Graukopf-Flughund
AP/Mark Baker
Hitze

Flughunden wird Australien zu heiß

Im Bundesstaat New South Wales an der Ostküste Australiens haben die Gesundheitsbehörden einen Gesundheitsalarm ausgegeben. Mehrere Menschen wurden von Fledermäusen oder Flughunden angegriffen. Die Tiere, die teilweise ein für den Menschen lebensgefährliches Virus in sich tragen, leiden unter der Hitzewelle und Temperaturen über 40 Grad.

In den vergangenen zwei Wochen wurden sieben Menschen von Fledermäusen angegriffen – und die Behörden gehen davon aus, dass sich die Attacken häufen werden. Zwei der Tiere waren krank: Sie waren mit dem Lyssavirus infiziert, das Tollwuterregern ähnelt. Eine solche Anzahl an Angriffen auf Bewohnerinnen und Bewohner der Region sei beispiellos, sagte David Durrheim vom zuständigen Gesundheitsamt am Montag gegenüber dem Sender ABC.

„Zwei der Fledermäuse, die wir für Tests ins Labor geschickt haben, hatten eine Lyssavirusinfektion, wir haben da also eine große Sorge um jene Leute, die damit in Berührung kamen.“ Sie hätten nun „das Risiko einer möglicherweise tödlichen Infektion“.

Hitze verwirrt Tiere

In den vergangenen Wochen habe es viele Fälle kranker Fledermäuse und Flughunde in der Region gegeben, etliche fallen etwa von den Bäumen. Schuld daran sei die aktuelle Hitzewelle. „Das heiße Wetter führt dazu, dass die Fledermäuse erkranken und sich in Stromleitungen verfangen oder an anderen unüblichen Orten gefunden werden“, so Durrheim weiter. Menschen, die versucht hätten, den Tieren zu helfen, seien gebissen oder gekratzt worden.

Graukopf-Flughund
AP/Rob Griffith
Ein Graukopf-Flughund: Auch diese Art ist stark von der Klimaerwärmung betroffen

Die Umweltbehörde von New South Wales rief die Bewohner dazu auf, sich bei der Hitze nur mit Vorsicht den Tieren zu nähern. Auch entsprechende Richtlinien wurden veröffentlicht. Gerade bei den Flughunden äußerten sich die hohen Temperaturen in ungewöhnlichem Verhalten. So scharen sie sich zusammen, trampeln, keuchen, lecken ihre Flughaut oder kommen oft nahe an den Boden. Sie hielten nur Temperaturen bis rund um die 40 Grad aus.

Klimaveränderung mit schweren Folgen

Die Hitzewelle mit Rekordtemperaturen in Australien herrscht bereits seit Weihnachten. Zu Ende des Jahres wurden im Bundesstaat Western Australia 49,3 Grad Celsius gemessen. Durch den Klimawandel steigt auch im hitzegewöhnten Australien die Zahl der extrem heißen Tage.

Fledermaus und Flughund

Fledermaus und Flughund bilden zusammen die Ordnung der Fledertiere. Sie sind die einzigen Säugetiere, die fliegen können. Die meisten Flughunde können sich aber nicht per Ultraschall orientieren. Bei Flughunden ist zudem die Schwanzflughaut geteilt, bei Fledermäusen ungeteilt.

Die Klimaerwärmung hat auf die rund 1.000 Fledermausarten weltweit schwere Auswirkungen. Laut einer Studie der Queens University in Belfast sind die Auswirkungen auf die Tiere längst alarmierend. So müssten die Tiere etwa weitere Strecken als bisher zur nächsten Wasserstelle zurücklegen. Fledermäuse seien anfälliger für Dehydration als andere Säugetiere ähnlicher Größe, da Wasser über ihre großen Flügelflächen schnell verdampft. Auch der Winterschlaf und die Winterstarre der Fledermäuse würden durch wärmeres Wetter stark beeinträchtigt. Fledermäuse sind aber ein wichtiger Bestandteil der Ökosysteme in aller Welt – sie bestäuben etwa Blüten und verbreiten Samen.

Gefahr für den Menschen

Das Risiko, das nun in New South Wales von den kranken Tieren ausgeht, sei nicht zu unterschätzen, hieß es von den Gesundheitsbehörden. Die Symptome des Lyssavirus seien „fast so schlimm wie bei Tollwut, und ist die Krankheit einmal ausgebrochen, kann sie nicht mehr effektiv behandelt werden. Fast jeder stirbt daran“, so Durrheim. „Die Menschen haben Mitleid mit den Tieren und verstehen nicht, dass der Umgang mit ihnen viel Schaden anrichtet, für Mensch und Tier.“ Man müsse unbedingt Experten hinzuziehen.

Wie lange die Hitzewelle in Australien noch anhält, ist unklar. Im Schnitt liegen die Temperaturen derzeit zehn bis 14 Grad über dem Normalwert für diese Jahreszeit. Bisher war 2017 das drittheißeste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen. Den Klimabericht für 2018 veröffentlicht der Wetterdienst erst später im Jänner.

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