Russland geht gegen Jugendkultur vor

Die Behörden in Russland gehen gegen eine angeblich subversive Jugendkultur vor und unterbinden Konzerte populärer einheimischer Musiker und Musikerinnen. Der Kreml verfolge die Vorgänge sehr aufmerksam, sagte Sprecher Dmitri Peskow heute. Er wertete das Vorgehen der Behörden aber nicht.

Betroffen sind seit Wochen mehrere Musiker und Musikerinnen, weil sie angeblich Drogen und Selbstmord verherrlichen und zu Extremismus aufrufen. Das Gothic-Rap-Duo Ic3peak konnte gestern in der Provinzstadt Woronesch nur wenige Minuten spielen, weil die Polizei den Konzertort in einem Billardclub abriegelte, wie das Internetportal Mediasona berichtete. Tags zuvor hatte die Staatsanwaltschaft in Petrosawodsk in Nordrussland einen Club gezwungen, den Auftritt des Rappers Gone.Fludd abzusagen.

Besonders Ic3peak hat bei einer ausgedehnten Tournee fast in jeder Stadt mit Schikanen zu kämpfen. „Wir sind geradezu ein Supersymbol geworden“, sagte Sängerin Anastassija Kressilina im Interview mit Mediasona. Bei diesem Duo reagieren die Behörden vermutlich auf den Song „Es gibt keinen Tod mehr“.

Darin singt Kressilina: „Ganz Russland schaut auf mich. Soll alles brennen, soll alles brennen!“ Im November musste der Rapper Husky zwölf Tage Arrest absitzen, weil er nach der Absage eines Konzerts in Krasnodar improvisiert auf einem Autodach aufgetreten war.