Verkehr auf der Südosttangente
ORF.at/Christian Öser
Bis 2030

Schärfere Abgasgrenzen für neue Autos in EU

Autos müssen bis 2030 erheblich klimafreundlicher werden: Der Kohlendioxidausstoß von Neuwagen soll um 37,5 Prozent im Vergleich zu 2021 sinken. Auf diesen Kompromiss einigten sich die Unterhändler der EU-Staaten und des Europaparlaments nach Angaben der österreichischen Ratspräsidentschaft am Montagabend in Brüssel.

Für leichte Nutzfahrzeuge wurde eine CO2-Reduktion um 31 Prozent vereinbart. Für beide Fahrzeugklassen soll bis 2025 eine Minderung um 15 Prozent als Zwischenetappe erreicht sein. Die Einigung gab Umweltministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) bekannt, die in Brüssel die Verhandlungen mit den EU-Institutionen führte. „Das ist ein großer Tag für die österreichische Ratspräsidentschaft“, sagte die amtierende EU-Ratsvorsitzende. EU-Klimakommissar Miguel Arias Canete nannte die Vereinbarung ehrgeizig und ausgewogen.

Die Vorgaben sind deutlich schärfer, als die Autoindustrie und die deutsche Regierung das ursprünglich wollten. Die EU-Staaten hatten Anfang Oktober für eine Senkung des CO2-Werts bei neuen Autos und leichten Nutzfahrzeugen um durchschnittlich 35 Prozent plädiert. Deutschland trug das Ziel damals mit, obwohl die Regierung – ebenso wie die EU-Kommission – eigentlich nur 30 Prozent Minderung wollte.

Autokonzerne müssen Produktion umbauen

Das Europaparlament ging mit einer Forderung nach minus 40 Prozent in die Verhandlungen. Die Vorgaben sollen helfen, die Klimaziele der Europäischen Union insgesamt zu erreichen und die Emissionen aus dem Straßenverkehr zu drücken. Die Entscheidung ist für die Autoindustrie von großer Bedeutung. So auch für Deutschland: Viele große Konzerne haben dort ihren Sitz.

Zu schaffen sind die neuen Zielwerte nur, wenn Hersteller neben Diesel und Benzinern immer mehr Fahrzeuge ohne Emissionen verkaufen – also zum Beispiel reine E-Autos. Nur so können sie ihren Schnitt insgesamt erreichen. Dafür müssen sie aber ihre Produktion umbauen. Die deutsche Regierung befürchtet Jobverluste, falls der Umstieg auf neue Antriebe zu schnell vollzogen wird. Befürworter strenger Werte meinen dagegen, so könnten europäische Autobauer in der Konkurrenz zu China bestehen und neue Jobs schaffen.

Vorgabe für viele Hersteller nicht in Reichweite

Bisher ist in der EU festgelegt, dass Neuwagen im Flottendurchschnitt 2021 nicht mehr als 95 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer ausstoßen sollen. Von dieser Basis aus soll die Senkung folgen. Doch ist die aktuelle Vorgabe für viele Hersteller noch nicht in Reichweite: Der europäische Durchschnitt lag zuletzt bei 118,5 Gramm. Insgesamt stammt rund ein Viertel aller Klimagase der EU aus dem Verkehr, Autos und Lastwagen haben daran den größten Anteil.

Vor der letzten Runde der EU-Unterhändler hatte der europäische Herstellerverband ACEA noch einmal eindringlich vor zu scharfen Zielwerten gewarnt. „Wenn sie auf überehrgeizige CO2-Reduktionswerte dringt, riskiert die EU, Autos für Leute mit begrenzten Mitteln zu teuer zu machen“, erklärte der Verband. Die jüngsten Proteste in Frankreich und Belgien zeigten, dass das Tempo des Wandels Rückhalt in der Gesellschaft haben müsse.

Heftige Kritik aus Autoindustrie

Kurz nach der Einigung zeigte sich die Autoindustrie entsetzt. „Diese Regulierung fordert zu viel und fördert zu wenig“, kritisierte der Verband der Automobilindustrie (VDA). „Niemand weiß heute, wie die beschlossenen Grenzwerte in der vorgegebenen Zeit erreicht werden können.“ Die europäische Automobilindustrie sei stark belastet, Arbeitsplätze seien in Gefahr. Auch ACEA warnte vor einem Ziel, das „gemessen am heutigen Stand völlig unrealistisch“ sei.