Alles Walzer!
ORF.at/Roland Winkler
„Sooo schön“

Opernball mit Risiko, Eleganz und viel Gefühl

Der Opernball ist auch heuer wieder ein gelungenes Fest gewesen, das Kunst, Eleganz und Sehen und gesehen werden recht mühelos zu einer Symbiose verbunden hat. Ex-Model Elle Macpherson zeigte sich ebenso beeindruckt und begeistert („sooo schön“) wie Conchita und Auma Obama.

Die Wiener Staatsoper öffnete Donnerstagabend wieder ihre Türen zum wohl schönsten Ball der Welt. Eröffnet wurde das restlos ausverkaufte Society-Spektakel von Starsopranistin Anna Netrebko, die gemeinsam mit ihrem Ehemann Yusif Eyvazov auftrat. Sie beeindruckten die Ballgäste und das Publikum vor den Bildschirmen mit ihrem berührenden Auftritt. Sie habe sogar ein paar Tränen vergossen, gestand Conchita nachher.

Höhepunkt der Eröffnung war der Auftritt von Netrebko und Ehemann Eyvazov. Eyvazov stimmte die weltberühmte Arie „Nessun dorma“ aus „Turandot“ von Giacomo Puccini an. Die Sopranistin sang danach „Il bacio“ von Luigi Arditi. Gemeinsam gaben sie daraufhin noch „O soave fanciulla“ aus „La Boheme“ von Puccini zum Besten.

Opernball 2019 Red Carpet
ORF.at/Christian Öser
Die Grazer Film- und Projektionskünstler OchoReSotto projizierten ein mehrdimensionales Lichtkunstspektakel auf die Front der Wiener Staatsoper
Opernball 2019 Red Carpet
ORF.at/Christian Öser
Staatsopernchef Dominique Meyer, Bundespräsident Alexander Van der Bellen mit seiner Frau Doris Schmidauer, Auma Obama und Opernball-Organisatorin Maria Großbauer
Opernball 2019 Red Carpet
ORF.at/Christian Öser
Conchita kam auf Einladung von ÖVP-Justizminister Josef Moser mit Glatze und tief ausgeschnittenem weißen Kleid zum Fest
Opernball 2019 Red Carpet
ORF.at/Christian Öser
Umweltministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) und Wirtschaftskammer-Präsident Harald Mahrer mit Begleitung
Opernball 2019 Red Carpet
ORF.at/Christian Öser
Staatsopernchef Dominique Meyer und Opernball-Organisatorin Maria Großbauer am roten Teppich
Opernball 2019 Red Carpet
ORF.at/Christian Öser
Finanzminister Hartwig Löger (ÖVP) mit seiner Ehefrau Claudia
Opernball 2019 Red Carpet
ORF.at/Christian Öser
Kanzleramtsminister Gernot Blümel (ÖVP) mit Freundin Clivia Treidl
Opernball 2019 Red Carpet
ORF.at/Christian Öser
FPÖ-Außenministerin Karin Kneissl mit Ehemann Wolfgang Meilinger
Opernball 2019 Red Carpet
ORF.at/Christian Öser
Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) mit Freundin Susanne Thier
Opernball 2019 Red Carpet
ORF.at/Christian Öser
Frisch aus dem Papamonat: Vizekanzler Heinz Christian Strache (FPÖ) mit seiner Ehefrau Philippa
Opernball 2019 Red Carpet
ORF.at/Christian Öser
Im Publikum tummelten sich auch wieder zahlreiche Promis: Mit dabei war unter anderem DJ Ötzi
Opernball 2019 Red Carpet
ORF.at/Christian Öser
US-Botschafter Trevor D. Traina kam auf Einladung von Außenministerin Kneissl auf den Opernball
Opernball 2019 Red Carpet
ORF.at/Christian Öser
Auch das Schauspielerehepaar Nina Proll und Gregor Bloeb ließ sich den Opernball nicht entgehen
Opernball 2019 Red Carpet
ORF.at/Christian Öser
Das deutsche Modell Barbara Meier glänzte am roten Teppich mit vielen Kristallsteinen und Perlen
Opernball 2019 Red Carpet
ORF.at/Christian Öser
Nationalratspräsidentin Doris Bures Seite an Seite mit dem Wiener Bürgermeister Michael Ludwig (beide SPÖ)
Opernball 2019 Red Carpet
ORF.at/Christian Öser
Der Dirigent Marco Armiliato mit den Stars des Abends: Yusif Eyvazov und Anna Netrebko
Opernball 2019 Red Carpet
ORF.at/Christian Öser
Kunst und Kultur am roten Teppich: Modedesigner Arthur Arbesser und Gery Keszler
Opernball 2019 Red Carpet
ORF.at/Christian Öser
Die österreichische Schauspielerin Maria Köstlinger mit ihrer Tochter Melanie Hackl

