Lehrer schreibt an die Tafel
ORF.at/Zita Klimek
Neben Neuerungen

Engpässe bei Lehrkräften

Das neue Schuljahr bringt neben zahlreichen Neuerungen auch einen Mangel an Lehrerinnen und Lehrern, denn in einzelnen Fächern, Schularten und Regionen fehlen noch Lehrkräfte. Durch Maßnahmen wie Überstunden und Sonderverträge werde man trotzdem alle Stellen besetzen können, heißt es aus den Bildungsdirektionen der Bundesländer bei einem Rundruf der APA.

In Tirol wird es laut Bildungsdirektion ab Herbst in den Pflichtschulen zu einem Lehrermangel kommen. Knapp 300 Lehrer verabschieden sich in den Ruhestand – alleine in den Neuen Mittelschulen (NMS) sind es 160.

Um diese Entwicklung abzufedern, werde man bei Karenzierungen, Teilzeitbeschäftigungen oder der Genehmigung von Auszeiten nicht mehr so großzügig sein wie bisher. Auch mehrere Schulstandorte werden nicht mehr öffnen. Laut Tirols Bildungsdirektion sind in Tirol Kleinstschulen mit einer „Handvoll Kinder“ betroffen – mehr dazu in tirol.ORF.at.

Schüler während des Unterrichts in einer Volksschule
ORF.at/Carina Kainz
In Volksschulen gibt es zahlreiche Änderungen – und teilweise einen Mangel an Lehrkräften.

Personalmangel in Wien

In Wien sucht man vor allem noch Lehrpersonal für Informatik, Mathematik, Physik und Chemie an den AHS und berufsbildenden mittleren und höheren Schulen (BMHS). Hier sei die Suche nach passenden Bewerbern nicht immer einfach – auch weil oft Zusatzqualifikationen (etwa Betreuung der IT am Standort) benötigt werden oder die Stelle mit zusätzlichen Tätigkeiten wie Kustodiaten verbunden ist.

In den Volksschulen gibt es laut Wiener Bildungsdirektion eher einen Mangel an voll ausgebildeten Lehrkräften. „Viele nehmen nur eine halbe Lehrverpflichtung, um den Master parallel fertig zu machen.“

Probleme bei Lehrersuche für Randlagen

Im Burgenland gibt es bei den NMS vor allem in den naturwissenschaftlichen Fächern wie Physik und Chemie teilweise zu wenige Bewerber und Bewerberinnen, auch bei den Volksschulen mit der Minderheitensprache Kroatisch wird es eng. In der Steiermark ist es laut Bildungsdirektion zwischendurch schwierig, Lehrer für Volksschulen in geografischen Randlagen zu finden. Aus Oberösterreich wird Personalbedarf in Mathematik, Deutsch, Englisch, Physik, Chemie, Bewegung und Sport sowie Werkerziehung gemeldet.

In Vorarlberg werden noch Lehrer für Volksschulen sowie für Mathematik, Physik/Chemie und Werken an den NMS gesucht. Die Bildungsdirektion ist aber „zuversichtlich“, bis zum Schulbeginn alle offenen Posten besetzen zu können. Etwaige Engpässe sollen durch Mehrdienstleistungen abgedeckt werden, mitunter würden auch Lehrer aus höheren Schulen eingesetzt. Auch dort waren mit Stand Ende Juni im naturwissenschaftlichen Bereich noch Stellen vakant.

Keine Engpässe in Kärnten

In Kärnten wird es dagegen selbst in Randregionen genug Lehrer geben. „Da die neuen gesetzlichen Vorgaben auch eine Zulassung von Bewerbern mit Uniabschluss etc. zulassen, kann im Pflichtschulbereich mit keinen Engpässen gerechnet werden“, erklärte Bildungsdirektor Robert Klinglmair auf APA-Anfrage. Auch in Niederösterreich wurden die Personalengpässe in einigen Regionen mittels Sonderverträgen behoben, durch die Pädagogen mit einer Ausbildung für eine Höhere Schule (AHS, BHS) an NMS unterrichten können.

In Salzburg haben nur Chemie-Lehrer und Pädagogen im Bereich Sonderschule/Integration Aussicht auf eine rasche Anstellung. Sollten vereinzelt Personalengpässe entstehen, würden diese mit Sonderverträgen für Junglehrer und Quereinsteiger, Mehrdienstleistungen oder Pensionsaufschub bewältigt. Eine Volksschule, die zuletzt nur noch sechs Schüler hatte, bleibt geschlossen – mehr dazu in tirol.ORF.at

In welchen Fächern es Überangebote gibt

Mehr Bewerber als offene Stellen meldet Kärnten vor allem an AHS und BHS. An den höheren Schulen in Tirol besonders betroffen sind die Fächer Deutsch, Italienisch, Französisch und Englisch, in Vorarlberg Fremdsprachen, Deutsch, Geschichte, Geografie, Biologie und Philosophie. Schlechte Chancen auf eine rasche Einstellung haben in Salzburg vor allem Lehrer für Psychologie/Philosophie, Geschichte, Geografie und romanische Sprachen.

