MSC Opera
Reuters/Manuel Silvestri
Kreuzfahrtschiffe in Venedig

Unfall entfacht Debatte über Verbot

Nachdem es bei der Anlandung eines Kreuzfahrtschiffs in Venedig am Sonntag zu einem Unfall mit einem Touristenboot gekommen ist, schaltet sich die italienische Regierung ein. Verkehrsminister Danilo Toninelli will Kreuzfahrtschiffe aus dem Kanal von Giudecca im historischen Zentrum der Stadt verbannen.

„Der Unfall heute bezeugt, dass große Schiffe nicht mehr den Giudecca-Kanal befahren sollen. Nach vielen Jahren, in denen nichts getan wurde, sind wir einer endgültigen Lösung zum Schutz der Lagune und des Tourismus nahe“, twitterte Toninelli.

Bei dem Unfall am Sonntag war ein Kreuzfahrtschiff gegen ein geparktes Boot an der Anlegestelle San Basilio gestoßen. Italienischen Medien zufolge wurden vier Menschen auf dem kleineren Schiff leicht verletzt. Andere seien in Panik ins Wasser gesprungen. Der Unfall ereignete sich im Kanal von Giudecca am historischen Zentrum der Stadt.

Menschen in Panik

Auf einem Video war zu sehen, wie das Kreuzfahrtschiff mit lautem Sirenengeheul Richtung Anlegestelle fährt und Menschen an Land in Panik davonlaufen. An Bord des Ausflugsschiffs sollen rund 130 Personen gewesen sein. Auf der „MSC Opera“ haben mehr als 3.500 Menschen Platz. Die Ursache des Unglücks ist Gegenstand von Ermittlungen. Spekuliert wurde, dass das Tau des Schleppers gerissen sei oder dieser die Kontrolle über das Kreuzfahrtschiff verloren habe.

Venedig: Kreuzfahrtschiff stößt gegen Touristenboot

In Venedig ist am Sonntag ein Kreuzfahrtschiff gegen ein mit Reisenden besetztes Boot gestoßen. Das Unglück hat eine Debatte über ein Verbot für Riesenschiffe in den Kanälen der Lagunenstadt ausgelöst. (Videoquelle: APTN/Elisabetta Pasqualin)

Seit Jahren wird über die Schiffskolosse in der UNESCO-Welterbestadt gestritten, die von Millionen Touristen besucht wird. Kritiker wollen die großen Kreuzfahrtschiffe komplett aus der Lagunenstadt verbannen. Bisher fahren sie im Kanal von Giudecca in Sichtweite von Sehenswürdigkeiten wie dem Markusplatz.

UNESCO warnte Venedig

Der Bürgermeister von Venedig, Luigi Brugnaro, erklärte, das Unglück sei „der x-te“ Beweis, dass in dem Kanal keine Kreuzfahrtriesen mehr fahren könnten. Geplant ist, dass die besonders großen Kreuzfahrtschiffe eine weniger spektakuläre Route um die Stadt fahren und in der Industriegegend Marghera anlegen. Über dieses Projekt wird allerdings auch seit Jahren debattiert. Die UNESCO hat Venedig bereits gewarnt, dass die Riesenschiffe das Welterbe gefährden. Umweltschützer mahnen wegen Risiken für das besondere Ökosystem der Lagune. Unternehmer sehen dagegen ihr Geschäft in Gefahr.

Reisende sollen Eintritt zahlen

Die Lagunenstadt kämpft schon seit einiger Zeit mit den negativen Auswirkungen des Massentourismus. In einigen Monaten – ein genaues Datum gibt es noch nicht – sollen Tagestouristen in Venedig eine Art Eintrittsgeld zahlen. Brugnaro will damit erreichen, dass die Kosten für die Reinigung der Stadt nicht nur auf den „Schultern der Bürger“ lasten. Möglicherweise sei die Maßnahme auch etwas für andere europäische Städte, sagte er.

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Venedigs Bürgermeister fordert eine neue Route für Kreuzfahrtschiffe

Brugnaro machte deutlich, dass es bei der neuen Maßnahme um etwas anderes gehe: Die Stadt solle auch weiterhin als Stadt wiedererkennbar sein und gepflegt werden, damit sie auch für kommende Generationen erlebbar sei. „Wir wollen die Stadt verteidigen“, sagte er. Brugnaro will Besucher aber auch ermutigen, nicht nur einen Abstecher in die Stadt zu machen. Man brauche einige Tage, um die Stadt zu verstehen, sagte er.

Die Kommune rechne damit, in diesem Jahr etwa drei Millionen Euro mit dem Eintrittsgeld einzunehmen. Die Reinigungskosten in der historischen Altstadt seien um 30 Millionen Euro höher als in anderen Städten – auch, weil die historische Altstadt täglich „per Hand gefegt“ werde, sagte Brugnaro. Touristen, die keine Unterkunft in Venedig gebucht haben, sollen dieses Jahr zunächst drei Euro zahlen. 2020 soll der Preis auf sechs Euro steigen, in ruhigen Zeiten aber auch gesenkt oder bei stärkerem Andrang angehoben werden. Hotelgäste zahlen ohnehin eine Ortstaxe.