Fünf frühere „Cumhuriyet“-Journalisten frei

In der Türkei sind fünf frühere Journalisten der regierungskritischen Zeitung „Cumhuriyet“ vorzeitig aus der Haft entlassen worden. Nach 142 Tagen im Gefängnis wurden sie gestern von ihren Angehörigen und weiteren Unterstützern begrüßt, als sie das Kandira-Gefängnis in der Stadt Kocaeli im Nordwesten der Türkei verließen. Einige Stunden zuvor hatte ein türkisches Berufungsgericht die Freilassung der Journalisten angeordnet, darunter der international bekannte Karikaturist Musa Kart.

Der Anwalt Tora Pekin sagte der Nachrichtenagentur AFP, die Gerichtsentscheidung gelte Kart und vier seiner früheren „Cumhuriyet“-Kollegen. Eine niedrigere Instanz hatte die Einsprüche der fünf Journalisten gegen ihre Verurteilung vor ein paar Monaten noch zurückgewiesen.

Ersturteil mit „Unterstützung von Terrorgruppen“ begründet

Die Verurteilung der Journalisten im vergangenen Jahr war mit „Unterstützung von Terrorgruppen“ durch ihre Berichterstattung begründet worden. Damals ergingen Haftstrafen zwischen zweieinhalb und acht Jahren gegen insgesamt 14 Angeklagte, darunter neben Journalisten auch leitende Mitarbeiter der Zeitung. Wegen der Urteile wurde der Regierung von Staatschef Recep Tayyip Erdogan einmal mehr vorgeworfen, die Pressefreiheit in seinem Land auszuhöhlen.

Die bereits 1924 gegründete „Cumhuriyet“ ist eine der wenigen türkischen Zeitungen, die nicht in der Hand von Medienmogulen ist, sondern einer unabhängigen Stiftung gehört. Das Blatt geriet immer wieder mit der türkischen Regierung in Konflikt. So floh ihr früherer Chefredakteur Can Dündar nach Deutschland, nachdem er in Istanbul 2016 wegen eines Artikels über mutmaßliche Waffenlieferungen der Türkei an Islamisten in Syrien zu fünf Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt worden war.