Lawinenwarnschild
APA/Harald Schneider
Schneemassen

Etliche Orte weiter nicht erreichbar

Die Lage in den Alpen bleibt angespannt. Zahlreiche Orte sind von der Außenwelt abgeschnitten. Für Teile des Landes gilt immer noch die höchste Lawinenwarnstufe, die Einsatzkräfte befinden sich im Dauereinsatz unter schwersten Bedingungen – teilweise mussten Rettungseinsätze auch unterbrochen werden.

In Tirol waren Orte wie Kühtai, Ginzling und Hochfügen auch am Donnerstag nicht erreichbar. Neu hinzu kamen nach Angaben des Landes einzelne Weiler in den Gemeinden Alpbach, Söll und Ellmau. Siedlungsräume seien jedoch nicht gefährdet. Galtür ist seit dem Vormittag wieder erreichbar – mehr dazu in tirol.ORF.at. In Oberösterreich bleibt Gosau abgeschnitten, Hallstatt und Obertraun sind momentan nur mit dem Zug erreichbar.

Auch in anderen Bundesländern bleibt die Situation angespannt: So mussten etwa in der Steiermark im Bezirk Liezen zig Bewohner in Sicherheit gebracht werden. In Vorarlberg bleiben Stuben, Lech, Zürs, und Gargellen unerreichbar, die Gemeinde Schröcken ist seit Vormittag vorübergehend wieder zugänglich, die Nachbargemeinde Warth ist seit Mittag erreichbar – mehr dazu in vorarlberg.ORF.at.

Umgefallener Baum auf Stromleitung
APA/Netz NÖ
Betroffen von den Schneemassen ist auch die Stromversorgung, Bäume knicken häufig um und treffen dabei Stromleitungen
Schneemassen und Bagger vor einem Haus in Radmer
APA/Gemeinde Radmer/Bgm. Ludwig Gottsbacher
Die Lawinengefahr bleibt hoch, manche Orte, etwa Radmer in der Steiermark, sind von der Außenwelt abgeschnitten
Schneeräumung am Friedhof in Vordernberg
APA/Erwin Scheriau
In weiten Teilen Österreichs sind in den letzten Tagen erhebliche Mengen Schnee gefallen, vielerorts dauern die Aufräumarbeiten an
Feuerwehreinsatz im Bezirk Liezen
APA/BFV Liezen/KHD52 S5
Die Einsatzkräfte, hier in Liezen (Steiermark), befinden sich im Dauereinsatz
Spaziergänger in Salzburg
APA/Barbara Gindl
Auch in den kommenden Tagen ist mit starkem Schneefall zu rechnen
Anzeige von Lawinengefahr auf einer Skifahrerinformation in Flachau
APA/Barbara Gindl
In manchen Teilen des Landes bleibt die Lawinengefahr auf der höchsten Warnstufe
Ein Mann schaufelt sich den Weg frei
APA/Barbara Gindl
Im Straßenverkehr sorgt der Schnee ebenfalls für Behinderungen, etliche Orte sind gar nicht erreichbar
Ein beschädigter Pkw in Schladming
APA/BFV Liezen/KHD52 S5
Umgeknickte Bäume sorgen auch abseits der Stromversorgung für zahlreiche Schäden, etwa bei diesem Kleintransporter in Schladming

Teile der Weststrecke unterbrochen

Am Donnerstagvormittag musste auch der Verkehr auf einem Stück der Bahnverbindung in den Westen unterbrochen werden. Wegen eines Lawinenabgangs zwischen den Bahnhöfen Golling-Abtenau und Werfen in Salzburg sind derzeit keine Fahrten möglich, wie es von den ÖBB hieß. Für Nah- und Fernverkehrszüge wurde ein Schienenersatzverkehr eingerichtet.

Über die Dauer der Sperre könne derzeit noch keine Angabe gemacht werden, sagte ÖBB-Sprecher Christoph Gasser-Mair. „Wir wissen derzeit weder, wie groß die Lawine war, noch ob sie bis auf die Strecke oder nur im Nahbereich abgegangen ist“, berichtete Gasser-Mair. Fest stehe nur, dass kein Zug und keine Reisenden betroffen seien.

Ermittlungen nach Lawine auf Skipiste

Die Lawinengefahr bleibt enorm: Für die nördliche Obersteiermark – vom Dachstein bis zum Hochschwab – gab der Lawinenwarndienst Donnerstagfrüh weiterhin mit Warnstufe fünf die höchste Stufe an. In Salzburg gab es für einen schmalen Streifen im Bereich der Nordalpen vom nördlichen Pinzgau über das Hagen- und Tennengebirge bis zum Gosaukamm erneut die höchste Warnstufe.

Grafik zur Lawinengefahr
Grafik: APA/ORF.at; Quelle: APA/lawinen.at

Wegen des Lawinenabgangs am Mittwoch auf einer gesicherten Skipiste in der Salzburger Wildkogel-Arena gibt es unterdessen Ermittlungen der Polizei. Diese prüft, ob im Vorfeld eine zusätzliche Lawinensprengung notwendig gewesen wäre. Ermittelt wird wegen fahrlässiger Körperverletzung – mehr dazu in salzburg.ORF.at.

Neun Urlauber aus freiem Gelände geborgen

Für die Einsatzkräfte gestalten sich viele Rettungseinsätze aufgrund der Bedingungen besonders schwierig. Am Mittwoch musste die Bergrettung in Salzburg ausrücken, um neun Urlauber zu bergen: Sie fuhren ins Gelände abseits gesicherter Skipisten und blieben schließlich in einem Graben stecken – mehr dazu in salzburg.ORF.at.