„Jedes Mal einzigartig“

„Ich freue mich sehr, nach über zehn Jahren nun zum dritten Mal den Opernball eröffnen zu können. Es ist jedes Mal einzigartig – die unvergessliche Atmosphäre, der Glanz des geschmückten Hauses, in der Mitte des Ballsaals zu singen, auf allen Seiten von einem begeisterten Publikum umgeben“, sagte die Starsängerin. „Ich bin eine Cinderella nur für eine Nacht.“

Netrebko und Eyvazov
ORF.at/Roland Winkler
Ob Opernfan oder nicht – Netrebko und ihr Mann Eyvazov ließen große Gefühle aufkommen

Hebefigur geglückt

Die Eröffnung der 144 Debütanten war zum „Kaiser Franz Josef I. Rettungs-Jubel-Marsch“, op. 126, von Johann Strauss heuer durchaus riskant: Zum ersten Mal wurde in der von der Tanzschule Santner ausgerichteten Choreographie von zwölf Paaren eine anspruchsvolle Hebefigur gezeigt. „Wir wollten etwas bieten, das noch nie da war“, sagte Tanzlehrerin Maria Santner.

Opernball
ORF.at/Roland Winkler
Eine für das einheitliche Bild etwas riskante Einlage gelang den Debütantinnen und Debütanten scheinbar mühelos

Das Wiener Staatsballett zeigte den Walzer „Morgenblätter“ von Johann Strauss. Für die Choreographie war Florence Clerc verantwortlich. Unter den Tänzern waren die beiden frisch gebackenen Ersten Solotänzer der Compagnie, Natascha Mair und Jakob Feyferlik.

Die Mitternachtsquadrille

Rege Beteiligung des Ballpublikums gab es auch heuer wieder bei der Mitternachtsquadrille.

„Einfach traumhaft“

Auch Ex-Model Macpherson, Ehrengast von Baumeister Richard Lugner, zeigte sich begeistert: Der Ball sei „sooo schön“, insbesondere das Ballett und das Eröffnungskomitee hatten es ihr angetan. Baumeister Lugner, schon längst nicht mehr der Gottseibeiuns des Opernballs, fühlte sich wie im siebten Himmel: Mcpherson sei „eine Traumfrau: Sie ist nett, schön – und pünktlich ist sie auch noch, einfach traumhaft“. Mcpherson nahm Lugners Charme sehr sportlich: „Danke, dass du mich hergeholt hast“, beschied sie Lugner.

Richard Lugner und Elle Macpherson
ORF.at/Roland Winkler
Sehr angetan vom Ball zeigte sich Elle Macpherson – sehr angetan von Mcpherson wiederum zeigte sich Lugner

Die Opernball-Legende Lotte Tobisch wiederum betonte, sie sei nicht gekommen, weil sie früher selbst jahrelang den Opernball ausrichtete. Oder in ihren Worten: „Ich bin nicht als die Oide von vorgestern hier.“ Sie sei vielmehr gekommen, um Operndirektor Dominique Meyer zu danken. Und dann wurde Tobisch im Gespräch mit Alfons Haider tiefsinnig: Auf die Frage, wie viele „feine Leute“ sie am Ball schon getroffen habe, meinte Tobisch: „Na, ein paar feine Leute gibt’s sicher. Aber was ist überhaupt fein? Fein ist, wenn man ein bisschen Rücksicht nimmt auf die anderen.“

Ballett
ORF.at/Roland Winkler
Das Staatsopernballett trat ganz in Weiß auf

Van der Bellen: Geradezu mystisch

Besucht wurde der Ball wie alljährlich von zahlreicher Prominenz aus Politik, Kultur und Wirtschaft. Neben Bundespräsident Alexander Van der Bellen besuchten unter anderem Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und Vizekanzler Heinz-Christian Strache (FPÖ) den Ball.

