Patriot Advanced Capability (PAC) -3 Raketen
AP/The Yomiuri Shimbun/Kaname Muto
Großfusion

Neuer US-Rüstungsgigant soll entstehen

In der US-Rüstungs- und Luftfahrtbranche bahnt sich eine Großfusion an, ein neuer Rüstungsgigant soll dabei entstehen. Die beiden Konzerne Raytheon und United Technologies gaben am Sonntag Pläne für einen Zusammenschluss bekannt. Dieser werde „die Zukunft der Luftfahrt und der Verteidigung definieren“, sagte United-Technologies-Chef Gregory Hayes.

Die Fusion durch Aktientausch solle im ersten Halbjahr 2020 abgeschlossen werde. Der Rüstungskonzern Raytheon ist vor allem für sein Patriot-Raketensystem und die Tomahawk-Marschflugkörper bekannt. Außerdem stellt Raytheon Radarsysteme für Kampfflugzeuge der US-Luftwaffe her.

United Technologies gehört mit seinen Pratt-and-Whitney-Motoren, die bei Militärflugzeugen und zivilen Maschinen verwendet werden, zu den Großakteuren und größten Zulieferern der Luftfahrtbranche. Er vor Kurzem gelang dem Unternehmen eine Megaübernahme. Für 30 Mrd. Dollar kaufte United Technologies den Produzenten von Bordelektronik und Innenausstattung, Rockwell Collins.

Tomahawk-Marschflugkörper
APA/AFP/US NAVY/Jonathan Sunderman
Ein Tomahawk-Marschflugkörper beim Abschuss

Börsenwert von 168 Mrd. Dollar

Gemeinsam stehen Raytheon und United Technologies für einen Jahresumsatz von rund 74 Mrd. Dollar (rund 65 Mrd. Euro). Der neue Konzern, der Raytheon Technologies Corporation heißen wird, hätte nach jetzigem Stand einen Börsenwert von 168 Mrd. Dollar.

Trump: „Bin etwas besorgt“

US-Präsident Donald Trump äußerte sich skeptisch zu dem Plan. „Ich bin etwas besorgt wegen United Technologies und Raytheon“, sagte Trump am Montag im US-Sender CNBC. Der US-Präsident warf die Frage auf, ob die Fusion zu weniger Wettbewerb führen und es für die US-Regierung schwieriger machen könnte, Rüstungsverträge zu verhandeln. „Es sind zwei großartige Unternehmen, ich liebe sie beide.“ Aber er wolle nichts sehen, was „unserem Wettbewerb“ schadet.

Das politische und wirtschaftliche Umfeld für die Fusion galt jedoch als gut. Trump hatte nach Informationen aus seinem Außenministerium vom April bis dahin in praktisch jedem Telefonat, das er mit Staats- und Regierungschefs wichtiger Alliierter führte, zu mehr Käufen von US-Rüstungsgütern gedrängt.

Und auch den NATO-Mitgliedsstaaten wurde die Rute für die Aufrüstung ins Fenster gestellt. Trump pocht darauf, dass alle NATO-Staaten „mindestens“ zwei Prozent der Wirtschaftsleistung für Verteidigung ausgeben. Trump beruft sich auf ein umstrittenes Ziel der Militärallianz. Die Bündnisstaaten hatten 2014 in Wales vereinbart, die Verteidigungsausgaben binnen eines Jahrzehnts „Richtung zwei Prozent“ zu steigern. Länder wie die USA, die bereits über der Schwelle waren, sollten sie bei „mindestens zwei Prozent“ halten.

SIPRI: Globale Militärausgaben erneut gestiegen

Die weltweiten Rüstungsausgaben sind auf ein neues Hoch geklettert. Insgesamt wurden nach dem Ende April veröffentlichten Jahresbericht des Stockholmer International Peace Research Institute (SIPRI) 2018 global 1,8 Billionen Dollar (1,61 Billionen Euro) in Militärausgaben investiert – ein Plus von 2,6 Prozent im Vergleich zu 2017. Die Hauptursache: substanzielle Erhöhungen in den USA und China.

„Im zweiten Jahr in Folge stiegen die Rüstungsausgaben 2018 weltweit an und erreichten damit das höchste Level seit 1988, dem Jahr, in dem zum ersten Mal globale Daten zur Verfügung standen“, hält SIPRI in seiner Aussendung fest. Die Ausgaben 2018 entsprachen 2,1 Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts (BIP) oder 239 US-Dollar pro Person.

Washington erhöhte Ausgaben zum ersten Mal seit 2010

Besonders bemerkenswert dabei die Entwicklungen in den USA. Waffenbeschaffungsprogramme der Regierung Trumps aus 2017 schlugen SIPRI-Experten zufolge 2018 zu Buche und erhöhten zum ersten Mal seit 2010 die Militärausgaben: Mit einem Anstieg von 4,6 Prozent auf insgesamt 649 Mrd. Dollar (577,15 Mrd. Euro) führt die größte Volkswirtschaft der Welt nach wie vor die SIPRI-Liste mit Abstand an.

Die USA steckten damit fast so viel in ihren Militäretat wie die acht folgenden Staaten – China, Saudi-Arabien, Indien, Frankreich, Russland, Großbritannien, Deutschland und Japan – zusammen.

China erneut mit kräftigem Anstieg

Weniger ungewöhnlich erscheint der kräftige Anstieg beim Zweitplatzierten. Seit 24 Jahren erhöht China seine Militärausgaben, im vergangenen Jahr gab Peking insgesamt 250 Mrd. Dollar aus, um fünf Prozent mehr als 2017. Damit hat China seine Rüstungsausgaben seit 1994 fast verzehnfacht – schätzt SIPRI, denn offizielle Zahlen gibt es aus dem Land nicht.

Grafik zu Rüstungsausgaben
Grafik: ORF.at/APA; Quelle: SIPRI

Die zunehmenden Spannungen in der Region sowie zwischen den USA und China führten nach Ansicht der Experten zu Militärbudgeterhöhungen in anderen asiatischen Ländern. Indien kommt mit einem Plus von rund drei Prozent auf insgesamt 66,5 Mrd. Dollar, Pakistan mit elf Prozent auf 11,4 Mrd. Dollar und Südkorea mit rund fünf Prozent – dem höchsten Anstieg seit 2005 – auf 43,1 Mrd. Dollar.

Russland fuhr Investitionen wiederholt zurück

Erneut zurückgefahren hat dagegen Russland seine Investitionen in die Armee. Insgesamt betrugen die Ausgaben im vergangenen Jahr 61,4 Mrd. Dollar, ein Minus von 3,5 Prozent seit 2017.

Moskau reduzierte damit das zweite Jahr in Folge seine Militärausgaben, einige mittel- und osteuropäische Ländern fühlen sich laut SIPRI dennoch zunehmend bedroht von ihrem Nachbarn und erhöhten ihr Verteidigungsbudget substanziell: In der Ukraine stiegen die Ausgaben gleich um 21 Prozent auf 4,8 Mrd. Dollar, im EU-Staat Polen um fast zehn Prozent auf 11,6 Mrd. Dollar. Auch in Bulgarien, Litauen, Lettland und Rumänien lag die Investitionserhöhung zwischen 18 und 24 Prozent.