annelore Elsner, 2000
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1942–2019

Hannelore Elsner ist tot

Die Schauspielerin Hannelore Elsner ist im Alter von 76 Jahren gestorben. Das teilte der Anwalt der Familie, Matthias Prinz, am Dienstag mit. Elsner hatte in zahlreichen Fernseh- und Kinofilmen mitgespielt, sie erhielt den Deutschen Filmpreis, die Romy und weitere Auszeichnungen.

„Als Anwälte der Familie von Hannelore Elsner haben wir die traurige Pflicht, der Öffentlichkeit mitzuteilen, dass Hannelore Elsner überraschend schwer erkrankt und am Ostersonntag friedlich eingeschlafen ist“, erklärte Prinz. Zu weiteren Details werde aus Respekt vor der Privatsphäre der Familie keine Stellung genommen. Zuvor hatten auch „Bild“-Zeitung, „tz“ und Redaktionsnetzwerk Deutschland berichtet.

Elsner, deren Geburtsname Elstner war, gehörte zu den bekanntesten und beliebtesten Schauspielerinnen im deutschsprachigen Raum und wurde oftmals als kapriziöse Diva beschrieben. Sie wurde am 26. Juli 1942 im bayrischen Burghausen nahe der österreichischen Grenze geboren. Später wuchs sie im nahen Neuötting auf, bevor die Familie nach München zog.

Mit 16 Jahren beim Spazieren in München entdeckt

Elsners Leben war bewegt: Schon als kleines Mädchen musste sie den Tod ihres geliebten älteren Bruders verkraften. Bald darauf starb der Vater. Sie wechselte häufig die Schule und übernahm als Jugendliche in München kleinere Jobs. „Ich war nirgendwo richtig daheim“, schrieb sie in ihrer Autobiografie „Im Überschwang“ im Jahre 2011. Der Beruf der Schauspielerin war für sie zu dieser Zeit noch kein Thema.

Hannelore Elsner und Mario Adorf, 1977
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Die Dreharbeiten zu „Die Reise nach Wien“ (1973) halfen ihr – hier neben Schauspieler Mario Adorf – über den plötzlichen Tod ihrer Mutter hinweg
Hannelore Elsner sitzt auf dem Dach ihrer Wohnung, 1977
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Elsner – hier zu sehen im Jahr 1977 – galt als ausdrucksstarke Schauspielerin mit markanter Stimme
Hannelore Elsner, 1996
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Für viele war sie eine der großen Diven des deutschen Nachkriegsfilms
Hannelore Elsner mit Elmar Wepper, 2008
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Der Kinofilm „Kirschblüten – Hanami“ (2008), in dem Elsner mit Schauspieler Elmar Wepper zu sehen war, wurde zum Publikumserfolg. Dessen Fortsetzung wurde nun zum letzten Film der Schauspielerin.
Hannelore Elsner, 2011
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2011 veröffentlichte Elsner ihre Autobiografie „Im Überschwang“
Hannelore Elsner, 2011
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Im selben Jahr erhielt sie bei der Verleihung des Bayerischen Filmpreises den Ehrenpreis, überreicht vom damaligen bayrischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU)
Hannelore Elsner
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Elsner mit Ballgästen im Rahmen des Life Balls im Jahre 2015

Im Alter von 16 Jahren wurde Elsner bei einem Spaziergang in München von dem türkischen Regisseur Halit Refig entdeckt. Nach Proben in Istanbul durfte sie auf die Schauspielschule, musste dafür aber kleinere Rollen in Filmen mit Stars wie Hans-Joachim Kulenkampff und Freddy Quinn übernehmen.

Zum Klassiker avancierte auch der Film „Die endlose Nacht“ von Will Tremper aus dem Jahr 1963. Die Bayerin konnte sich jedoch vor allem für den französischen Film begeistern. „Solche Rollen wollte ich später immer spielen, schwer und leicht zugleich“, so Elsner.

