Jeffrey Epstein
AP/New York State Sex Offender Registry
New York

Epstein tot in Zelle aufgefunden

Der des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen beschuldigte US-Multimillionär Jeffrey Epstein ist Samstagfrüh tot in seiner Gefängniszelle in New York aufgefunden worden. Laut „New York Times“ („NYT“) und anderer US-Medien habe Epstein Suizid begangen.

Das US-Justizministerium bestätigte, dass der 66-Jährige tot in seiner New Yorker Gefängniszelle entdeckt worden sei. Aufschluss über die Hintergründe sollen von der Bundespolizei (FBI) bereits eingeleitete Ermittlungen liefern. Nach Angaben des Metropolitan Correctional Center sei Epstein gegen 6.30 Uhr (12.30 Uhr MESZ) von Mitarbeitern der Haftanstalt gefunden und in ein Krankenhaus gebracht worden. Dort sei Epstein schließlich für tot erklärt worden. Epstein wurden von der Staatsanwaltschaft auch Sexhandel und Verschwörung zum Sexhandel vorgeworfen, er soll zwischen 2002 und 2005 Dutzende teils minderjähriger Mädchen sexuell missbraucht und zur Prostitution angestiftet haben.

Erst Ende Juli hatten US-Medien berichtet, dass Epstein verletzt in seiner Gefängniszelle aufgefunden worden sei. Wächter hatten ihn demnach mit Blutergüssen am Hals auf dem Boden gefunden. Hinweise auf Verletzungen waren bei der Anhörung zwar nicht zu erkennen gewesen – Ermittler hatten einen Suizidversuch aber für möglich gehalten.

Anmerkung der Redaktion

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Das New Yorker Gefängnis, in dem Epstein saß, gilt als eines der sichersten der USA. Der berüchtigte mexikanische Drogenbaron Joaquin „El Chapo“ Guzman hatte dort zwei Jahre verbracht, bevor er im vergangenen Monat in ein Hochsicherheitsgefängnis in Colorado verlegt wurde.

Prozess hätte frühestens im Juni 2020 begonnen

Epstein wurde Mitte Juli verhaftet. Nach der Festnahme entschied ein Richter in Manhattan, dass Epstein bis zum Beginn seines Prozesses im Gefängnis bleiben muss, weil er eine „Gefahr für andere und die Gemeinschaft“ sei. Die Staatsanwalt hatte vorher ins Feld geführt, die Fluchtgefahr sei sehr hoch. Epsteins Verteidigung hatte dagegen gefordert, den Unternehmer für eine hohe Kaution im zweistelligen Millionenbereich in seinem Anwesen nahe dem Central Park in Manhattan unter Hausarrest zu stellen.

Der Prozess gegen Epstein hätte frühestens im Juni 2020 begonnen – das war vom zuständigen Richter zuletzt festgelegt worden. Im Falle einer Verurteilung hätten ihm bis zu 45 Jahre Haft gedroht. Epstein hatte die Vorwürfe zurückgewiesen und auf nicht schuldig plädiert.

Prominente Bekannte

Der 1953 in New York geborene Epstein hat sein Vermögen vor allem als Investmentbanker gemacht. So soll er das Geld von einer Reihe von Milliardären verwaltet haben. Ein Teil seiner Geschäftsaktivitäten bleibt jedoch im Dunkeln. Zu den Reichen und Mächtigen pflegte er enge Kontakte – etwa zu Ex-Präsident Bill Clinton, dem amtierenden US-Präsidenten Donald Trump, Prinz Andrew aus Großbritannien und Woody Allen.

Von Letzterem seien Fotos in Epsteins Haus gefunden worden. Gegen Allen gibt es seit Jahren Missbrauchsvorwürfe. Clinton etwa musste sich bereits mehrfach für seine Verbindungen zu Epstein erklären. Er ließ zuletzt mitteilen, er habe nichts von den Sexualstraftaten Epsteins gewusst und auch keinen Kontakt mehr. Ein Sprecher gab zudem an, dass Clinton Epsteins Privatjet mehrfach in Zusammenhang mit der Arbeit für seine Stiftung verwendet hatte.

Auch US-Präsident Trump distanzierte sich zuletzt von Epstein. Er habe vor langer Zeit ein Zerwürfnis mit ihm gehabt und sei kein Fan von ihm gewesen. In einem Interview mit dem „New York Magazine“ beschrieb Donald Trump Epstein dagegen im Jahr 2002 als „großartigen Mann“.

Causa Epstein kostete US-Arbeitsminister das Amt

Im Zuge des Missbrauchsskandals war vergangenen Monat US-Arbeitsminister Alex Acosta zurückgetreten. Er hatte als Staatsanwalt vor mehr als zehn Jahren eine außergerichtliche Einigung mit Epstein mit ausgehandelt, die diesem im Gegenzug für ein Geständnis ein Verfahren an einem Bundesgericht ersparte. Der Investmentbanker erhielt lediglich eine 18-monatige Haftstrafe und kam nach Ablauf von 13 Monaten frei. Ein Verfahren vor einem Bundesgericht blieb ihm erspart.