Waldbrände in Alaska
Reuters/Alaska Division of Forestry
Feuer im hohen Norden

Hunderte Brände lodern in Alaska

Sibirien, Kanada, Alaska: Im Norden tobten Waldbrände in einer bisher nicht gemessenen Zahl. Allein in Alaska gibt es aktuell 250 aktive Brände. Ihre Zahl sei um ein Vielfaches höher als in den Vorjahren, so die Einsatzkräfte, und die Gefahr ist groß, dass sie weiter steigt.

Laut einem aktuellen Lagebericht des Koordinationszentrums in Alaska lodern etwa 200 der Brände unkontrolliert. Betroffen ist den Angaben zufolge eine Fläche von rund 9.000 Quadratkilometern, was fast der Fläche Kärntens entspricht.

Waldbrände, meistens ausgelöst von Blitzen oder durch Menschen, sind in den Sommermonaten im dicht bewachsenen Alaska grundsätzlich keine Seltenheit. Allerdings seien die Voraussetzungen für Feuer – beispielsweise trockene Böden und hohe Temperaturen – so günstig wie noch nie. Die besonders betroffene Region des oberen Yukon-Tals an der Grenze zu Kanada brauche kräftige Regenfälle, damit sich die Lage entspanne, hieß es in einem Bericht.

Aktuell sei die Gefahr für weitere Feuer so hoch wie noch nie, sagte der Chef der Feuerbekämpfung Alaskas der dpa. Die Kennzahlen für die Gefahr von Waldbränden seien in diesem Sommer „beispiellos“ und im Vergleich zu normalen Jahren doppelt so hoch.

Brand 50 Kilometer nordwestlich von Fairbanks in Alaska südlich des Yukon. Bild erfasst von Sentinel 2 (SWIR) am 25. Juli 2019. Bearbeitung von ORF.at. Farbverschiebung durch Verwendung des Kurzwellen-Infrarotbands.

Enorme CO2-Emissionen

Bereits Mitte Juli hatte das von der EU finanzierte Atmosphärenbeobachtungssystem „Copernicus Atmosphere Monitoring Service“ (CAMS) im britischen Reading Alarm geschlagen und mitgeteilt, dass Satellitenaufnahmen mehr als 100 schwere Waldbrände innerhalb des nördlichen Polarkreises zeigten.

Dadurch gibt es auch eine extreme Luftverschmutzung und Erzeugung von Hitze, wie aktuelle CAMS-Daten zeigen. Die CO2-Emissionen in der Arktis waren mit 60 Megatonnen für den Monat Juli bisher doppelt so hoch wie in den entsprechenden Monaten der Vorjahre. Der Wert, der bis zum 24. Juli erfasst wurde, war auch deutlich höher als in jedem in der Statistik aufgelisteten Jahr seit 2003.

„Wärmere Bedingungen“

Fachkreise betonten, dass sommerliche Feuer zwar normal, Größe und Dauer dieser Brände aber sehr ungewöhnlich seien. Einige der Herde seien etwa so groß wie 100.000 Fußballfelder. CAMS-Wissenschaftler Mark Parrington führte die hohen Zahlen auf die Temperaturen in der Arktis zurück, die weitaus schneller stiegen als im globalen Mittel. „Bei wärmeren Bedingungen können Feuer leichter anwachsen und auch länger andauern, wenn sie einmal entfacht sind.“ Alleine im Gebiet der Waldbrände in Sibirien waren die Juni-Temperaturen der Organisation zufolge im Schnitt fast zehn Grad höher als im Durchschnitt zwischen 1981 und 2010.

Schwere Waldbrände in der Arktis

In der Arktis gibt es in diesem Sommer mehr Waldbrände als je zuvor, riesige Flächen sind durch die Feuer bedroht. Fachleute warnen vor der dadurch entstehenden Luftverschmutzung.

Russland: Zwei Mio. Hektar abgebrannt

In Russland ist nach Angaben der Forstverwaltung von Donnerstag im Osten des Landes eine Waldfläche von insgesamt mehr als zwei Millionen Hektar abgebrannt. Aktuell gebe es 162 Brände auf einer Fläche von fast 150.000 Hektar. Am stärksten betroffen sei die Region Irkutsk am Baikalsee. In den meisten Fällen bestehe aber keine Bedrohung für Städte und Siedlungen, teilten die Behörden mit.

Satellitenfoto von Waldbränden in Sibirien
Reuters/NASA/Social Media
Satellitenbilder zeigen Brandherde und Aerosole über Sibirien

Russischen Medienberichten zufolge brennen meist Wälder in schwer zugänglichen Gebieten. Dort zu löschen käme teurer als der Schaden, den die Feuer anrichteten. Löschtrupps rückten nur an, wenn Dörfer und Städte oder Infrastruktur gefährdet seien. Nach offiziellen Angaben bekämpfen derzeit mehr als 2.300 Einsatzkräfte die Feuer. Auch Löschflugzeuge werden eingesetzt.

Flächenbrände in Frankreich

In Europa gab es in den vergangen Tagen ebenfalls Brände: Im Departement Eure im Nordwesten Frankreichs seien am Donnerstag zahlreiche Erntebrände ausgebrochen, teilte die Präfektur mit. Rund 1.500 Hektar Felder seien verbrannt. Am Freitagvormittag waren noch acht Brände im Gange.

Im Departement Marne im Nordosten Frankreichs zählten die Einsatzkräfte am Donnerstag mehr als 40 Feldbrände. Auch im Südwesten brannte es. Frankreich erreichte zuletzt mehrere Höchstwerte bei der Temperatur. Auch in Portugal wurden durch Waldbrände innerhalb von vier Tagen 7.000 Hektar Wald vernichtet.