TV-Hinweis

ORF2 ändert in memoriam Hannelore Elsners das Programm und sendet am Mittwoch, 20.15 Uhr, „Die Diva, Thailand und wir!“ und am Sonntag, 14.35 Uhr, „Ein Sommer im Burgenland“.

Erste Auszeichnung mit 29 Jahren

Mit etwa 19 Jahren stand sie zum ersten Mal auf einer Theaterbühne. Ihre erste Auszeichnung bekam sie mit 29 Jahren: Damals wurde Elsner die Goldene Kamera für die Rolle der Sascha in Tschechows Stück „Iwanow“ überreicht. Elsners Kinodebüt feierte sie 1961 mit dem Film „Das Mädchen mit den schmalen Hüften“. Zu internationaler Anerkennung verhalf ihr die Hauptrolle in Alf Brustellins Film „Berlinger“ (1975).

Hannelore Elsner erhält bei der Verleihung des Bayerischen Filmpreises in München den Ehrenpreis, 2011
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Für ihre schauspielerischen Leistungen erhielt Elsner zahlreiche Auszeichnungen

Elsner war einige Jahre mit dem Schauspieler Gerd Vespermann verheiratet. Mit Brustellin war sie daraufhin von 1973 bis zu seinem Tod 1981 liiert. Brustellin besetzte sie in den 70er Jahren auch in anspruchsvolleren Filmen. Später war Elsner „drei wunderschöne Jahre“ mit dem Filmproduzenten Bernd Eichinger zusammen. Von 1993 bis 2000 war sie mit dem Theaterdramaturgen Uwe B. Carstensen verheiratet. Mit dem Regisseur Dieter Wedel hatte sie einen Sohn. Einige Jahre lebte sie mit dem Germanistikprofessor Günter Blamberger zusammen.

Mehr als 200 Fernseh- und Kinorollen

In mehr als 200 Fernseh- und Kinorollen war die Schauspielerin, die 2015 unter anderem mit der Romy geehrt worden ist, zu sehen. Besonders erfolgreich war sie um die Jahrtausendwende: Im Fernsehen war Elsner in der ARD-Serie „Die Kommissarin“ (1994–2006) erfolgreich. Als Lea Sommer ist sie eine der bekanntesten deutschen TV-Ermittlerinnen. In Pumps, Kostüm und schwarzer Lederjacke ermittelte sie in fast 70 Folgen. Til Schweiger war anfangs ihr Assistent.

Von Erfolg gekrönt war auch Elsners Kinocomeback: Für die Hauptrolle in „Die Unberührbare“ bekam sie 2000 die Lola als beste Hauptdarstellerin. Den Deutschen Filmpreis gewann sie 2003 mit „Mein letzter Film“. Zu ihren größten Publikumserfolgen zählten Dani Levys „Alles auf Zucker!“ (2004) und Doris Dörries Überraschungserfolg „Kirschblüten – Hanami“ (2008). Dessen Fortsetzung „Kirschblüten & Dämonen“ wurde nun zum letzten Film des Publikumslieblings. Mitte März begann sie, die als Synchronsprecherin unter anderem auch Liza Minnelli ihre Stimme lieh, mit den Dreharbeiten zu einem Märchenfilm – auch für einen „Tatort“ stand sie vor der Kamera.

„Großartige Künstlerin und Persönlichkeit“

Der Tod der Schauspielerin rief am Dienstag große Trauer hervor. „Für mich war Hannelore Elsner eine große Abenteurerin, die sich mit Neugier, Hingabe und Tapferkeit in jede Rolle und in ihr Leben gestürzt hat“, so die Regisseurin Dörries. Sie habe die deutsche Kino- und Fernsehwelt „geprägt wie keine andere“, sagte der Filmverleih Constantin Film gegenüber der „Bild“-Zeitung. „Was soll ich sagen? Im Moment fehlen mir einfach die Worte“, sagte Elsners langjähriger Kollege Elmar Wepper.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) bezeichnete sie in einer ersten Reaktion als eine „großartige Künstlerin und Persönlichkeit“. Der deutsche Außenminister Heiko Maas (SPD) nannte sie „eine Ikone des deutschen Films“.