Überflutetet Parkplatz nach Unwetter in Spanien
Reuters/Jon Nazca
Jahrhundertsturm

Schwere Unwetter in Spanien

Heftige Regenfälle sind in den vergangenen Tagen über die spanische Mittelmeer-Küste gezogen. Seit Mittwoch hat es so stark geregnet wie seit 100 Jahren nicht mehr. In Valencia fielen innerhalb von 24 Stunden fast 300 Liter Regen pro Quadratmeter. Fünf Menschen starben, Dutzende mussten vor Überflutungen in Sicherheit gebracht werden. Für Valencia und Alicante bleibt die höchste Warnstufe aufrecht.

In Almeria in Andalusien starb ein Mann, als er mit seinem Auto in einer überfluteten Unterführung stecken blieb. Er hatte laut Presseberichten vom Freitag anscheinend Warnhinweise übersehen, als er in den Tunnel fuhr. Der Tunnel wurde nach Angaben der Stadtverwaltung „innerhalb weniger Minuten von immensen Wassermassen geflutet“.

In dem von den Fluten eingeschlossenen Auto seien insgesamt drei Menschen gesessen, sagte Almerias Bürgermeister Ramon Fernandez-Pacheco dem spanischen Radiosender Cadena Ser. Ein Polizist habe zwei von ihnen aus dem Fahrzeug retten können, der dritte Insasse ertrank. Und auch in der Nähe von Alicante gab es ein Opfer: Dort sei ein 58-Jähriger in den Wassermassen ertrunken, berichtete die Zeitung „El Pais“ am Freitagabend.

Überflutetete Straße nach Unwetter in Spanien
Reuters/Sergio Perez
Straßen und Bahnverbindungen wurden gesperrt

Am Donnerstag kamen in dem Dorf Caudete eine Frau und ein Mann ums Leben, als die Fluten ihr Auto von der Straße riss. „El Pais“ schreibt von einem weiteren Mann, der in der Nähe von Granada starb. Er wurde nach Angaben der Stadt einige Meter von seinem überfluteten Auto entfernt gefunden. Auch in den südöstlichen Gegenden rund um die Städte Murcia und Almeria kam es zu Überschwemmungen. Obwohl dort die höchste Warnstufe aufgehoben wurde, würden die Städte dennoch in Alarmbereitschaft bleiben, so „El Pais“, denn die Flüsse würden immer noch starkes Hochwasser führen.

Zahlreiche Sperren und Evakuierungen

Aufgrund der Überschwemmungen mussten zahlreiche Straßen und Bahnverbindungen gesperrt werden. Der Flughafen in Murcia blieb am Freitag geschlossen. 22 Flüge nach Palma de Mallorca wurden umgeleitet, wie die Flughafenbetreibergesellschaft Aena mitteilte. Der Regionalflughafen von Almeria war mehrere Stunden lang geschlossen. Zwei Flüge mussten gestrichen und zwei weitere umgeleitet werden. Auch einige Zugsverbindungen fielen aus.

Tote nach Unwettern in Spanien

Der spanische Wetterdienst spricht vom schlimmsten Unwetter in der Region seit Beginn der Aufzeichnungen.

In zahlreichen Haushalten und öffentlichen Gebäuden fiel der Strom aus. Schulen, Unis und weitere öffentliche Einrichtungen mussten größtenteils geschlossen werden. 690.000 Schülerinnen und Schüler waren davon betroffen. In einer Schule in Valencia stürzte eine Mauer ein, Verletzte gab es aber keine. Am Freitag wurden in Murcia rund 500 Menschen in Sicherheit gebracht. Ein Campingplatz in Almeria, auf dem etwa 60 Menschen ihr Wochenende verbringen wollten, wurde evakuiert. In Almeria alleine gingen 141 Notfälle wegen des Sturms ein.

Überflutetetes Gebiet nach Unwetter in Spanien
Reuters
Luftaufnahmen lassen das Ausmaß der Zerstörung erkennen

Innenministerium kündigt Hilfe an

Die Region Murcia berief einen Katastrophenrat ein, der nun beantragen soll, dass die gesamte Region zur Katastrophenzone erklärt wird. Das erklärte Fernando Lopez Miras, Präsident der Autonomen Gemeinschaft Murcia, auf Twitter. „Die Situation ist dramatisch. Wir sprechen nicht über einen bestimmten Bereich, sondern über die gesamte Region Murcia“, so Lopez Miras.

Laut „El Pais“ sind zumindest zwei Gemeinden, Torre Pacheco und San Javier, vollständig überflutet. Murcia bat die militärische Notfalleinheit Spaniens um Hilfe. Über Nacht trafen 90 Truppen in der Region ein. Wie groß der Schaden in allen betroffenen Gebieten tatsächlich ist, sei laut „El Pais“ aber noch nicht abschätzbar. Das Innenministerium kündigte aber schon jetzt finanzielle Unterstützung für die Betroffenen an.

Überflutungen in Murcia

In der Stadt Murcia sorgten Überschwemmungen für Chaos. Öffentliche Gebäude blieben geschlossen.

Spaniens Innenminister Fernando Grande-Marlaska sprach vor Medien von einer „ernsten Lage“, rund 3.000 Einsatzkräfte von Rettungsdiensten, Polizei und Armee seien insgesamt in den Katastrophengebieten. Rund 3.500 Menschen mussten wegen der Unwetter und Überschwemmungen ihre Häuser verlassen. 74 Straßen seien am Freitag wegen Hochwassers gesperrt gewesen, führte der Innenminister aus. Auf Videoaufnahmen war zu sehen, wie Rettungskräfte auf Jetskis durch einen überschwemmten Autobahntunnel fuhren. In Redovan in der Region Valencia wateten Einwohnerinnen und Einwohner durch kniehohes Wasser.