Elfriede Ott spricht ihren Text. Funkoperette …
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1925–2019

Elfriede Ott ist tot

Die Schauspielerin Elfriede Ott ist im Alter von 94 Jahren gestorben. Die Doyenne des Wiener Theaters in der Josefstadt war nicht nur als Schauspielerin – zuletzt auch im Kino –, sondern auch als Kabarettistin, u. a. an der Seite ihres einstigen Ehemannes Ernst Waldbrunn, bekannt. Selbst ein Star, spielte sie mit praktisch allen bekannten heimischen Schauspielerinnen und Schauspielern, darunter Oskar Werner.

Ott wurde am Dienstag, am Tag ihres 94. Geburtstags, ins Spital eingeliefert. Mittwochfrüh starb sie im Kreise ihrer Familie an Altersschwäche. Das bestätigte ihr Sohn Goran David Ott gegenüber „Wien heute“. In ihrem letzten Kinofilm „Die unabsichtliche Entführung der Frau Elfriede Ott“ spielte sie mit 85 Jahren und machte diesen gleich zum bestbesuchten österreichischen Film des Jahres 2010.

Rund 237.000 Besucherinnen und Besucher lockte der Streifen, in dem Ott sich selbst spielt, in die Kinos. Auch branchenintern konnte das Werk überzeugen, wurde es doch 2011 beim Österreichischen Filmpreis nicht nur zum besten Spielfilm gekürt, sondern auch für das beste Drehbuch, das Schauspieler Michael Ostrowski mitverfasst hatte, und die beste Musik ausgezeichnet. Zuvor hatte sie in populären Fernsehserien wie „Hallo – Hotel Sacher … Portier!“ und „Die liebe Familie“ Bildschirmpopularität erworben. Auf Otts lange Theaterkarriere nahm wenig später die Doku „Alte Meister – für immer jung“ von Hakon Hirzenberger Bezug.

Elfriede Ott
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Die selten schmähstade Elfriede Ott 2013 zu Gast bei Stermann & Grissemann in „Willkommen Österreich“

Festspiele geleitet

30 Jahre lang leitete Ott wie nebenbei und doch mit vollem Herzblut die Maria Enzersdorfer Festspiele, die sie 1983 gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Hans Weigel gegründet hatte. 2012 fand mit Nestroys Posse „Umsonst“ die letzte Inszenierung statt, nachdem der Pachtvertrag für den Standort auf Burg Liechtenstein nicht mehr verlängert wurde. Über die Jahre veröffentlichte Ott auch zahlreiche Bücher, ihr letztes hatte den Titel „Auch lachen kann man lernen – Meine jüdischen und andere Witze“.

Ernste Töne schlug die Doyenne des Theaters in der Josefstadt an, wenn man sie auf ihr Alter ansprach. „Ich denke mir schon, was ist, wenn ich nicht mehr bin. Das ist ein sehr gegenwärtiger Gedanke“, sagte Ott schon vor Jahren im APA-Gespräch. „Wenn alle Freunde nach und nach gehen, weist einen das auf diese Tatsache hin.“ Die Schauspielakademie war für Ott stets "ein großer Teil meines Lebens“.

„Alle Seiten des wienerischen Temperaments“

Ott besitze die Fähigkeit, „alle Seiten des wienerischen Temperaments, das Graziöse wie das Grantige, das Maliziöse wie das Sentimentale, das Raimund’sche Gemüt wie das Nestroy’sche Gift in rascher Aufeinanderfolge abzuwandeln“, sagte Hilde Spiel einmal. Und der ehemalige Bundespräsident Thomas Klestil meinte einst: „Tatsächlich haben Sie sich in die Herzen Ihres Publikums gespielt und zählen zu jenen Künstlern unseres Landes, die unverwechselbar österreichische Lebensart verkörpern – eine Lebensart, die Liebenswürdigkeit und weiblichen Charme mit dem unverwechselbaren Timbre der wienerischen Leichtigkeit verbindet.“