In Wien gibt es ein Überangebot an Bewerbern nicht nur an den höheren Schulen (v. a. in Geschichte, Psychologie/Philosophie, Spanisch, Italienisch, Französisch), sondern auch in einzelnen Fächern an den NMS (in Deutsch, Geschichte, Geografie, Bildnerische Erziehung sowie Psychologie/Philosophie).

Neuerungen von Noten bis Sitzenbleiben

Das Schuljahr 2019/20 bringt unter anderem eine Neuregelung der Notengebung und des Sitzenbleibens sowie ein Kopftuchverbot an den Volksschulen. Weitere Änderungen: Alle neu eintretenden Lehrer fallen nach Auslaufen einer Übergangsfrist ins neue Dienstrecht. Für die Neuen Mittelschulen wird es ein Übergangsjahr: Reformen wie zwei Leistungsniveaus ab der 2. Klasse treten stufenweise in Kraft.

Vor allem Volksschulen betroffen

Am spürbarsten werden die Neuerungen dieses Schuljahrs an den Volksschulen. Dort werden ab dem zweiten Semester der 2. Klasse wieder verpflichtend Ziffernnoten eingeführt – gleichzeitig wird aber in allen Klassen zumindest zusätzlich alternativ beurteilt. Außerdem können Schüler grundsätzlich ab der zweiten Klasse wieder sitzen bleiben. Außerdem werden alle Eltern zu Bewertungsgesprächen über Leistungsstärken und Leistungsstand eingeladen (bisher nur bei alternativer Beurteilung), bei Bedarf können Schüler auch zu Förderunterricht verpflichtet werden.

Ebenfalls neu an den Volksschulen: Untersagt wird ganz generell „das Tragen weltanschaulich oder religiös geprägter Bekleidung, mit der eine Verhüllung des Hauptes verbunden ist“. Begründet wird das mit „der sozialen Integration von Kindern gemäß den lokalen Gebräuchen und Sitten, der Wahrung der verfassungsrechtlichen Grundwerte und Bildungsziele der Bundesverfassung sowie der Gleichstellung von Mann und Frau“. Bei einem Verstoß droht eine Strafe bis zu 440 Euro.

Zwei Leistungsniveaus in NMS

An den Neuen Mittelschulen gibt es künftig ab der sechsten Schulstufe (2. Klasse) zwei unterschiedliche Leistungsniveaus („Standard“ und „Standard-AHS“). Diese lösen die bisher ab der siebenten Schulstufe (3. Klasse) bestehende Differenzierung in „grundlegende Allgemeinbildung“ und „vertiefende Allgemeinbildung“ ab. Die siebenteilige NMS-Notenskala wird abgeschafft, an ihre Stelle treten zwei vom System her ähnliche, einander überlappende je fünfteilige Skalen.

Schulautonom erhalten die NMS auch die Möglichkeit, zur Leistungsdifferenzierung ab der sechsten Schulstufe in Deutsch, Mathematik und Englisch dauerhafte Gruppen einzurichten – wobei auch während des Schuljahrs zwischen den Gruppen gewechselt werden kann. Einschränkung: Die Maßnahmen an den NMS können zwar ab heuer eingeführt werden, verpflichtend sind sie erst ab 2020/21.

Neu ist auch die Wiedereinführung eines freiwilligen zehnten Schuljahres an den Polytechnischen Schulen für Schüler, die ihr neuntes Schuljahr an einer AHS oder einer berufsbildenden mittleren und höheren Schule (BMHS) nicht erfolgreich abgeschlossen haben. Eine ähnliche Regelung gibt es bereits für im letzten Pflichtschuljahr an einer NMS oder am Polytechnischen gescheiterte Jugendliche.

Einheitliche Kriterien für Schulreife

Eine weitere Neuerung in diesem Schuljahr betrifft die Taferlklassler des Schuljahrs 2020/21. Bei der Schuleinschreibung Anfang 2020 gelten erstmals einheitliche Kriterien für die Feststellung der Schulreife. Grund dafür war die unterschiedliche Praxis in den einzelnen Bundesländern: Im Burgenland und in der Steiermark wurden zuletzt so gut wie keine Kinder wegen mangelnder Schulreife einer Vorschulklasse zugewiesen, in Vorarlberg waren es dagegen 16 und in Salzburg fast 20 Prozent.

Mit dem Schuljahr 2019/20 verlieren außerdem neu in den Schuldienst eintretende Lehrer das Wahlrecht zwischen altem und neuem Lehrerdienstrecht. Das neue System bringt eine Erhöhung der Unterrichtsverpflichtung auf grundsätzlich 24 Stunden sowie höhere Anfangsgehälter bei einer flacheren Gehaltskurve. Außerdem vorgesehen sind neue Regeln für Zulagen, verpflichtende Fortbildung für alle Lehrer außerhalb der Unterrichtszeit, eine Neugestaltung des Berufseinstiegs sowie ein Ende der Pragmatisierung bei gleichzeitiger Beibehaltung eines erhöhten Kündigungsschutzes.