Rauch steigt aus einem Schlot
Reuters/Kacper Pempel
Klimakrise

Der Kampf um die Deutungshoheit

Während man im polnischen Katowice über die Klimakrise nachdenkt und Nägel mit Köpfen machen möchte, herrscht im Hintergrund ein Kampf um die Deutungshoheit: Welchen Anteil hat der Faktor Mensch an der Klimakrise? Während Rechtspopulisten wie etwa US-Präsident Donald Trump eine Verantwortung des Menschen leugnen, sind Hunderte Investoren indes von dem menschlichen Faktor überzeugt.

So riefen nun 415 Großinvestoren aus aller Welt, die Vermögen im Volumen von 32 Billionen Dollar verwalten, die internationale Gemeinschaft zum verstärkten Kampf gegen den Klimawandel auf. „Die globale Umstellung auf saubere Energie ist im Gange, aber die Regierungen müssen noch viel mehr tun, um den Übergang zu niedrigen CO2-Emissionen zu beschleunigen und die Widerstandsfähigkeit unserer Wirtschaft, der Gesellschaft und des Finanzsystems gegenüber Klimarisiken zu verbessern“, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung der Investoren, zu denen unter anderem Gesellschaften wie UBS Asset Management und Aberdeen Standard Investments zählen.

Der britische Vermögensverwalter Schroders warnte, nicht zu handeln könne zu einem permanenten wirtschaftlichen Schaden führen, der das Ausmaß der Finanzkrise um das Drei- oder Vierfache übersteige. In der Realität träfe der Klimawandel, wegen seiner gedachten langfristigen Natur der Herausforderung, nur auf eine zombieartige, also scheintote, Antwort, so Chris Newton, Chef des Zweiges Verantwortungsvolle Investitionen bei dem Fonds IFM Investors. Das sei ein Weg in die Katastrophe, da der Klimawandel plötzlich, heftig und katastrophal zuschlagen könne.

Trump als politische Speerspitze

Derzeit beraten Vertreter aus fast 200 Staaten in Katowice (Kattowitz) über Wege zur Umsetzung des Pariser Klimaschutzabkommens. Trump aber ist ein erklärter Gegner des Abkommens. Im Juni 2017 hatte der US-Präsident den Austritt seines Landes angekündigt und damit bei Regierungen und Umweltschützern weltweit für Fassungslosigkeit gesorgt.

Thomas DiNapoli, Chef des Pensionsfonds der Stadt New York, nennt den Ansatz Trumps „fehlgeleitet“. „Weltweite Anstrengungen gegen die sehr reale Bedrohung der Klimakrise für die Wirtschaft und die Finanzmärkte gehen weiter“, so DiNapoli. „Wir bleiben dabei und unterstützen die Pariser Klimaziele.“ Der Übergang in eine Ökonomie mit niedrigem CO2-Ausstoß sei eine Möglichkeit für Investoren. Investoren, die den Wechsel aber ignorierten, täten das auf ihre eigene Gefahr, so DiNapoli. Sein Fonds managt rund 200 Milliarden Dollar.

Im Zentrum": "Wir verheizen die Welt – Klimapolitik unter Druck

Johannes Schmuckenschlager, Vorsitzender des Umweltausschusses, ÖVP, Helga Kromp-Kolb, Klimaforscherin, Stephan Schwarzer, WKÖ und Leonore Gewessler, GLOBAL 2000 diskutierten mit Claudia Reiterer (ORF).

Rechtspopulisten gut vernetzt

Die politischen Gegner und Gegnerinnen des Faktors Mensch beim Klimawandel sind indes laut „Standard“ gut vernetzt. Der Klimawandel sei das kommende Thema, das Rechtspopulisten und -extreme zusammenschweiße, so die „Tageszeitung“. Es paktierten Parteien wie Rassemblement National von Marine Le Pen, die italienische Liga des italienischen Innenministers Matteo Salvini und eben die heimische FPÖ von Vizekanzler Heinz-Christian Strache.

Was jeder und jede tun kann

Es gibt viele kleine Schritte, die jeder und jede auf einem möglichen Weg aus der Klimakrise gehen kann. Neben dem Verzicht auf Flugreisen und dem Umstieg auf erneuerbare Energien spielt auch der Fleischkonsum eine große Rolle – mehr dazu in Kleine Schritte gegen die Klimakrise.

Die Parteien vereinten sich laut „Standard“, um Gesetze zum Klimaschutz zu kippen. Vor zehn Jahren hätten ungefähr zehn Prozent der EU-Abgeordneten gegen Gesetze zum Klimaschutz gestimmt, nach der EU-Wahl im nächsten Jahr könnte sich der Anteil verdoppeln, spekuliert der „Standard“ mit Zugewinnen der Rechtspopulisten bei der Wahl. Diese Gruppe stimme auch systematisch gegen alle Gesetze, die klimaschädliche Emissionen reduzieren sollten und auch gegen alle Gesetze zur Förderung erneuerbarer Energien, so der „Standard“ unter Berufung einer ihm vorliegenden unveröffentlichten Studie des deutschen Thinktanks Adelphi.

Großer Wahlspender für Trump

Zwischen Politik und privaten Initiativen gebe es einen regen Austausch, so die Zeitung. Keine der Organisationen sei aber im europäischen Lobbyingregister verzeichnet. Der „Standard“ nennt in diesem Zusammenhang etwa das deutsche Europäische Institut für Klima und Energie (EIKE), das als gemeinnütziger Verein seine Geldflüsse nicht offenlegen müsse. Für Österreich erwähnt der „Standard“ das „der FPÖ und Klimaleugnern“ nahestehende Austrian Economics Center (AEC).

In den USA sei es indes transparenter. So habe das klimawandelkritische Heartland Institute 2017 bereits 5,9 Mio. Dollar erhalten. Das Institut habe auch denselben Spender wie Trump – nämlich die Mercer-Family-Foundation. Dieses war einer der Großspender für den Wahlkampf von Trump. Der Milliardär Robert Mercer gilt als Leugner des Klimawandels bzw. dessen menschengemachter Komponente.

Für Strache „offene Frage“

In der heimischen Politik ist der Zweifel am von Menschen ausgelösten Klimawandel ebenfalls kein Tabuthema mehr. Laut Strache ist es eine „offene Frage“, wieweit der Mensch das Klima beeinflussen könne. Klimaveränderungen würde es seit Jahrtausenden geben, sagte Strache im Interview mit dem „Standard“ (Freitag-Ausgabe). Die Sahara sei die „Kornkammer Roms“ gewesen und dann zur Wüste geworden.

„Das hat mit vielen Faktoren zu tun, aber sicher nicht mit Fabriken oder sonstigen Entwicklungen, die es damals gar nicht gab“, so der Vizekanzler. Auch die Wissenschaft wisse nicht, „wohin wir uns entwickeln“, so Strache auf die Frage, was die Regierung gegen die Klimakrise unternehmen wolle.

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