Elfriede Ott und Oskar Werner
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Ott 1948 mit Oskar Werner in „Der Feigling“ im Akademietheater

Bühnendebüt 1944 am Burgtheater

Die gelernte Uhrmacherin Ott kam am 11. Juni 1925 als Tochter eines Goldschmiedes in Wien zur Welt. Ihre Liebe zum Theater überwog trotz elterlicher Bedenken, und 1944 debütierte sie am Burgtheater in Gerhart Hauptmanns „Die goldene Harfe“. Ott spielte auch in Goethes „Stella“, in Grillparzers „Sappho“ und in Shakespeares „Sommernachtstraum“. Ihre Partner waren Kapazunder wie Raoul Aslan, Oskar Werner und Curd Jürgens.

„Mein Theater war und ist die Josefstadt“, bekannte Ott einmal in einem Interview. Dort fand sie 1958 ihre künstlerische Heimat und gehörte seit damals als Ensemble- und Ehrenmitglied zu den unangefochtenen Publikumslieblingen. „Ich hab so viel nicht gemacht, was ich gerne getan hätte. Ein Stück von Ibsen spielen oder einen Schnitzler. Ich war aufs Komödiantische festgelegt, die ernsten Rollen hat man mir vielleicht nicht zugetraut“, sagte sie in einem „Kurier“-Interview.

Hinweis

ORF2 zeigt am Freitag um 20.15 Uhr „In memoriam Elfriede Ott“ und am Samstag um 21.20 Uhr das Lustspiel „Die Perle Anna“. ORF1 sendet am Donnerstag um 21.15 Uhr den Film „Die unabsichtliche Entführung der Frau Elfriede Ott“. Ö1 sendet am Sonntag um 14.05 Uhr „Menschenbilder – Ein Hoch dem Tief“ – mehr dazu in oe1.ORF.at.

Zweite Karriere als Kabarettistin

Otts zweite Karriere begann in den 1950er Jahren als Kabarettistin, u. a. an der Seite ihres einstigen Ehemannes Waldbrunn. Nach der Scheidung 1964 schlug die Spezialistin des klassisch-wienerischen Genres die nächste Richtung ein und gab Abende als Diseuse gemeinsam mit Julius Patzak und Waldemar Kmentt.

Ihre Soloprogramme wurden großteils von „Lebensmensch Hans Weigel“ zusammengestellt, mit dem sie bis zu seinem Tod 1991 liiert und das gemeinsame letzte halbe Jahr auch verheiratet war. Er galt als Otts „Erfinder“ und gestaltete für sie das legendäre Programm „Phantasie in Ö-Dur“, das zu einem Markenzeichen der Partnerschaft Ott-Weigel wurde. Mit Weigel gründete Ott 1983 auch die Festspiele „Nestroy auf Liechtenstein“.

 Maxi Böhm und Elfriede Ott auf der Bühne
ORF
Ott 1982 mit Maxi Böhm in „Schau’n Sie sich das an“ in den Wiener Kammerspielen

Ofczarek als Ott-Schüler

1985 gründete Ott die Schauspielabteilung des Wiener Konservatoriums und leitete sie bis 2004, danach folgte das „Studio der Erfahrungen“. Ott betreute dabei viele Schülerinnen und Schüler, darunter Andre Heller, Nicolas Ofczarek, Christoph Friedl und Sandra Cervik.

Ott wurde u. a. mit dem Professorentitel, dem Titel Kammerschauspielerin, dem Österreichischen Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst 1. Klasse, der Josef Kainz Medaille, dem Großen Silbernen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich und der Goldenen Ehrenmedaille der Stadt Wien ausgezeichnet. Anlässlich ihres 60-Jahr-Jubiläums am Theater in der Josefstadt erhielt sie den Titel „Doyenne der Josefstadt“.