Demonstranten und Polizisten
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Trotz Zugeständnissen

Proteste der „Gelbwesten“ gehen weiter

Am Samstag in der Früh haben sich in Frankreich erneut Tausende „Gelbwesten“ zum Protest gegen Präsident Emmannuel Macron versammelt – allen Konzessionen der Regierung zum Trotz. Es ist der fünfte Akt der teils äußerst gewaltsamen Demos – und der erste nach dem Anschlag in Straßburg.

Nicht nur auf den Pariser Champs Elysees, auch in etlichen anderen Teilen Frankreichs färbte sich erneut das Straßenbild gelb. Auch die Sicherheitsvorkehrungen verwandelten Paris einmal mehr in eine Festung. Allein in der französischen Hauptstadt waren rund 8.000 Sicherheitskräfte mit 14 gepanzerten Fahrzeugen der Gendarmerie im Einsatz. Landesweit wurden 69.000 Polizeikräfte mobilisiert.

Es sei eine „schwächere Mobilisierung“ zu beobachten, auch bei den gewaltbereiten Demonstranten, sagte Polizeisprecherin Johanna Primevert dem Fernsehsender BFMTV. Landesweit gingen etwa halb so viele Demonstranten wie noch vor einer Woche auf die Straßen. Dennoch kam es bald zu ersten Spannungen zwischen Sicherheitskräften und Demonstrantinnen und Demonstranten, wobei auch Tränengas eingesetzt wurde. In Paris, wo Hunderte „Gelbwesten“ in kleineren Gruppen durch die Stadt zogen, wurden bis Samstagnachmittag 95 Personen festgenommen, wie ein Vertreter der Stadt sagte. Außerhalb von Paris seien 16.000 Demonstranten gezählt worden, hieß es in Polizeikreisen.

Protest der Mariannes

Vor der Oper Garnier organisierten die „Gelbwesten“ ein Sit-in. Dabei knieten sie auf dem Boden, die Hände hinter dem Kopf – eine Anspielung auf eine Massenfestnahme von Schülern vor mehreren Tagen, die gegen Reformen im Bildungsbereich protestiert und ihre Bildungseinrichtung blockiert hatten.

„Gelbwesten“-Proteste: Festnahmen in Paris

In Frankreich haben die „Gelbwesten“ begonnen, ihre Proteste fortzusetzen – und es gab auch schon wieder Probleme und Verhaftungen.

Mehrere Frauen demonstrierten auf den Champs-Elysees halbnackt als Marianne verkleidet und standen minutenlang stumm den Sicherheitskräften gegenüber. Marianne ist die Nationalfigur der französischen Republik. Sie wird gewöhnlich mit einer phrygischen Mütze und nackten Brüsten dargestellt.

„Keinerlei Zusammenhang“ mit Straßburg

Die „Gelbwesten“ forderten am Samstag einmal mehr den Rücktritt Macrons sowie Steuersenkungen, höhere Pensionen und Löhne. Macron hatte zu Wochenbeginn als Reaktion auf die Proteste unter anderem eine Erhöhung des Mindestlohns verkündet. Die Regierung appellierte zudem an die Aktivisten, nach dem tödlichen Anschlag in Straßburg auf neue Kundgebungen zu verzichten. Gemäßigte „Gelbwesten“ riefen danach zu einer „Ruhepause“ und zum „Dialog“ mit der Regierung auf. Ein anderer Teil der Protestbewegung erklärte die Zugeständnisse der Regierung dagegen für ungenügend und sah „keinerlei Zusammenhang“ mit dem Vorfall in Straßburg.

Demonstrantinnen
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Aktivistinnen als Marianne: Sie tragen statt Gelb rote Westen

Wie Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichteten, standen der Elysee-Palast, Macrons Amtssitz, sowie das Hotel Matignon, Amtssitz von Premierminister Edouard Philippe, die Nationalversammlung und das Innenministerium unter besonders starkem Polizeischutz. Attraktionen wie der Eiffelturm, der Louvre und andere Museen sowie die großen Kaufhäuser waren hingegen frei zugänglich.

An den vergangenen vier Samstagen hatte es zum Teil heftige Zusammenstöße zwischen Polizei und Demonstranten, Tränengaseinsatz, brennende Autos und Barrikaden gegeben. Alleine vergangenes Wochenende wurden in Paris fast 2.000 Menschen festgenommen.