Eindruck vom Flughafen Singapur
APA/AFP/Roslan Rahman
Wasserfall inklusive

Singapurs Flughafensensation eröffnet

Auf dem Flughafen Changi in Singapur hat am Mittwoch eine neue architektonische Sensation eröffnet. Teil des futuristischen Komplexes namens Jewel sind mehr als 300 Geschäftslokale, ein Hotel, hängende Gärten und ein Wasserfall, der über 40 Meter in die Tiefe stürzt.

Erst vor Kurzem wurde der Changi-Airport von der britischen Unternehmensberatungsgesellschaft Skytrax zum besten, schönsten und für Reisende angenehmsten Flughafen der Welt gekürt – zum siebenten Mal in Folge. Es ist also nicht so, als hätte es der Inselstaat notwendig gehabt, seinen Flughafen zu erneuern. Doch wäre es wohl nicht Singapur, würde man sich architektonisch nicht immer wieder aufs Neue verausgaben wollen.

Designt wurde das Flughafenmeisterwerk vom Architekten Mosche Safdie. Hauptattraktion ist der weltweit größte Indoor-Wasserfall, der sich in der Mitte des ovalen Gebäudes aus Glas und Stahl befindet und im freien Fall hinabstürzt. Dafür werde auch Regenwasser gesammelt, so Jayson Goh, Manager der Changi-Airport-Gruppe zu CNN. „Wir können das Volumen und die Fließgeschwindigkeit regulieren. Unter dem Vortex haben wir Tanks, die Regenwasser sammeln, damit wir es verwenden können“, sagte Goh. Dieses könne dann auch zur Bewässerung genutzt werden.

Eindruck vom Flughafen Singapur
Reuters/Feline Lim
Mit einer spektakulären Lichtershow wurde „Jewel“ auf dem Changi-Flughafen eröffnet
Eindruck vom Flughafen Singapur
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Ein vom Dach herabstürzender Wasserfall und hängende Gärten zieren den neuen Flughafenkomplex
Eindruck vom Flughafen Singapur
APA/AFP/Roslan Rahman
Die Gärten lassen sich auch von den einzelnen Stockwerken aus bestaunen
Eindruck vom Flughafen Singapur
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Wer viel Zeit hat, kann kilometerweit an Blumenbeeten vorbeispazieren
Eindruck vom Flughafen Singapur
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Raumschiff oder Flughafen? Die Fassade von „Jewel“ besteht aus einzelnen Glasbausteinen, die durch eine Stahlkonstruktion zusammengehalten werden.
Eindruck vom Flughafen Singapur
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Ein Ort, den man „aus einer Selbstverständlichkeit heraus“ besuchen möchte – das hatte Stararchitekt Mosche Safdie im Sinne
Eindruck vom Flughafen Singapur
Feline Lim
140 Millionen Fluggäste jährlich will der Changi-Flughafen mit seinen neuesten Erweiterungen künftig abfertigen können

Umringt wird der Wasserfall von Tausenden tropischen Pflanzen. Interessierte können das Schauspiel sowohl vom Erdgeschoß als auch von einer der Brücken aus beobachten. Doch nicht nur rund um den Wasserfall dürfen sich Besucherinnen und Besucher des Grüns erfreuen. Insgesamt gibt es über 13 Hektar weitläufige Gärten, unter anderem auch hängende Gärten über vier Etagen. Spazierwege inmitten von künstlichen Wäldern und Blumenbeeten erstrecken sich kilometerweit.

Nicht nur für Flugreisende

Fünf der zehn Stockwerke befinden sich über der Erde, die anderen fünf sind unterirdisch. Insgesamt soll Jewel (dt. Juwel) mehrere Terminals miteinander verbinden. Zwischen den Abflügen sollten Reisende jedenfalls genügend Zeit zum Shoppen, Essen und Trinken im zugehörigen Konsumtempel einplanen. Auch Kunst- und Kulturinteressierte sollen auf ihre Kosten kommen: Mehrere moderne Kunstinstallationen können bewundert werden.

Doch laut der Website des Airports sollen nicht nur Menschen mit Zwischenstopp und Flugticket Jewel besuchen können, sondern jede und jeder Interessierte. Sollte man sich für einen längeren Aufenthalt entscheiden, gibt es innerhalb des Gebildes sogar ein Hotel mit 130 Zimmern, das ab vier Stunden gebucht werden kann. Dass es im ganzen Jewel-Komplex gratis WLAN gibt, scheint dabei schon fast als Selbstverständlichkeit.

Doch – und das dürfte Flughafenerprobte besonders freuen – betonen die Entwicklerinnen und Entwickler extra die unzähligen Steckdosen und Aufladestationen für elektronische Geräte. Sollte einem der eigene Smartphone-Screen zu klein werden, kann man aber auch das zugehörige IMAX-Kino besuchen.

Am Anfang war ein Parkplatz

Von außen kann der Gebäudekomplex auch von einem Skytrain, dem die Terminals verbindenden Zug, aus bewundert werden. Einige Bereiche von Jewel sind allerdings noch nicht ganz fertig. In Bau befinden sich etwa noch ein Labyrinth, riesige Hängematten und Rutschen – nicht nur für Kinder. All das soll bis Mitte 2019 fertiggestellt werden.

Angefangen hat alles damit, dass man einen Außenparkplatz an den Flughafen anbinden wollte. Doch Safdie ist schließlich nicht irgendjemand, sondern ein weltberühmter Architekt, der in Singapur auch schon das Luxushotel Marina Bay Sands gebaut hatte. Und weil man eben in puncto Flughafen immer größer und weiter gedacht habe, so Safdie, sei aus einem Parkplatzprojekt dann Jewel geworden.

„Ich wollte eine neue Art urbanen Raum entdecken. Einen Ort, den Sie aus einer Selbstverständlichkeit heraus besuchen, weil Sie einkaufen müssen, weil Sie irgendwohin fliegen – aber trotzdem ist es ein Garten“, beschrieb der Architekt das Projekt vergangenes Jahr. Parkplätze gebe es freilich trotzdem noch.

65,6 Millionen Fluggäste 2018

Der Changi-Airport, der seinen Namen von einem Ortsteil im Osten des Inselstaates an der Südspitze der malaiischen Halbinsel ableitet, wurde 1981 eröffnet und war 2018 mit etwa 66 Millionen Fluggäste auf Rang 19 der weltgrößten Flughäfen. Er gehört bereits jetzt zu den am meisten frequentierten Airports der Welt. Innerhalb der letzten zehn Jahre konnte die Passagierzahl verdoppelt werden. Der Changi-Flughafen verbindet mehr als 400 Städte auf der ganzen Welt miteinander, über 100 Airlines fliegen ihn an. Alle 80 Sekunden landet ein Flugzeug oder hebt gerade ab.

Auch ein Transferservice zwischen Flug- und Schiffsreisenden werde es künftig geben, wie es vonseiten des Flughafens heißt. Aktuell würden ein fünfter Terminal sowie eine dritte Startbahn errichtet. Terminal fünf werde in etwa die Größe von allen anderen vier Terminals zusammen haben. Eröffnet werden soll er 2030. Terminal zwei werde außerdem in einem Fünfjahresplan erweitert, so Goh. Mit diesen Neuentwicklungen wolle man eine Kapazität von 140 Millionen Fluggästen pro Jahr stemmen.