Rettungsschiff „Open Arms“ wartet weiter auf Hafen

Das Rettungsschiff der spanischen NGO Proactiva Open Arms harrt mit 121 Menschen an Bord weiter im Mittelmeer aus. Seit einer Woche befinden sich die Geretteten auf dem Schiff – je mehr Zeit vergehe, desto schwieriger werde es, den Menschen zu erklären, warum sie nicht einfach von Bord gehen könnten, sagte Einsatzleiterin Anabel Montes Mier in einem heute veröffentlichten Video.

Nach Angaben von Amnesty International sind auch 30 Kinder und zwei Babys an Bord der „Open Arms“. Das Schiff befindet sich unweit der italienischen Insel Lampedusa. Die evangelischen Kirchen in Italien (FCEI) seien bereit, die Geretteten aufzunehmen, berichtete die Nachrichtenplattform der FCEI. Das habe der Vorsitzende Luca Maria Negro in einem Brief Regierungschef Giuseppe Conte und Innenminister Matteo Salvini geschrieben.

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Salvini drohte mit Beschlagnahmung

Salvini hatte den Seenotrettern gestern mit der Beschlagnahmung des Schiffes gedroht, wenn sie in die Gewässer des Landes fahren sollten. In Italien können mittlerweile zudem hohe Geldstrafen verhängt werden, wenn Schiffe unerlaubt in die Hoheitsgewässer fahren.

Immer wieder werden Rettungsschiffe mit geretteten Menschen auf dem Mittelmeer blockiert, weil die nächstgelegenen Staaten wie Malta und Italien ihnen ihre Häfen nicht zur Verfügung stellen wollen. Zuletzt hatte in solchen Fällen die EU-Kommission vermittelt, um aufnahmebereite Länder zu suchen. Allerdings sei noch immer keine Anfrage zur Koordinierung bei der Brüsseler Behörde eingegangen, hieß es zuletzt dort.

Sassoli fordert dringliche Hilfe

EU-Parlamentspräsident David Maria Sassoli forderte dringliche Hilfe und eine faire Verteilung für die Menschen an Bord der „Open Arms“. In einem Schreiben an EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker betonte Sassoli, dass die Lage ernst sei und unverzügliche Aktionen notwendig seien.

Natürlich könne eine Verteilung nur auf freiwilliger Basis erfolgen, so Sassoli. Doch „die Armen können nicht warten“. Das EU-Parlament werde alle Anstrengungen zu Hilfe für die Menschen unterstützen.

Der jüngste Fall von Bootsflüchtlingen auf der „Open Arms“ betreffe 121 Menschen an Bord, die nicht wüssten, wohin sie gehen sollten. „Wenn die EU weiterhin gleichgültig deren Schicksal gegenübersteht, würde das noch mehr Leid anhäufen, und ich glaube nicht, dass es das ist, was die Hüter der Europäischen Verträge in ihrem Herzen als richtig empfinden“, richtete sich Sassoli in emotionalen Worten an Juncker.