuser bauen

Der US-Zimmervermittler Airbnb will demnächst auch Häuser bauen. Im Zuge der neuen „Backyard“-Initiative testet der Konzern bereits 2019 Prototypen für anpassbare Häuser. So könnten etwa Dächer und Böden nach dem Baukastenprinzip ausgetauscht werden, um „perfekte“ Häuser zu schaffen. Mit der neuen Initiative setzt der Konzern auf die boomende „Sharing Economy“.

Humanistischer, zukunftsorientiert und umweltbewusst sollen die neuen Entwürfe sein. Das kündigte Samara, die Forschungseinheit des Konzerns, nun an. Mit der „Backyard“-Initiative könnten Berichten zufolge Häuser geschaffen werden, bei denen bei Bedarf etwa Böden und Dächer ausgetauscht werden. Es sollen Räume geschaffen werden, die sich „mit den wechselnden Bedürfnissen der Bewohner entwickeln und rekonfigurieren“, hieß es in der Ankündigung.

„‚Backyard‘ untersucht, wie Gebäude ausgeklügelte Bautechniken und Smart-Home-Technologien nutzen können und profitiert von einem gewaltigen Einblick in die Airbnb-Community“, so Projektleiter Joe Gebbia. Diese Einblicke würden helfen, um reflektiert auf die sich ändernden Bedürfnisse von Besitzern und Bewohnenden reagieren zu können.

Kleine Häuser in Hinterhöfen?

Die erste Welle an Prototypen sollen im Herbst 2019 fertiggestellt und getestet werden, schrieb das Technologiemagazin „Fast Company“, das Anfang Dezember exklusiv über die Initiative berichtete. Airbnb-Zimmervermittler sowie andere Interessenten sollen die Häuser kaufen können. Wie viel diese kosten sollen, ist derzeit aber noch unklar.

Den Namen „Backyard“ (Hinterhof, Anm.) trägt das Projekt übrigens nicht, weil Airbnb dadurch kleine Hütten in die Gärten und Hinterhöfe regulärer Häuser stellen möchte, stellte Gebbia gegenüber „Fast Company“ klar. Grund sei, dass die Idee dafür in einem kleinen Studio neben dem Airbnb-Hauptquartier entstanden sei.

Verschiedene Häusermodelle
Samara
Die Airbnb-Häuser sollen sich entwickeln und fortwährend an die Bedürfnisse seiner Bewohner anpassen

Airbnb habe zudem eine „soziale Verantwortung“, sagte Gebbia im Pressestatement zu den Plänen und verwies auf UNO-Prognosen von 2017. Diesen zufolge würden bis 2060 auf einer Fläche von 230 Milliarden Quadratmetern neue Häuser errichtet werden. „Die Art und Weise, wie Häuser gebaut werden, ist veraltet und schafft riesige Mengen an Müll“, so Gebbia. Wie genau das Samara-Forschungsteam die Bauten umweltfreundlicher machen möchte, ist allerdings unklar. Auch Angaben zu Baumaterialien wurden keine gemacht.

Kaufen und vermieten über Airbnb

Als offensichtliche „Win-win“-Situation bezeichnet das US-Portal Vox die Pläne. Denn dadurch könnten Menschen künftig Häuser von Airbnb kaufen, um die Räumlichkeiten dann über das Portal zu vermieten. „Airbnbs Vorstoß in den Wohnungsbau legt eine Zukunft nahe, in der alles kommodifiziert (zur Ware gemacht, Anm.) und nichts mehr, nicht einmal das Zuhause, privat ist“, hieß es in einem Vox-Artikel.

Vox zufolge würde das neue Projekt der Onlineübernachtungsbörse nicht nur die Art und Weise, wie Eigenheime aussehen und gebaut werden, ändern, sondern auch die generelle Sichtweise auf Häuser: „Während das Vermieten eines Extraraums an Reisende durch Airbnb sich anfühlt, als würde man seine Zehen in die beängstigenden Gewässer der ‚Sharing Economy‘ halten; ähnelt das Kaufen eines Hauses, das zum Teilen geschaffen wurde, mehr einem Köpfler.“

Im „Air Space“ wohnen

In der „Sharing Economy“ geht es darum, durch das Teilen des eigenen Besitzes Geld zu verdienen – das reicht von Autos über Kleidung bis hin zum Eigenheim. Airbnb bietet bisher nur die Plattform dafür an und häufte so ein Vermögen von geschätzt 38 Milliarden Dollar an. Durch die „Backyard“-Initiative will der Konzern das Prinzip auch auf gesamte Häuser ummünzen. Das hat allem Anschein nach zur Folge, dass die Häuser in „Raumschiffästhetik“, wie Berichte die minimalistisch eingerichteten Airbnb-Zimmer hämisch umschreiben, daherkommen. So sollen sie wiederum die „optimalen“ Zimmer zum Vermieten über die Plattform darstellen.

„Fast Company“ deutet in dem Bericht auch an, dass die Pläne für den Einstieg in das Immobiliengeschäft auch eine Art Absicherung für das Softwareunternehmen sein könnte: „Ein Softwareunternehmen, das sich zukunftssicher machen möchte, könnte schlechter gehen als mit einer Investition in Gebäude.“

Hotelierszeitung in Sorge

Das Onlineportal der deutschen „Allgemeine Hotel- und Gastronomiezeitung“ („AHGZ“) ortet bei den Plänen bereits eine Bedrohung für Hoteliers: „Mit den selbst entworfenen Häusern drängt Airbnb noch einen Schritt weiter in das Geschäftsfeld der Hoteliers ein. Dem Sharing-Portal wird von Hotelverbänden schon lange vorgeworfen, dass ein Großteil der dort gelisteten Unterkünfte eine unfaire Konkurrenz darstellen.“

Auch mit der Stadt Wien stritt der US-Konzern monatelang über eine gesammelte Abfuhr der Ortstaxe. Ende Oktober wurden die Verhandlungen darüber aber abgebrochen. Laut Stadt Wien weigerte sich die Plattform, sich an österreichisches Recht zu halten. Wien versucht aber weiterhin, Onlineplattformen wie Airbnb, die Wohnungen touristisch vermieten, in den Griff zu bekommen.

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