Opernball 2019 Red Carpet
ORF.at/Christian Öser
Conchita im Latexdress und ohne Haare als Gast von Justizminister Moser. Conchita warb dafür, bei der EU-Wahl im Mai wählen zu gehen. Beim Brexit sehe man, wie schnell es geht, dass ein System zerfällt, es komme auf jede einzelne Stimme an – um hinzuzufügen: „Es gibt keine Ausrede.“

Van der Bellen zeigte sich in der Nacht auf Freitag begeistert. Die Eröffnung „war fantastisch“, sagte das Staatsoberhaupt. Es sei deutlich geworden, „wie viel Disziplin und Arbeit dahintersteckt“. Der Auftritt der Debütanten und Ballettkünstler sei „geradezu mystisch“ gewesen, so Van der Bellen. Auch seine Ehefrau Doris Schmidauer zeigte sich begeistert, auch vom „perfekten Blick von der Loge“. Schmidauer war besonders gespannt auf die Hebefigur. Den Debütanten wünschten die beiden, dass sie ihre „Tanzlust weiter behalten“. Selbst aufs Tanzparkett wagten sich Schmidauer und Van der Bellen nicht. Der Besuch des Opernballs ist für Schmidauer „einer der wichtigsten Termine“, wie sie sagte.

Conchita in „völlig verändertem Outfit“

Der Bundespräsident war auch allgemein sehr begeistert von „der Stimmung, die hier herrscht“. Am Ball gebe es „Tausende von Leuten, die gemeinsam tanzen“. Der Wiener Opernball sei einmalig, „ich weiß nicht, ob es das noch einmal gibt“, sagte Van der Bellen, der sich außerdem auch besonders über den Besuch von Conchita alias Tom Neuwirth freute. Sie habe ein „völlig verändertes Outfit“, so Van der Bellen. Angetan vom Fest in der Oper war auch Staatsgast Auma Obama. Ihr gefalle es hier „sehr, sehr gut“, sie freue sich sehr über die Einladung, sagte sie vor Journalisten in der Loge des Bundespräsidenten. „Es gibt hier viel zu sehen.“

Obama ist Germanistin, Soziologin, Autorin und die Halbschwester des ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama. Sie sei „ein wichtiges Gesicht der Partnerschaft und Zusammenarbeit zwischen Europa und Afrika“, meinte Van der Bellen.

Auch Kurz zeigte sich beeindruckt. „Es war eine tolle Eröffnung“, sagte er in seiner Loge. „Insbesondere von Anna Netrebko“ seien er, seine Lebensgefährtin Susanne Thier und seine Gäste begeistert gewesen. Kurz hatte den nordmazedonischen Regierungschef Zoran Zaev zum Ball geladen. Er erwartete im Laufe des Abends zahlreiche weitere Besuche. „Ich werde mich bemühen, ein möglichst guter Gastgeber zu sein, dass die Gäste das hier auch genießen können“, sagte der Bundeskanzler. Auch FPÖ-Außenministerin Karin Kneissl und Vizekanzler Strache brachten Gäste in die Staatsoper mit.

Die Eröffnung

Mit der österreichischen Bundeshymne begann die Eröffnung – und sie endete wie immer mit dem Ruf: „Alles Walzer!“

Kneissl hatte den tschechischen Außenminister Tomas Petricek eingeladen. Strache kam dagegen mit dem serbischen Außenminister und Vizepremier Ivica Dacic sowie dem ungarischen Kanzleramtsministers Gergely Gulyas. Der Deutsche Ex-Kanzler Gerhard Schröder nahm gemeinsam mit seiner Frau Soyeon Kim in der Loge der OMV Platz.

