Venezuela: USA ziehen diplomatisches Personal komplett ab

Die USA ziehen ihr komplettes diplomatisches Personal aus Venezuela ab. Das gab US-Außenminister Mike Pompeo gestern Abend in Washington bekannt. Die Anwesenheit von US-Diplomaten schränke nämlich die amerikanische Politik in Venezuela ein, hieß es zur Begründung. Washington unterstützt den selbst ernannten Interimspräsidenten Juan Guaido.

Bereits im Jänner hatten die USA den Abzug aller nicht dringend benötigten Diplomaten aus dem südamerikanischen Land beschlossen. Der nunmehrige Komplettabzug führt zu Spekulationen, dass Washington direkt in den Machtkampf zwischen Guaido und Präsident Nicolas Maduro eingreifen könnte.

Zudem warf Pompeo Russland und Kuba vor, mit ihrer Unterstützung Maduros die Krise in Venezuela verursacht zu haben.

Guaido ruft zu Protesten auf

Guaido rief zuvor für heute zu Massendemonstrationen aus Protest gegen die landesweite Strompanne auf. Am Nachmittag (Ortszeit) solle ganz Venezuela auf der Straße sein, sagte Guaido vor der von der Opposition beherrschten Nationalversammlung, deren Vorsitzender er ist.

Er forderte die Versammlung zugleich auf, angesichts der „Katastrophe“ den „Alarmzustand“ über das Land zu verhängen. Die Abgeordneten stimmten dem zu. Der Alarmzustand ist die Vorstufe zum Notstand.

„Normalisierung der Tragödie“ keine Option für Guaido

Die Lage in Venezuela sei „nicht normal“, und eine „Normalisierung der Tragödie“ komme nicht infrage, fügte der Oppositionspolitiker während der Sondersitzung des von Staatschef Maduro entmachteten Parlaments hinzu. Guaido forderte die von ihm ernannten „Botschafter“ im Ausland auf, die „internationale Unterstützung“ für Venezuela zu koordinieren.

Die genaue Ursache für den seit Donnerstag andauernden Stromausfall ist bisher unklar. Die Maduro-Regierung macht die USA für die Panne verantwortlich, die durch einen Cyberangriff auf das größte Wasserkraftwerk des Landes ausgelöst worden sei. Experten und die Opposition werfen dagegen der Regierung vor, nicht genug in die Wartung des Stromnetzes investiert zu haben.