Tschetschenien: Memorial-Leiter zu Lagerhaft verurteilt

Ein russisches Gericht hat den Leiter der russischen Menschenrechtsorganisation Memorial in Tschetschenien, Ojub Titijew, gestern zu vier Jahren Lagerhaft verurteilt. Das Gericht in Schali, 30 Kilometer südöstlich der tschetschenischen Hauptstadt Grosny, entsprach damit der Forderung der Staatsanwaltschaft.

Der 61-jährige Titijew ist der Nachfolger der 2009 in Grosny ermordeten Leiterin von Memorial in Tschetschenien, Natalia Estemirowa. Im Jänner 2018 wurde er festgenommen, nachdem Polizisten bei einer Kontrolle in seinem Auto Marihuana gefunden hatten. Titijew wirft der Polizei vor, ihm eine Falle gestellt und die Drogen selbst in sein Auto gelegt zu haben.

Im Oktober wurde der Bürgerrechtler mit dem Vaclav-Havel-Preis für Menschenrechte des Europarats für 2018 ausgezeichnet. Mitte Februar forderte das Europaparlament seine sofortige Freilassung. Memorial ist die letzte offen tätige Menschenrechtsorganisation in Tschetschenien.