Opernball 2019 Red Carpet
ORF.at/Christian Öser
Van der Bellen mit seiner Frau Doris Schmidauer und ihrem Gast Auma Obama. Flankiert von Ballorganisatorin Maria Großbauer und Operndirektor Dominique Meyer.

Starke ÖVP-Riege

Besonders die ÖVP war mit Kanzleramtsminister Gernot Blümel, Finanzminister Hartwig Löger, Umweltministerin Elisabeth Köstinger, Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck, Justizminister Josef Moser, begleitet von Song-Contest-Gewinnerin Conchita, sowie Staatssekretärin Karoline Edtstadler stark vertreten. Dazu kamen Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner, deren Tochter debütierte, ihr Vorgänger Erwin Pröll und Ex-Vizekanzler Josef Pröll.

Kurz über Tanz- und Diplomatiekünste

Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) spricht über seine Auslandsreisen – und sein Verhältnis zum Tanzen.

Der erst vor einem Dreivierteljahr gewählte Bürgermeister Michael Ludwig setzte die Tradition von Amtsvorgänger Michael Häupl (beide SPÖ) fort und ließ sich das Ballgeschehen ebenfalls nicht entgehen. Er brachte auch einen offiziellen Gast mit: Ludwig hatte den Generaldirektor des Büros der Vereinten Nationen in Wien, Yury Fedotov, eingeladen. Von der SPÖ kam die Zweite Nationalratspräsidentin Doris Bures auf den Ball.

Lotte Tobisch
APA/Helmut Fohringer
Abgeklärt und wohlwollend verfolgte Lotte Tobisch das Getümmel auf dem Parkett

Militärmusik vor der Oper

Vor der Oper am Roten Teppich blies erstmals eine Truppe der Gardemusik den Opernballgästen den Marsch. Die rund 60 Mann starke Truppe marschierte noch vor dem Eintreffen der Gäste vom Hotel Bristol weg zur Oper und nahm dort – nach einer kleinen Wende – die Konzertaufstellung ein. Die ankommenden Gäste wurden dann etwa mit den Märschen „Erzherzog-Carl“, „92 aller Ehre“ und „Mir sein die Kaiserjäger“ begrüßt. Bei Eintreffen des Bundespräsidenten Alexander Van der Bellen spielte die Kapelle schließlich „O Du mein Österreich“.

Es gab aber auch visuelle Neuerungen: Die Grazer Film- und Projektionskünstler OchoReSotto projizierte unter dem Titel „Arkestra of Light“ ein mehrdimensionales Lichtkunstspektakel auf die Front und Seite der Wiener Staatsoper. Dabei waren unter anderem grafische Elemente, historische Abendzettel, eine Collage von Dirigenten, Komponisten und Sängern sowie Balletttänzer auf dem Haus zu sehen.

Viele Anspielungen auf Opern

In der Oper hielt Organisatorin Maria Großbauer auch im dritten Jahr an ihrem Konzept „Alles Oper“ fest. Erneut zogen sich Opernzitate wie ein roter Faden durch das gesamte Haus. Der Blumenschmuck bezog sich mit seinen feurigen rot-orange-violetten Farben etwa auf das Rheingold aus Richard Wagners gleichnamiger Oper und den Feuerzauber aus „Die Walküre“. Weiters konnten die Gäste auch auf Hänsel und Gretels Spuren wandeln: Agnes Hasun entwarf ein begehbares Lebkuchenhaus nach Engelbert Humperdincks gleichnamiger Oper. Gegen eine Spende wurden Lebkuchentaferl und Herzen mit Kosenamen aus diversen Opern angeboten.

Die Hinterbühne erstrahlte in japanischem Stil mit großen Origami-Kranichen und Lampen der japanischen Designerin Megumi Ito. Hier stand „Madame Butterfly“ im Mittelpunkt. „Ich bin extra nach Japan geflogen, um den passenden Stoff auszusuchen“, erklärte Ito.