Lkw-Kolonnen auf der A8 in Deutschland
AP/Matthias Schrader
Bayern

Autofahrer steckten im Schnee fest

Neben Österreich hat das Schneechaos auch Bayern fest im Griff. Dort mussten zahlreiche Menschen in der Nacht auf Freitag über mehrere Stunden hinweg bei starkem Schneefall in ihren Fahrzeugen auf der A8 im Landkreis Rosenheim ausharren.

Auf dem Streckenabschnitt zwischen Bernau am Chiemsee und Frasdorf in Richtung München kam der Verkehr wegen Schneeglätte und querstehender Lastwagen am Donnerstagabend komplett zum Erliegen. Erst in den frühen Morgenstunden konnten Pkws und Lkws nach und nach wieder anfahren, wie die Polizei am Freitag mitteilte.

Da der Schneefall nachgelassen habe, gebe es aktuell keine Probleme mehr. „Im Moment sieht man sogar wieder den Asphalt“, sagte ein Sprecher in Bayern. Bis sich der Stau aufgelöst hatte, seien mehrere Stunden vergangen. „Teilweise mussten wir Lkw-Fahrer aufwecken“, sagte ein Sprecher. „Das dauerte etwas, bis die ihre Lastwagen wieder in Bewegung setzen konnten.“ Die Helfer seien den Stau abgegangen und hätten die Menschen versorgt, so ein Polizeisprecher. Das Rote Kreuz twitterte, dass unter anderem für warme Getränke gesorgt wurde.

Lkw-Kolonnen auf der A8 in Deutschland
AP/Matthias Schrader
Viele Lkws kamen in Bayern ob der angespannten Wettersituation nicht weiter

Bub von Baum erschlagen

Ein neunjähriger Bub wurde in der Nähe von München von einem umstürzenden Baum erschlagen. Der Baum brach am Donnerstag in Aying unter der hohen Schneelast zusammen, wie die Polizei berichtete. Erst nach 40 Minuten entdeckten Zeugen den darunter begrabenen Buben und alarmierten die Rettungskräfte. Diese versuchten am Nachmittag rund eine Stunde lang vergeblich, das Kind wiederzubeleben. Nach Angaben der Polizei stand der etwa zehn Meter große Baum auf einem privaten Grundstück und stürzte auf einen Zufahrtsweg. Auf den Flughäfen in München und Frankfurt wurden am Freitag unterdessen wegen des winterlichen Wetters jeweils rund hundert Flüge gestrichen.

Lawine traf Schweizer Hotel

In der Schweiz rollte eine etwa 300 Meter breite Lawine am Donnerstagnachmittag in ein Hotelrestaurant und verletzte drei Menschen leicht. Wie die Polizei mitteilte, suchten Einsatzkräfte auf der Schwägalp im Kanton Appenzell Ausserrhoden auf rund 1.300 Meter Höhe zunächst nach möglichen Vermissten. Dabei kamen neben technischem Gerät auch Lawinenhunde zum Einsatz. Am Abend musste die Suche aber aufgrund starker Schneefälle vorerst abgebrochen werden.

Bundesheer-Soldaten räumen ein Flachdach ab
APA/Fotokerschi.at/werner Kerschbau
Helfer befreien ein Dach von der Schneelast

Einsatzkräfte im Dauerstress

Die Stadt Innsbruck gab Donnerstagabend für rund 80 Häuser Sicherheitsanweisungen aus. In den Stadtteilen Mühlau, Hötting und auf der Hungerburg sollen Fenster geschlossen gehalten und Aufenthalte im Freien auf ein Mindestmaß reduziert werden – mehr dazu in tirol.ORF.at.

