Israelische Angriffe auf Gazastreifen nach Raketenbeschuss

Nach den palästinensischen Raketenangriffen gestern auf israelisches Gebiet hat die israelische Luftwaffe Dutzende Angriffe auf den Gazastreifen geflogen. Nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums wurden vier Menschen verletzt. Berichte über israelische Opfer gab es nicht.

Nach israelischen Angaben wurden rund hundert Ziele getroffen, darunter ein Komplex, in dem die Hamas militante Aktionen im Westjordanland plane. Auch eine unterirdische Einrichtung zum Bau von Raketen sei getroffen worden.

Eskalationsvermeidung als Ziel

Aus Sicherheitskreisen in Gaza hieß es, die Angriffe hätten sich gegen Einrichtungen der Hamas und der Gruppe Islamischer Dschihad gerichtet. Ein AFP-Journalist berichtete von Schäden an einer Hamas-Stellung in der Nähe des Wohnhauses von Hamas-Anführer Ismail Hanija. Als Reaktion auf die israelischen Angriffe wurden von Gaza aus rund zehn Raketen in Richtung Israel abgefeuert.

Am Morgen herrschte wieder Ruhe über Israel und dem Gazastreifen. Nach Informationen der Nachrichtenagentur AFP versuchten Vertreter Ägyptens und der Vereinten Nationen, im Kontakt mit beiden Seiten eine weitere Eskalation des Konflikts zu verhindern. Die allwöchentlichen Proteste am Grenzzaun zwischen dem Gazastreifen und Israel wurden gestern zum ersten Mal seit ihrem Beginn vor knapp einem Jahr abgesagt.

Raketenbeschuss auf Tel Aviv

Ausgelöst wurden die Luftangriffe durch den Raketenbeschuss von Tel Aviv. Nach Angaben von Bürgermeister Ron Huldai stürzte ein Geschoß offenbar ins Meer. Eine zweite Rakete sei außerhalb von Tel Aviv eingeschlagen. Angriffe auf Tel Aviv sind eher selten.

Sowohl die Hamas als auch die Gruppe Islamischer Dschihad erklärten, sie seien nicht für den Raketenbeschuss verantwortlich. Israels Armee sprach jedoch von einem Angriff durch die Hamas. Heute berichteten israelische Medien, nach einer ersten Einschätzung des Militärs seien die beiden Raketen möglicherweise bei Wartungsarbeiten unabsichtlich abgefeuert worden. Hamas und Islamischer Dschihad boten eine Waffenruhe an, wenn sich auch Israel daran halte.

Zwischen der Hamas und Israel gilt derzeit eigentlich ein informeller Waffenstillstand. Seit einigen Wochen kommt es aber nahezu täglich zu Gewalt, die Lage droht zu eskalieren. Beobachter gehen zwar davon aus, dass Ministerpräsident Benjamin Netanjahu den Ausbruch eines neuen Krieges im Gazastreifen vor der Wahl Anfang April verhindern will.

Palästinenser protestieren gegen Lebensbedingungen in Gaza

In einem seltenen Protest wandten sich indes Hunderte Palästinenser gegen die harten Lebensbedingungen im Gazastreifen. Einige Teilnehmer einer Kundgebung in Deir al-Balach im mittleren Abschnitt des Küstenstreifens verbrannten Reifen. Sie protestierten unter anderem gegen die Preise und Lebenshaltungskosten in dem blockierten Gebiet am Mittelmeer.

Die Proteste wurden vor allem von jungen Leuten über Soziale Netzwerke organisiert. Schon am Vortag waren Polizeikräfte der im Gazastreifen herrschenden Hamas mit Gewalt gegen Demonstranten vorgegangen, die gegen die Lage im Gazastreifen protestiert hatten.

Die radikalislamische Hamas hatte 2007 mit Gewalt die alleinige Kontrolle im Gazastreifen an sich gerissen. Sie wird von Israel, den USA und der EU als Terrororganisation eingestuft. Israel hat vor mehr als zehn Jahren eine Blockade über das Küstengebiet verhängt, die von Ägypten mitgetragen wird. Beide Länder begründen das mit Sicherheitsinteressen.

Im Gazastreifen leben rund zwei Millionen Menschen unter schwierigen Bedingungen. Es mangelt unter anderem an Trinkwasser und Strom. Die Proteste richten sich auch gegen von der Hamas verhängte Steuern, etwa auf Lebensmittel, Zigaretten und Kleidung.