Eingestürzte Brücke in Genua
Reuters/Stefano Rellandini
Genua vor einem Jahr

Das verheerende Ende der Morandi-Brücke

Als am 14. August 2018 das Teilstück der Autobahn A10, das mitten durch die italienische Hafenstadt Genua führt, einstürzte, sind 43 Menschen gestorben. Einer der drei Stützpfeiler der Autobahnbrücke brach bei schwerem Unwetter ein – und mit ihm stürzte die vielbefahrene Fahrbahn rund 40 Meter in die Tiefe.

Fotostrecke mit 16 Bildern

Eingestürzte Brücke in Genua
APA/AFP/Filippo Monteforte
Während eines schweren Unwetters war am Dienstag um 11.36 Uhr das 40 Meter hohe Polcevera-Viadukt, das auch Morandi-Brücke genannt wird, auf rund 100 Meter Länge eingestürzt
Brücke in Genua
Reuters/Stefano Rellandini
Die Brücke ist Teil der Autobahn 10, die auch als Urlaubsverbindung „Autostrada dei Fiori“ bekannt und eine wichtige Verbindungsstraße nach Südfrankreich, in den Piemont und die Lombardei ist
Eingestürzte Brücke in Genua
Reuters/Stefano Rellandini
Unter den 43 Todesopfern waren Insassen von Fahrzeugen, die zu dem Zeitpunkt über die Brücke fuhren, und Mitarbeiter der darunter befindlichen städtischen Müllentsorgers AMIU
Eingestürzte Brücke in Genua
Reuters/Stefano Rellandini
Der Lkw, der monatelang nach dem Einsturz an der Abrisskante stand, wurde zum Symbol für das Unglück. Das Polcevera-Viadukt wurde 1967 eingeweiht, führte im Westen von Genua unter anderem über Gleisanlagen und ein Gewerbegebiet und dicht an bebautem Gebiet vorbei. Das Viadukt hatte eine Gesamtlänge von 1.182 Metern. Zum Zeitpunkt der Tragödie waren Bauarbeiten im Gange.
Eingestürzte Brücke in Genua
Reuters/Massimo Pinca
Die genaue Unfallursache ist bis heute Gegenstand von Ermittlungen. Nach dem Unglück gab es zahlreiche Gerüchte, mafiöse Machenschaften inklusive. Experten hatten nach dem Unglück erklärt, der Einsturz sei wegen der vielen baulichen Mängel an der Spannbetonbrücke vorhersehbar gewesen.
Rettungskräfte nach Einsturz von Brücke in Genua
Reuters/Stefano Rellandini
Tagelang suchten die Einsatzkräfte unter den Betontrümmern nach möglichen Überlebenden
Eingestürzte Brücke in Genua
Reuters/Stefano Rellandini
Die Katastrophe an der „kranken Brücke“, wie die Tageszeitung „Corriere della Sera“ sie nannte, entflammte auch die Debatte über die teils marode Infrastruktur. Hunderte Brücken und Tunnel sollen marode sein.
Eingestürzte Brücke in Genua
Reuters/Stefano Rellandini
Einem Bericht zufolge war bereits Monate vor dem Unglück bekannt, dass die Seile der Morandi-Brücke von Rost befallen waren. Das Ergebnis der Überprüfung habe weder zu einer Sperrung noch zu einer Begrenzung des Verkehrs auf der Brücke geführt, schrieb kurz nach dem Unglück die Zeitung „L’Espresso“.
Italiens Premierminister beim Ort der Tragödie
Reuters/Massimo Pinca
Italiens Regierungschef Giuseppe Conte besuchte noch am Tag des Einsturzes den Unglücksort. Er und die gesamte rechtspopulistische Regierung zeigten sich tief betroffen, kündigten Konsequenzen und einen raschen Wiederaufbau an.
Eingestürzte Brücke in Genua
Stefano Rellandini
Aus Sicherheitsgründen mussten die Feuerwehrleute zeitweise die Arbeit einstellen. Der Rumpf, der über evakuierten Wohnhäusern verläuft, machte verdächtige Geräusche.
Brücke in Genua
Reuters/Massimo Pinca
Die Schrägseilbrücke führte in rund 42 Meter Höhe über einen ehemaligen Rangierbahnhof, über die Wohnblocks der Via Enrico Porro, die Bahnstrecke Turin – Genua sowie das nördliche Ende des Rangierbahnhofs Genova Sampierdarena Smistamento sowie den Torrente Polcevera samt seinen Uferstraßen und Gewerbegebäuden. Anschließend überquerte das Viadukt mit aufgeständerten Rampen ein Gewerbegebiet und endete in einem langgestreckten Bogen vor dem ersten Tunnel der A10.
Eingestürzte Brücke in Genua
Reuters/Stefano Rellandini
Das Viadukt in Genua stand schon einige Zeit vor seinem Einsturz in der Kritik. Rund zwei Jahre davor forderte Antonio Brencic, ein Experte der örtlichen Universität, in einem Interview den Neubau: „Wir sollten es wie bei einem Auto betrachten: Wenn man es regelmäßig reparieren muss, dann sollte man sich ein neues kaufen.“
Brücke in Genua
Reuters/Massimo Pinca
Der Wiederaufbau ist nicht alles, auf das in Genua ein Jahr nach dem Einsturz der Brücke gewartet wird. Ein Ende der juristischen Aufarbeitung der Katastrophe ist noch nicht absehbar. Gegen mehr als 70 Menschen wird inzwischen ermittelt wie auch gegen den Autobahnbetreiber Autostrade per l’Italia, der über den Konzern Atlantia von der Familie Benetton kontrolliert wird.
Rendering der neuen Brücke
APA/AFP/Andrea Leoni
Genuas Bürgermeister Marco Bucci präsentierte wenige Tage vor Weihnachten des Vorjahres die Pläne für den Neubau der Brücke. Sie stammen von Stararchitekt Renzo Piano, der selbst aus Genua stammt.
Sprengungen auf Brücke
Reuters/Massimo Pinca
Im Juni wurden die Reste der Brücke gesprengt. Der Brückeneinsturz ist in Genuas Alltag immer noch allgegenwärtig. Neben dem menschlichen Leid geht es vor allem um die Folgen des Einsturzes für das Straßennetz und die Auswirkungen auf die Wirtschaft in Italiens größter Hafenstadt.
Sprengung der Brücke in Genua
Reuters/Massimo Pinca
Seit März sind die Bauarbeiten voll angelaufen – noch bevor im Juni die Reste der alten Brücke in einer spektakulären Aktion gesprengt wurden. Bereits 2020 soll die neue Brücke fertig sein. Ob der Termin tatsächlich hält, ist freilich fraglich.