Architekt muss wegen Brücke in Venedig Schadenersatz zahlen

Die vierte Brücke über den Canal Grande in Venedig, die am 11. September 2008 eingeweiht worden war, macht seinem Entwerfer, dem spanischen Architekten Santiago Calatrava, zu schaffen. Der katalanische Architekt ist von einem Rechnungshof in Venedig, der für die Kontrollen öffentlicher Ausgaben zuständig ist, zur Zahlung einer Geldstrafe von 78.000 Euro verurteilt worden, berichteten heute italienische Medien.

Viele Fehlplanungen

Wegen der hohen Ausgaben zur Instandhaltung des Bauwerks seien für die Gemeinde Venedig riesige Ausgaben entstanden, entschied das Gericht bei einem Berufungsprozess, nachdem Calatrava in erster Instanz freigesprochen worden war. Die hohen Kosten seien das Resultat einer fehlerhaften Planung der Brücke, behauptet der Rechnungshof. Auch bei der Ausschreibung des Projekts stellte der Rechnungshof beträchtliche Mängel fest.

Bereits 2011 zeigten sich erhebliche Mängel an den beiden Brückenlagern, die sich bereits um bis zu fünf Zentimeter verschoben hatten. Die von Calatrava entworfene Brücke verbindet die Insel Tronchetto mit dem Busbahnhof. Sie ist die erste Brücke, der man begegnet, wenn man vom Festland kommt. Der Brückenneubau war der erste in Venedig seit über 70 Jahren. Die Gemeinde Venedig war wegen der hohen Kosten des Projekts, über elf Millionen Euro, scharf kritisiert worden.

Rutschige Stufen

Die berühmten Glasstufen der Brücke waren im vergangenen Februar durch Trachyt-Platten ersetzt worden. Mehr als 5.000 Entschädigungsforderungen waren bei der Stadt von Personen eingereicht worden, die auf den Glasstufen ausgerutscht waren und sich verletzt hatten. Venedig musste deshalb bisher 60.000 Euro zahlen. Die Arbeiten für die Ersetzung der Glasstufen dauerten 30 Tage und kosteten rund 40.000 Euro.

Venedig besitzt bereits drei Brücken über den Canal Grande: Die berühmte Rialtobrücke, die Ponte dell’Accademia und die Scalzi-Brücke. Die Venezianer nennen die neue Brücke bisher schlicht nach dem Architekten „Ponte Calatrava“.