Die Strassensperre nach Rauris
APA/Barbara Gindl
Von Außenwelt abgeschnitten

Zehntausende in Gemeinden eingeschlossen

Die Schneesituation in Österreich bleibt auch am Montagabend dramatisch: Aufgrund der hohen Lawinengefahr sind Dutzende Straßen gesperrt worden – unzählige Orte sind dadurch von der Außenwelt abgeschnitten. Allein in Salzburg sind mehr als 40.000 Menschen in ihren Gemeinden eingeschlossen.

In der Salzburger Gemeinde Rauris sitzen seit Sonntag 5.000 Einwohner und Einwohnerinnen sowie Touristen und Touristinnen fest – da sich die Schneesituation über Nacht verschärft hat, sind wegen der hohen Lawinengefahr nun auch die Gemeinden Lofer, Weißbach, Unken, Tweng, das Großarltal und das Glemmtal nicht erreichbar. 41.000 Menschen sollen insgesamt betroffen sein – mehr dazu in salzburg.ORF.at.

Eine riesige Grundlawine verschüttete vergangene Nacht auch die Loferer Straße (B178) auf dem Pass Strub. Erst wenige Stunden zuvor war die Straße für den Verkehr gesperrt worden – mehr dazu in salzburg.ORF.at. In Obertauern ging in der Nacht auf Montag eine Staublawine ab und erreichte ein Hotel. Die Schneemassen ragten bis in das erste Obergeschoß – mehr dazu in salzburg.ORF.at. Auch in Tirol erfasste eine Lawine am Montagnachmittag ein Haus – mehr dazu in tirol.ORF.at.

Lawine ging bis in Dorfmitte ab

Doch nicht nur auf Österreichs Bergen herrscht Lawinengefahr, auch in den mittleren und tiefen Höhenbereichen spitzt sich die Lage durch die steigenden Temperaturen und den schwerer werdenden Schnee zu. In Vorarlberg ging am Montag eine Lawine bis in den Ort Warth nieder – mehr dazu in vorarlberg.ORF.at.

Personen suchen nach einer Lawine in Warth nach Verschütteten
Polizei
Der Schnee in Warth ging bis in die Dorfmitte ab

180 Straßen gesperrt

Verletzt wurde in diesen Fällen niemand, aus Sicherheitsgründen bleiben weiterhin in ganz Österreich zahlreiche Straßen gesperrt. Von Niederösterreich bis Vorarlberg waren mehr als 180 Straßen gesperrt. Doch der viele Neuschnee und die erheblichen Schneeverwehungen sorgen auch in den Tallagen für Gefahren: Im Salzburger Flachgau riss eine Dachlawine vier Männer vom Dach. Sie stürzten sechs Meter in die Tiefe, ein 47-jähriger Mann starb – mehr dazu in salzburg.ORF.at.

Dachlawine fordert Menschenleben

In Faistenau ist ein 47-jähriger Arbeiter am Montag von einer Dachlawine mitgerissen und getötet worden. Er soll sich auf dem Dach zum Schneeabschaufeln befunden haben, als sich die Lawine löste.

Die Sperre betraf unter anderem Gemeinden und Ortsteile in Tälern entlang des Alpenhauptkammes wie das Kaunertal, Paznauntal, Pitztal und Ötztal. Die Sperre der Fernpassstraße (B179) im Bezirk Reutte soll zumindest bis Dienstag andauern – mehr dazu in tirol.ORF.at. In Vorarlberg wurden unter anderem die Arlbergstraße und die Flexenstraße gesperrt, Stuben, Zürs und Lech waren auf dem Straßenweg nicht zu erreichen – mehr dazu in vorarlberg.ORF.at.

Die Schneesituation im Gebiet Rauris
APA/Barbara Gindl
Rauris in Salzburg ist weiter von der Umwelt abgeschnitten

Viele Lawinen spontan abgegangen

Die Arlberg-Bahnstraße ist ebenfalls gesperrt, am Dienstagvormittag werde beraten, wann die Strecke wieder freigegeben wird, hieß es am Montagabend. Außerdem sind zahlreiche Orte wie Gaschurn abgeschnitten – mehr dazu in vorarlberg.ORF.at. Auch in Kärnten, das in den letzten Tagen kaum Schneefall abbekam, herrscht in den Hohen Tauern nun Lawinenwarnstufe vier. Vor allem im Bereich des Großglockners sorgen heftiger Wind und Neuschnee für gefährliche Situationen – mehr dazu in kaernten.ORF.at.

Nach dem Westen Tirols und Teilen Salzburgs wurde Montagfrüh auch für Vorarlberg und weitere Teile Tirols die höchste Lawinenwarnstufe fünf ausgerufen. In Tirol war auch die Landeshauptstadt Innsbruck betroffen, nämlich im Bereich des Karwendels. Dort sei mehr Schnee als erwartet gefallen, hieß es seitens des Lawinenwarndienstes. Das hat aber keine unmittelbaren Auswirkungen auf die Landeshauptstadt, hieß es vonseiten der Landesverwaltung. Die Sicherheitsanweisungen für Gebäude in der roten bzw. gelben Lawinengefahrenzone würden zunächst aus Sicherheitsgründen jedoch aufrecht bleiben.

