Grafische Darstellung des Gelben Sessels und des EU-Parlaments
ORF.at
Was wird aus Europa?

Sieben Antworten auf dem „gelben Sessel“

Fünf Szenarien für die Zukunft Europas sieht das berühmte EU-Weißbuch aus dem Jahr 2017 vor. Wir haben alle Spitzenkandidaten zur EU-Wahl auf dem „gelben Sessel“ gefragt, ob sie ein Mehr oder ein Weniger vom EU-Europa haben wollen.

Fünf Szenarien zur Zukunft Europas schlägt das „Weißbuch zur Zukunft Europas“ von 2017 vor. „Weiter wie bisher“ gibt es da als Fortsetzung der Umsetzung der EU-Reformagenda ebenso als Szenario wie „Schwerpunkt Binnenmarkt“, also eine vor allem am gemeinsamen Binnenmarkt ausgerichtete Struktur der Europäischen Union.

„Der gelbe Sessel“

ORF.at ist zwei Wochen in den Wahlkampf der EU-Kandidaten gereist und hat sie auf dem „gelben Sessel“ mit je zehn repräsentativen Fragen des Publikums von ORF.at. konfrontiert. Zu jeder Frage war eine Minute Zeit für ein Videostatement. Die Fragen stellte ORF.at-Chefredakteur Gerald Heidegger.

„Wer mehr tun will, kann mehr tun“, sagt Szenario drei, das Migliedsstaaten in bestimmten Bereichen die Möglichkeit gibt, mehr zu tun, wenn sie das wünschen und für sinnvoll erachten. „Weniger, aber effizienter“ ist das Szenario vier, bei dem sich die EU wieder auf wenige ausgewählte Bereiche der Zusammenarbeit konzentriert. Und schließlich gibt es Szenario fünf, bei dem die Mitgliedsstaaten viel mehr als bisher gemeinsam machen.

So antworteten die sieben

Schaut man auf die Riege der sieben heimischen Spitzenkandidatinnen und –kandidaten, dann will eine deutliche Mehrheit eine vertiefte Zusammenarbeit – auch mit dem Argument, dass man gewisse Themen nur gemeinsam wird anpacken können. Allein die FPÖ wünscht sich einen Schritt zurück, weniger Kooperation; dort, wo sie stattfinde, solle sie dafür besser und intensiver geführt werden.

Fotostrecke mit 7 Bildern

EU-Wahl Spitzenkandidat Andreas Schieder (SPÖ)
ORF.at/Lukas Krummholz
Mit „gelbem Sessel“ und Andreas Schieder im Riesenrad. Der erste Dreh zum Format.
ÖVP-Spitzenkandidat Karas
ORF.at/Christian Öser
Mit Othmar Karas hoch über den Dächern Wiens
Spitzenkandidat der Grünen Werner Kogler
ORF.at/Peter Pfeiffer
Werner Kogler lud in eine grüne Basisstation im vierten Wiener Gemeindebezirk
NEOS-Spitzenkandidatin Claudia Gamon
ORF.at/Peter Pfeiffer
Claudia Gamon und die Zentrale der NEOS mit vielen, sehr vielen Post-Its
FPÖ-EU-Spitzenkandidat Vilimsky
ORF.at/Christian Öser
Die FPÖ wollte ein Heimspiel in der eigenen Parteizentrale.
KPÖ-Frontfrau Katerina Anastasiou
ORF.at/Christian Öser
Die Temperaturen im Mai waren nicht immer der Jahreszeit angepasst: Mit Katerina Anastasiou auf dem Karlsplatz in Wien
Johannes Voggenhuber im Interview am Gelben Sessel zur EU-Wahl
ORF.at/Dominique Hammer
Ein Dreh wenige Stunden vor dem Ibiza-Video. Mit Johannes Voggenhuber auf dem Wiener Heldenplatz

Karas: Europa als gemeinsamer Sprecher des Kontinents

„Europa soll Fragen angehen, die es allein nicht lösen kann“, spricht sich etwa ÖVP-Spitzenkandidat Othmar Karas für eine pragmatische Intensivierung der Zusammenarbeit aus: dort, wo es allein eben gar keinen Sinn habe. „Globalisierung, Digitalisierung, Klimawandel, Terrorismus, internationales Verbrechen, Internetkriminalität, Fluchtursachen bekämpfen, für mehr Gerechtigkeit in der Welt sorgen“, fordert Karas und will Europa als gemeinsamen Sprecher des Kontinents.

