Ein Polizist hält aufgebrachte Demonstranten zurück
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Toter und Verletzte in Indien

Proteste nach Tempelbesuch zweier Frauen

In Indien haben sich wütende Proteste entzündet, nachdem zwei Frauen einen Hindu-Tempel im Süden Indiens betreten haben. Mindestens ein Mensch kam am Mittwoch ums Leben, es gab viele Verletzte. Hinter dem Gewaltausbruch stehen Hindu-Traditionalisten – trotz eines anders lautenden Gerichtsurteils verwehren sie Frauen im gebärfähigen Alter weiter den Zutritt zu den heiligen Stätten.

Bereits am Mittwoch hatten sich die beiden Frauen Zutritt zum Sabarimala-Tempel im Bundesstaat Kerala verschafft. Auf Videoaufnahmen war zu sehen, wie Kanaka Durga und Bindu in schwarzen Gewändern mit gesenkten Köpfen in den Tempel eilen – unter Polizeischutz kurz vor Sonnenaufgang. Sie verließen das Heiligtum wenig später unentdeckt. Als der Besuch schließlich doch publik wurde, kam es zu Protesten.

Bei einer Kundgebung der hinduistisch-nationalistischen Bharatiya-Janata-Partei (BJP) von Regierungschef Narendra Modi sei am Mittwoch ein Mensch von Steinewerfern getötet worden, sagte ein Sprecher der Polizei in Kerala am Donnerstag. Mindestens 15 weitere Menschen seien bei anderen Zwischenfällen in dem Bundesstaat verletzt worden. Die Zeitung „Hindustan Times“ berichtete am Donnerstagabend (Ortszeit) von 100 Verletzten.

Kerala lahmgelegt

Das öffentliche Leben in Kerala wurde weitgehend lahmgelegt – Medienberichten zufolge blieben Märkte und Schulen im Staat am Donnerstag geschlossen, zahlreiche Straßen waren blockiert.

Polizisten verhaften einen Demonstranten
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Die Polizei bei der Festnahme eines Mannes, der aus Protest ein Bild des Regierungschefs von Kerala verbrennen wollte

Tränengas, Wasserwerfer und Blendgranaten

Vor dem Parlament in Keralas Hauptstadt Thiruvananthapuram lieferten sich gegnerische Gruppierungen gewalttätige Auseinandersetzungen. Die Polizei setzte Tränengas, Wasserwerfer und Blendgranaten gegen die Demonstranten ein. Auch in anderen Städten gab es Proteste. Am Donnerstag wurden zusätzliche Sicherheitskräfte eingesetzt, um weitere Gewaltakte zu verhindern.

Tempelzutritt für Frauen schürt Wut

Im südindischen Bundesstaat Kerala kam es zu wütenden Protesten – die Polizei ging hart dagegen vor. Zu Beginn der Woche hatten Aktivistinnen eine kilometerlange Menschenkette gebildet. (Videoquelle: APTN)

„Organisierter Gewaltausbruch“

Erzkonservative Hindus kritisierten die Unterstützung der Behörden für die beiden Frauen, die weiter unter Polizeischutz stehen. Die linksgerichtete Regierung von Kerala verteidigte dagegen das Vorgehen. Die Polizei sei verpflichtet, jedem zu helfen, der seine Religion in dem Schrein ausüben wolle, teilte sie mit.

Der Regierungschef von Kerala, Pinarayi Vijayan, beschuldigte Sangh Parivar, eine Bewegung indischer Nationalisten und damit auch die Regierungspartei als politische Vertreterin der Ideologie, den Gewaltausbruch organisiert zu haben, heißt es in der Zeitung „Indian Express“. Auch war von bisher etwa einhundert Festnahmen die Rede, wie „The Hindu“ berichtet.

Jahrelanger Rechtsstreit

Der Sabarimala-Tempel ist einer der heiligsten Tempel der Hindus. Das Oberste Gericht des Landes hatte im September nach einem jahrelangen Rechtsstreit das Zutrittsverbot für Frauen zwischen zehn und 50 Jahren zu dem Tempel aufgehoben. Aktivistinnen versuchten seither immer wieder vergeblich, zu dem auf einem Berg gelegenen Schrein für den Gott Ayyappan zu gelangen – sie wurden aber stets von Hindu-Traditionalisten abgehalten.

Zwei Frauen werden von Polizisten in einen Tempel in Indien begleitet
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Bereits zuvor misslang ein Versuch der Frauen, den Tempel zu betreten – sie wurden von einem wütenden Mob abgehalten

Gegen die Entscheidung des Obersten Gerichts legten zahlreiche konservative Hindu-Bewegungen sowie die Modi-Partei BJP Widerspruch ein. Sie fechten das Urteil mit der Begründung an, es ignoriere die traditionelle Überzeugung, wonach Ayyappan im Zölibat lebte. Für sie gelten menstruierende Frauen als unrein. Für den 22. Jänner ist eine Gerichtsanhörung der Urteilsgegner vorgesehen.

Kilometerlange Menschenkette

Bereits im Oktober kam es zu gewaltsamen Zusammenstößen mit der Polizei, mehr als 2.000 Menschen wurden festgenommen. Am Dienstag hatten Hunderttausende Frauen eine kilometerlange Menschenkette durch Kerala gebildet, um der Forderung nach Zutritt zum Tempel Nachdruck zu verleihen. Die Nachricht von den Frauen, denen der Zutritt zum Tempel gelang, wurde von der Solidaritätsbewegung mit Begeisterung aufgenommen.

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