Ein Mitarbeiter der Straßenmeisterei bei der Straßensperre nach Rauris
APA/Barbara Gindl
Dutzende Straßen bleiben weiter gesperrt

Sehr große Lawinengefahr herrschte nunmehr zudem in der Venediger-Gruppe in Osttirol sowie in den Nördlichen Zillertaler Alpen. Dort gingen bereits viele Lawinen ab – mehr dazu in tirol.ORF.at. Im Gros der weiteren von den Schneemassen betroffenen Gebiete Tirols, Vorarlbergs, Salzburgs sowie großen Teilen der Steiermark und Oberösterreichs gilt Lawinenwarnstufe vier. Experten appellieren, die Sperrungen unbedingt zu beachten und Sicherheitsanweisungen der Behörden zu befolgen. Für Wintersport abseits gesicherter Pisten seien die Verhältnisse „sehr gefährlich“.

Unbekannter räumte Straßensperren weg

Im Lungau räumte ein Unbekannter mehrfach Schranken der Katzschbergstraße, die gesperrt ist, weg. Die Polizei ermittelt nun wegen einer potenziell lebensgefährlichen Sachbeschädigung – mehr dazu in salzburg.ORF.at.

Feuerwehrleute schaufeln Schnee von einem Dach in Rosenau
Reuters/Leonhard Foeger
Die Einsatzkräfte versuchen die Dächer möglichst frei von Schnee zu halten

Die Kriseneinsatzzentrale des Landes Salzburg empfiehlt Menschen in schneereichen Regionen, unnötige Aufenthalte im Freien zu vermeiden. Die Gefährdung durch Gleitschneelawinen nehme zu. In Häusern nahe am Waldrand sollte zudem möglichst im Erdgeschoß übernachtet werden. Dort könnten umstürzende Bäume durch Dächer brechen, und die Schneemassen auf den Dächern könnten darunterliegende Personen verschütten – mehr dazu in salzburg.ORF.at.

Ersthelfer könnte Lawine ausgelöst haben

Nach dem Lawinentod eines 16-jährigen Deutsch-Australiers am Arlberg ermittelt nun die Polizei. Es besteht der Verdacht, dass ein Ersthelfer die Lawine ausgelöst haben könnte. Ein Sachverständiger wurde mit einem Gutachten beauftragt – mehr dazu in tirol.ORF.at. Bei einem Lawinenabgang wurden in Lech am Samstag drei Skifahrer getötet. Die Skifahrergruppe, vier Männer aus Deutschland, war offenbar in eine gesperrte Route eingefahren und wurde dort von einer Lawine erfasst. Bergretter fanden die drei Toten im Alter von 32 bis 57 Jahren, der vierte wird weiter vermisst – mehr dazu in vorarlberg.ORF.at.

Einsatzkräfte eingeschlossen

In Niederösterreich waren am Montag rund 180 Personen, darunter Einsatzkräfte, eingeschlossen, weil die Hochkar-Alpenstraße erneut auch für Einsatzkräfte gesperrt werden musste. Im Gebiet der Fahrbahn seien „einige Lawinen abgegangen“, teilte Bürgermeister Friedrich Fahrnberger (ÖVP) mit – mehr dazu in noe.ORF.at.

Schienenräumung in Hochfilzen
AP/Kerstin Joensson
Auch die Bahn kämpft gegen die Schneemassen, wie hier in Hochfilzen

Im Sölktal saßen eine Woche lang rund 480 Menschen fest – die Sölkpassstraße (L704) ist unterdessen wieder befahrbar. Auch Radmer ist wieder erreichbar, während rund 1.100 Menschen in eingeschneiten Ortschaften ausharren müssen – mehr dazu in steiermark.ORF.at. Auch in Oberösterreich gibt es zahlreiche Straßensperren wegen umgestürzter Bäume und anhaltender Lawinengefahr – mehr dazu in ooe.ORF.at.

Sisyphusarbeit für Einsatzkräfte

Feuerwehren, Räumdienste und rund 1.000 Soldaten im Assistenzeinsatz waren das ganze Wochenende über im Dauereinsatz. Unter anderem mussten Dächer abgeschaufelt werden, bevor wieder neuer Schnee zur Gefahr wird. Allein in der Obersteiermark waren am Samstag rund 1.000 Kräfte des Katastrophenhilfsdienstes (KHD) der Feuerwehr im Einsatz gewesen. In Oberösterreich waren es allein im Raum Kirchdorf nicht viel weniger – mehr dazu in ooe.ORF.at.

Skigebiet Hochkar
APA/AFP/Alex Halada
Auf dem Hochkar liegen über 3,5 Meter Schnee

Laut ORF-Wetterredaktion schneit es bis Dienstag in den Nord- und Zentralalpen nahezu ohne Unterbrechung, zwischen Vorarlberg und dem Mostviertel (Niederösterreich) dürften 50 bis 150 Zentimeter Neuschnee zusammenkommen, stellenweise im Gebirge bis zu zwei Meter. Der Wind bleibt stark – mehr dazu in wetter.ORF.at.

„Intensivster Einsatz seit Tschernobyl“

Die Helferinnen und Helfer sind nun bereits die zweite Woche im Dauereinsatz. Für die nördliche Obersteiermark spricht Katastrophenschutzreferent Michael Schickhofer (SPÖ) nun vom „intensivsten Einsatz seit Tschernobyl“ – mehr dazu in steiermark.ORF.at.

Ein Problem sind die Schneemassen mittlerweile nicht nur für die Menschen der betroffenen Regionen, sondern auch für die Tierwelt. Wildtiere finden nicht genügend Futter, heißt es etwa aus Tirol. Fütterungen sind wegen des meterhohen Schnees und der Lawinengefahr oft nicht möglich – mehr dazu in tirol.ORF.at.

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