Airbus-Werk  in Hamburg-Finkenwerder (Deutschland)
Reuters/Fabian Bimmer
Airbus-Bilanz legt offen

Rund 50 Prozent Rabatt auf Flugzeuge

In der Flugzeugbranche ist es ein offenes Geheimnis gewesen, dass Hersteller ihren Kunden großzügige Rabatte gewähren. Bei der Präsentation seiner Jahresbilanz am Donnerstag legte der französisch-deutsche Konzern Airbus nun eher unfreiwillig die Höhe der Vergünstigungen für die Airlines offen und bestätigte die Praxis.

Im Schnitt werden Flugzeuge demnach mit rund 50 Prozent Rabatt vom Listenpreis verkauft – mit Ausschlägen nach oben und unten. Das lässt sich aus den Zahlen zum Auftragsbestand ablesen, den der Boeing-Rivale Airbus nach neuen Vorschriften bei der Rechnungslegung nun anders bewerten muss. Bisher wurden Listenpreise zugrunde gelegt. Nun muss Airbus den Wert der Aufträge auf der Basis von Marktpreisen angeben.

Für 2018 standen nun 460 Milliarden Euro für den Auftragsbestand nach Marktpreisen in der Bilanz. Noch im Jahr zuvor wurden – nach Listenpreisen – Aufträge im Wert von 997 Milliarden Euro aufgelistet. Neubestellungen und Auslieferungen sind in den Vergleichsjahren in etwa auf dem gleichen Niveau geblieben. Experten zufolge sind die Werte daher vergleichbar. Auch beim US-amerikanischen Airbus-Konkurrenten Boeing war bei Flugzeugverkäufen immer wieder die Rede von Rabatten auch im zweistelligen Bereich.

Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis

Laut der Beratungsfirma Airinsight zahlt keine Airline den tatsächlichen Listenpreis. Offizielle Preiserhöhungen seien also irrelevant – außer für den Vergleich bei Flugzeugbestellungen. Laut Airinsight nahm in den vergangenen drei Jahrzehnten der Preisnachlass von anfangs rund 25 Prozent auf etwa 50 Prozent zu. Die Diskrepanz zwischen Listen- und tatsächlichem Preis wurde größer.

Airbus-Werk  in Hamburg-Finkenwerder (Deutschland)
Reuters/Fabian Bimmer
Blick auf die Airbus-Produktionsanlage in Hamburg-Finkenwerder in Deutschland, wo Teile des A380-Rumpfs produziert werden

Mögliche Ursachen sieht Airinsight in dem zunehmenden Konkurrenzkampf der Produzenten – allen voran Airbus und Boeing – um Marktanteile sowie eine mögliche Überbewertung der Inflation im Zuge der langen Produktionswartezeiten. Die häufig hohen Zugangsbarrieren zu Kunden erhoffen sich die Hersteller durch Rabatte zu erleichtern, die nicht nur kurzfristige Verkäufe ermöglichen, sondern möglicherweise auch den Beginn einer langfristigen Geschäftsbeziehungen bedeuten.

Kein Verkaufseffekt bei A380

Wie hoch der jeweilige Rabatt im Einzelfall ist, richtet sich nach Angebot und Nachfrage, berichtete das Branchenmagazin Aerotelegraph, das den Kauf von Flugzeugen mit den Regeln eines orientalischen Bazars vergleicht. Flugzeuge, die sehr gefragt sind, werden mit geringeren Abschlägen verkauft als Maschinen, die kaum Abnehmer finden. Eine Abkehr von der vorherrschenden Rabattpolitik erwartet Airinsight nicht, sondern vielmehr eine Zunahme.

Laut dem Aerotelegraph-Bericht aus dem vergangenen Jahr sollen die riesigen Modelle wie der A380 und die Boeing 747-8, die nicht zuletzt aufgrund ihrer Größe weniger gefragt sind, sogar mit noch mehr Abschlägen als 50 Prozent verkauft worden sein. Auch Mengenrabatt und Vergünstigungen für Neukunden sind Gründe für Preisnachlässe.

Beim weltgrößten Passagierflugzeug A380, der laut offizieller Preisliste 446 Millionen Dollar (395 Mio. Euro) kostet, haben die Rabatte allerdings auch nicht geholfen. Aufgrund mangelnder Aufträge kündigte Airbus am Donnerstag den Produktionsstopp für den Jumbojet an. 2021 soll der letzte A380 ausgeliefert werden.

FACC setzt nach Aus Gewinnwarnung ab

Der oberösterreichische Luftfahrtzulieferer FACC hat nach dem Aus eine Gewinnwarnung abgesetzt. Konkret senkt das Unternehmen wegen eines daraus entstehenden negativen Einmaleffekts seinen Ausblick für das operative Ergebnis (EBIT) im Geschäftsjahr 2018/19 um zwölf auf rund 40 Mio. Euro, teilte FACC am Donnerstagnachmittag mit. Ein Stellenabbau ist bei FACC aber nicht geplant, hieß es auf APA-Anfrage.