Die gewaltigen Schneemengen im Land Salzburg beschäftigen auch am Freitag die Einsatzkräfte: Neben Feuerwehren und Bundesheer sind auch zwölf Hubschrauber im Einsatz, um Schnee von Bäumen und Leitungen zu wehen – mehr dazu in salzburg.ORF.at. Unterdessen sind Schneeketten, Schneefräsen und Schneeschaufeln vor allem in den Gebirgsregionen fast ausverkauft – mehr dazu in salzburg.ORF.at. In Salzburg musste ein Snowboarder aus brusthohem Schnee geborgen werden – mehr dazu in salzburg.ORF.at.

Atempause auch in der Steiermark

Die enormen Schneemassen halten auch Oberösterreich weiter in Atem. Weil der Schneefall bis Freitagabend Pause macht, können wieder Hubschrauber fliegen, um etwa Lawinen zu sprengen und nach Vermissten zu suchen – mehr dazu in ooe.ORF.at. Auch in der Obersteiermark haben die Schneefälle deutlich nachgelassen. Auch dort werden Hubschrauber Erkundungs- und Versorgungsflüge durchführen – mehr dazu in steiermark.ORF.at.

Durch die Schneemassen seien Wildtiere stark unter Druck geraten, so der niederösterreichische Landesjagdverband. Die Jäger sind aktuell im Großeinsatz, um Nahrung für die Wildtiere ins Revier zu bringen – mehr dazu in noe.ORF.at.

Am Donnerstagvormittag musste der Verkehr auf einem Stück der Bahnverbindung in den Westen unterbrochen werden. Wegen eines Lawinenabgangs zwischen den Bahnhöfen Golling-Abtenau und Werfen in Salzburg sind bis Freitagnachmittag keine Fahrten möglich, wie es von den ÖBB hieß – mehr dazu in salzburg.ORF.at.

Extreme Schneemengen verblüffen auch Experten

Unterdessen erreichen die Neuschneemengen in Österreich extreme Werte, die selbst Experten als ungewöhnlich einstufen. In Hochfilzen in Tirol etwa kamen in zehn Tagen 311 Zentimeter Schnee zusammen, in Bad Mitterndorf in der Steiermark rund 280 Zentimeter, hieß es am Donnerstag.

Schneemassen halten Österreich in Schach

In den vergangenen zwei Wochen hat es in vielen Teilen Österreichs so viel geschneit wie sonst im ganzen Winter. Freiwillige Helfer, Feuerwehr und Soldaten kommen mit dem Schaufeln nicht mehr nach.

Diese Neuschneemengen kommen selbst im klassischen Nordstau oberhalb von etwa 800 Metern nur alle 30 bis 100 Jahre vor, erläuterte Alexander Radlherr von der ZAMG am Donnerstag. Die größten Schneehöhen lagen nördlich des Alpen-Hauptkamms. Drei, vier Meter dick war die Schneedecke am Freitag stellenweise auf den Bergen im Gebiet von Arlberg über Hochkönig und Dachstein bis Hochkar. Durch die starke Windverfrachtung entstanden jedoch stellenweise extreme Unterschiede in der Schneehöhe. Es fanden sich laut ZAMG völlig abgeblasene Bergrücken genauso wie meterhohe Schneeverwehungen.

Keine Änderung der Schneesituation in Sicht

Die großen Schneemengen führten auch zu steigenden Schneelasten auf Häusern. „Bei normgerecht gebauten Gebäuden besteht aber noch keine Gefahr“, betonte Schneelast-Experte Michael Winkler von der ZAMG in Innsbruck. „In den schneereichen Regionen Österreichs sind zum Beispiel momentan 30 bis 40 Prozent der Normschneelasten erreicht. Bis Dienstag dürften es dann 50 bis 60 Prozent, vereinzelt bis 80 Prozent sein. Das ist so früh im Jahr sehr beachtlich.“ Trotz der Schneepause am Freitag wird sich die Situation voraussichtlich bis Dienstag nicht wesentlich entspannen. Bis dahin werden weitere erhebliche Schneemengen erwartet, so die ORF-Wetterredaktion – mehr dazu in wetter.ORF.at.

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