Verkehr auf der Südosttangente
ORF.at/Christian Öser
AK-Studie

Weg in die Arbeit „länger und stressiger“

Der Weg in die Arbeit hat laut einer Studie der Arbeiterkammer (AK) zugenommen und ist somit auch zeitaufwendiger geworden. „Die Arbeitswege werden länger und stressiger“, so Sylvia Leodolter, Leiterin der Abteilung Umwelt und Verkehr in der AK, bei der Präsentation der Studie zum Thema Arbeitswege am Freitag.

Um Daten zu den Arbeitswegen in Österreich zu erhalten, ließ die AK die Ergebnisse der Befragung „Österreich unterwegs 2013/2014“ (18.232 befragte Haushalte) spezifisch auswerten. Laut der Studie brauchen 28 Prozent der Österreicher bis zu zehn Minuten pro Richtung, 26 Prozent benötigen zwischen zehn und 20 Minuten und 19 Prozent zwischen 20 und 30 Minuten. 13 Prozent brauchen hin und zurück jeweils mehr als 45 Minuten.

„Erwartungsgemäß zeigen sich im Burgenland und Niederösterreich hohe Anteilswerte bei den Arbeitswegen über 20 Kilometer. Im Burgenland liegt dieser bei 39 Prozent, in Niederösterreich bei 35 Prozent“, heißt es in der Studie weiter. Im Burgenland und in Niederösterreich sind auch die Anteilswerte für Arbeitswege, die mehr als 60 Minuten dauern, mit 13 Prozent im Burgenland und 14 Prozent in Niederösterreich im Österreich-Vergleich am höchsten.

Grafik zum Arbeitsweg
Grafik: APA/ORF.at; Quelle: APA/AK

Wien: Fünf Minuten über Durchschnitt

In der Steiermark und in Kärnten gaben jeweils 28 Prozent an, über 20 Kilometer in die Arbeit fahren zu müssen. In Kärnten dauern daher 21
Prozent der Arbeitswege mehr als 30 Minuten, in der Steiermark 26 Prozent der Arbeitswege. In Wien müssen Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen allerdings durchschnittlich 32 Minuten pro Richtung einrechnen – das sind fünf Minuten mehr als im Österreich-Durchschnitt.

„Gründe für die etwas längeren Arbeitswege können Umsteigewege bei der Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln sein oder Arbeitsplätze in Randbezirken, die eine Querung des Stadtgebiets notwendig machen“, heißt es dazu in der Studie. In Vorarlberg braucht man hingegen am wenigsten lang zur Arbeit. Dort ist der Anteil der Arbeitswege unter 15 Minuten im Bundesländervergleich am höchsten (59 Prozent). In Wien liegt er dagegen nur bei 24 Prozent.

Pendler am Bahnhof Stockerau
ORF.at/Christian Öser
Auch die Bahn wird für den Weg in die Arbeit genutzt

Drittel unzufrieden mit „Öffis“

Die meisten Arbeitswege werden in Österreich mit dem Auto zurückgelegt (68 Prozent). 14 Prozent der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sind öffentlich unterwegs, zwölf Prozent zu Fuß und sechs Prozent mit dem Fahrrad. Die Zahl derjenigen, die österreichweit über die Bezirksgrenzen hinweg pendeln, habe stark zugenommen, so Leodolter weiter.

Zwischen 2009 und 2016 sei sie von rund 730.000 auf 880.000, also um 20 Prozent, gestiegen. Die Zahl der Pendler und Pendlerinnen in ein anderes Bundesland oder ins Ausland sei um rund zehn Prozent auf etwa 555.000 gewachsen. 30 Prozent der Pendler beurteilten das „Öffi“-Angebot laut Umfragen der AK für ihren Arbeitsweg als ungenügend.

AK: An zwei Schrauben drehen

Die AK übte an den herrschenden Zuständen Kritik. „Derzeit rasen zwei Züge aufeinander zu: immer längere Arbeitszeiten und immer längere Wegzeiten. Auf der Strecke bleiben das Familien- und das Privatleben“, warnte Arbeiterkammer Präsidentin Renate Anderl bei der Studienpräsentation.

„Die Menschen brauchen immer länger in den Job und kommen zusätzlich unter Druck wegen der neuen Möglichkeit für längere Arbeitszeiten“, sagte Anderl. Um das zu ändern, müsse an zwei Schrauben gedreht werden: „Das neue Arbeitszeitgesetz muss zurück an den Start“, forderte sie.

Zusätzlich müsse der öffentliche Verkehr weiter ausgebaut und verdichtet werden, um Wartezeiten für Pendler und Pendlerinnen zu reduzieren. Sie bekräftigte unter anderem die Forderung nach einem durchgängigen 15-Minuten-Mindesttakt auf allen S-Bahn-Linien und dem Ausbau der Südbahn. Zudem müsse die Abstimmung zwischen den Verkehrsmitteln verbessert werden.

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