Karas zur Zukunft Europas

„Europa muss Fragen anpacken, die es allein nicht lösen kann.“

Schieder: „Brauchen ein besseres Europa“

Andreas Schieder von der SPÖ meint, dass nur ein stärker integiertes Europa in der Lage sein werde, die großen Themen wie Klimawandel, Steuerungerechtigkeit und soziale Sicherheit positiv zu beantworten: „In diesem Bereichen brauchen wir mehr Europa und ein besseres Europa. Das heißt, kein Europa, das den Bräunungsgrad der Pommes festlegt.“

Schieder zum Europa von morgen

„Wir brauchen kein Europa, das den Bräunungsgrad der Pommes festlegt.“

Vilismky für „Szenario vier“

Allein Harald Vilimsky (FPÖ) ist für einen Schritt zurück und das Szenario vier laut EU-Weißbuch: „Das heißt: weniger an Kooperation, dafür dort, wo kooperiert wird, soll’s besser gehen, effizienter und tiefergehend sein.“ Etwa beim Außengrenzschutz könne Europa besser zusammen agieren, im Bereich der Sozialpoltik etwa will er die hohen nationalen Standards in Österreich nicht vergemeinschaften.

Vilismky will qualitativen Schritt zurück

„Weniger an Kooperation, aber dort, wo man zusammenarbeitet, soll es besser gehen.“

Weitere Stimmen für ein Mehr an Europa

Am deutlichsten für weitere Integrationsschritte sprechen sich Claudia Gamon (NEOS), Werner Kogler (Grüne) und Johannes Voggenhuber (Initiative 1 Europa )aus. Auch KPÖ-Plus-Spitzenkandidatin Katerina Anastasiou möchte mehr Zusammenarbeit in der EU, allerdings in einer ganz anders ausgerichteten Union.

Gamon für „Vereinigte Staaten von Europa“

Gamon ist dezidiert für „die Vision der Vereinigten Staaten von Europa“: „Das wäre ein Europa, wo es eine europäische Staatsbürgerschaft gibt, wo man einen europäischen Pass hat.“

Gamon und ihre Vision von Europa

„Für ein Europa mit einer europäischen Staatsbürgerschaft“

Kogler und die „Republik Europa“

„Wenn wir auf zehn, 20 Jahre denken, dann ist meine Vision jene der Republik Europa“, sagt Kogler, der meint, wenn man das wolle, müsse man jetzt beginnen und etwa die Wirtschaftspolitik vergemeinschaften.

Kogler und der nächste Schritt für Europa

„Für einen nächsten großen Schritt für Europa müssen wir jetzt beginnen.“

Voggenhuber will den großen Schritt

Auch Koglers einstiger Parteikollege Voggenhuber ist deutlich für einen „großen Schritt“ und für die Überwindung der „Trippelschritte“: „Das, was die Gründerväter gemeint haben, war kein ‚Europa der Vaterländer‘, sondern war ein politisches Gemeinwesen, dem sie damals noch den Namen Vereinigte Staaten von Europa gaben.“

Voggenhuber ohne Trippelschritte zu neuem Europa

„Die Gründungsväter hatten nie ein Europa der Vaterländer im Blick.“

Anastasiou: Zuerst Ungleichheiten beseitigen

Für Anastasiou ist eine „Republik Europa“ schon möglich, nur müsse das eine Republik sein, in der die vielen Ungleichheiten innerhalb der Union zunächst beseitigt werden müssten.

Anastasiou und das Europa von morgen

„Ja zu einer Republik Europa, wenn wir vorher die Ungleichheiten in Europa beseitigen.“

Das Finale auf dem „gelben Sessel“

Von 4. bis 18. Mai bat ORF.at alle heimischen Spitzenkandidaten der EU-Wahl auf den „gelben Sessel“. Zehn Fragen aus dem Publikum von ORF.at bekam jede und jeder von ihnen. Wohin ORF.at mit dem „gelben Sessel“ einrückte, konnten sich die Kandidaten wünschen. Die elfte Frage war die Zusatzfrage zur Zukunft Europas. Alle andere Fragen lassen sich weiter miteinander vergleichen in den verlinkten Berichten am Ende dieses Texts.

Alle Videoantworten können diskutiert werden in debatte.ORF.at.