Die Einsatzkräfte warnten eindringlich, dass die schweren Bedingungen auch die Rettungsarbeiten erschweren. „Die hohen Lawinenwarnstufen stellen uns vor Herausforderungen – insbesondere in Gebieten, wo die Gefährlichkeit auch uns nicht erlaubt, dorthin vorzudringen“, sagte Martin Gurdet, Bundesverbandsgeschäftsführer der Bergrettung.

Für die Einsatzleitungen seien schwierige Entscheidungen zu treffen, wie zu sagen: „Wir müssen hier unterbrechen und das Leben und Wohl der Bergretter beachten“, so Gurdet. „Wenn die Straße gesperrt ist, dann ist sie eben gesperrt. Das gilt für alle.“ Insofern riet er Personen in den betroffenen Gebieten zu „Defensivität, um weder sich selbst noch Einsatzkräfte zu gefährden“.

16-Jähriger bei Lawinenabgang getötet

In Tirol wurde am Mittwoch ein 16-jähriger Urlauber aus Australien bei einem Lawinenabgang getötet. Wie die Polizei berichtete, wurde der Jugendliche in St. Anton am Arlberg im Bezirk Landeck im freien Skiraum von den Schneemassen mitgerissen und verschüttet. Er war gemeinsam mit seinem Vater, seiner Mutter und seinem Bruder unterwegs, die drei anderen Familienmitglieder blieben unverletzt – mehr dazu in tirol.ORF.at.

Salzburgs Einsatzleiter Kurcz über die Schneesituation

Der Leiter des Einsatzstabes in Salzburg, Markus Kurcz, spricht über die angespannte Schneesituation im Land. „Es ist schon sehr lange her, dass wir eine vergleichbare Situation hatten“, sagt Kurcz.

Hunderte Haushalte ohne Strom

Die Stromversorgung ist ebenfalls durch das Wetter vielerorts beeinträchtigt. Bäume, die umknicken, können Stromleitungen beschädigen. Alleine in Salzburg sind rund 1.200 Haushalte ohne Strom, vor allem im Flachgau sorgten unter der Schneelast gebrochene Bäume für Störungen – mehr dazu in salzburg.ORF.at.

In der Steiermark gab es Donnerstagfrüh zehn ausgefallene Trafostationen, wobei die Stromversorgung im Raum Gams bei Hieflau, Gamsforst und im Krautgraben in der Gemeinde Landl die meisten Probleme machte. Laut Feuerwehr fiel in dieser Region auch das Mobilfunknetz aus. In Niederösterreich kommt es im Bezirk Scheibbs und Amstetten wegen eines Senderausfalls zu Empfangsstörungen des Radioprogramms – mehr dazu in noe.ORF.at.

Nur kurze Verschnaufpause am Freitag

In Kärnten herrschte am Mittwoch nur im Norden, an der Landesgrenze zu Salzburg, teils große Lawinengefahr. Laut Informationen des Lawinenwarndienstes sorgte stürmischer Wind für frische Triebschneeablagerungen, es sei „vermehrt mit spontanen mittleren und großen Lawinen“ zu rechnen.

Die Situation wird sich auch am Donnerstag nicht entspannen. Für den ganzen Tag werden erhebliche Schneemengen erwartet, so die ORF-Wetterredaktion. Bis Freitagfrüh schneit es in Vorarlberg, Nordtirol, Salzburg, der Obersteiermark und in den Alpen Ober- und Niederösterreichs weiter. Der Freitag verspricht nur eine kurze Verschnaufpause, doch spätestens am Sonntag ist erneut mit kräftigem Schneefall zu rechnen – mehr dazu in wetter.ORF.at.

„Flugfenster“ in der Steiermark

Nach dem Wetter der letzten Tage könnte sich in der Obersteiermark damit am Freitag nach längerer Pause wieder eine Gelegenheit für Erkundungs- und Versorgungsflüge bieten. Ab Vormittag sollte mit bis zu sieben Hubschraubern geflogen werden. Laut Katastrophenschutzreferent Michael Schickhofer (SPÖ) müssen 35 Erkundungs- und Versorgungsflüge abgearbeitet werden. Nach wie vor seien mehr als 2.200 Menschen entweder in ihren Ortschaften eingeschlossen oder zumindest schwer erreichbar – mehr dazu in steiermark.ORF.at.

So viel Schnee wie nur alle 30 bis 100 Jahre

Die jüngsten Neuschneemengen haben mancherorts in Summe bereits extreme Werte erreicht. So kamen in Hochfilzen (Tirol) in zehn Tagen 311 Zentimeter Neuschnee zusammen, in Bad Mitterndorf (Steiermark) rund 280 Zentimeter. Diese Neuschneemengen kämen selbst im klassischen Nordstau oberhalb von etwa 800 Metern nur alle 30 bis 100 Jahre vor, so Alexander Radlherr von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) am Donnerstag.

„Die Schneemengen im Alpenraum schwanken von Jahr zu Jahr stark. Es ist daher schwierig, langfristige Trends herauszufiltern“, so Marc Olefs, Leiter der ZAMG-Abteilung für Klimaforschung, zu möglichen Zusammenhängen der aktuellen Situation mit dem Klimawandel. „In tiefen Lagen, unterhalb von etwa 1.500 Meter Seehöhe, sehen wir seit den 1960er Jahren eine langfristige Abnahme der Schneemengen, die vor allem durch die Klimaerwärmung verursacht wird und mit großer Wahrscheinlichkeit in den nächsten Jahrzehnten anhält. In Lagen von 1.500 Meter bis ins Hochgebirge könnten die Schneemengen in Zukunft hingegen zunehmen, allerdings gibt es in den Klimamodellen große Unsicherheiten bei den Niederschlagsszenarien.“

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