Amazon lieferte neues Atwood-Buch in USA zu früh aus

Durch eine Panne beim Onlinehändler Amazon haben einige hundert Leserinnen und Leser Margaret Atwoods neuen Roman „Die Zeuginnen“ überraschend noch vor dem offiziellen Erscheinungstermin erhalten. „Ich fühle mich, als hätte ich im Lotto gewonnen“, schrieb ein Leser auf Twitter. Auch andere zeigten ihre Begeisterung in Sozialen Netzwerken.

Der Roman ist der Nachfolger von Atwoods 1985 veröffentlichter Dystopie „Der Report der Magd“. Darin geht es um die Republik Gilead, in der Frauen von einem theokratischen Regime unterjocht werden. 2017 wurde der Stoff als Serie für das US-Onlinevideoportal Hulu umgesetzt. Mittlerweile gibt es drei Staffeln.

„Die Zeuginnen“ hätte erst am Dienstag erscheinen sollen. Den Inhalt hat der US-Verlag Penguin Random House bisher geheim gehalten. Trotzdem wurde das Buch bereits auf die Shortlist des Booker Prize gesetzt, des wichtigsten britischen Literaturpreises.

Buchhändler wütend auf Amazon

Durch den Fehler bei Amazon dürften laut „Guardian“ an die 800 Personen das Buch erhalten haben. Während der Onlinehändler bisher nicht zur Panne Stellung nahm, ist der Ärger bei der Konkurrenz groß.

Sie habe eine Vereinbarung unterschreiben müssen, die Kopien des Romans an einem „überwachten und gesicherten Ort“ aufzubewahren und nicht vor dem Veröffentlichungstag im Verkaufsraum aufzulegen, berichtete die Besitzerin einer New Yorker Buchhandlung.

Der Verband der US-amerikanischen Buchhändler zeigte sich „enttäuscht über die ungeheuerliche Verletzung der vereinbarten Sperrfrist“. Andere Buchhändler äußerten den Verdacht, dass es für Amazon ob seiner Größe keine Konsequenzen seitens des Verlages geben werde – während kleinere Händler für eine derartige Panne mit schweren Strafen rechnen müssten.